MEINUNG & POSITION

„Kernenergie gefährdet das Gemeinwohl“

Aufgrund der Kooperation mit der Wirtschaftsgesellschaft der Kirchen in Deutschland mbH zählen zahlreiche Kirchenkreise und Kirchengemeinden zu unserem Kundenstamm. Da ich diese Kooperation mit betreue, freute ich mich sehr, als mir eine Kollegin vor einigen Tagen die Stellungnahme „Kirche, Kernenergie, Klimawandel“ des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover (einer Einrichtung des Bistums Hildesheim) zusendete. Mir gefiel die Stellungnahme auf Anhieb wegen der klaren, eingängigen Sprache. Ich beschloss, mit dem Mitverfasser der Stellungsnahme, Dr. Eike Bohlken – Assistent am Forschungsinstitut, Privatdozent für Philosophie an der Universität Tübingen und früherer Bassist der Band Blumfeld – in Kontakt zu treten. Wir führten ein angenehmes Telefongespräch, in dem ich ihn um eine Zusammenfassung für das Blog bat.

Achim Vogt, LichtBlickBlog-Autor

Kirche, Kernenergie, Klimawandel

Eine Stellungnahme von Dr. Eike Bohlken

Gastautor PD Dr. Eike Bohlken ist Assistent am Forschungsinstitut für Philosophie Hannover, Foto: Privat
Gastautor PD Dr. Eike Bohlken ist Assistent am Forschungsinstitut für Philosophie Hannover, Foto: Privat

Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover (FIPH), eine Einrichtung des Bistums Hildesheim, hat auf Initiative des Umweltbeauftragten und auf Wunsch des Generalvikars des Bistums die Stellungnahme „Kirche, Kernenergie, Klimawandel“ erarbeitet. Konkrete Ausgangspunkte waren die Vorfälle im Atomlager Asse und die erneute Diskussion um das Erkundungsbergwerk Gorleben, die beide auf dem Gebiet des Bistums liegen. Angesichts der bevorstehenden Entscheidung der Bundesregierung über eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke soll die Stellungnahme einen Beitrag gegen einen vorschnellen Entschluss leisten.

In ihrer philosophischen Argumentation kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die weitere Nutzung der Kernenergie gemeinwohlschädlich und daher nicht zu verantworten ist.

Die Entscheidung über die weitere Nutzung der Kernenergie muss im Gesamtkontext des Klimawandels gesehen werden. Damit stellt sich nicht nur die Frage nach einer möglichst CO2-armen Energieversorgung. Auf dem Prüfstand stehen der Lebensstil und die Zivilisationsformen der modernen Wachstumsgesellschaft, deren Verhältnis zur Natur wesentlich durch Beherrschung und den Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen bestimmt ist.

Vor dem Hintergrund des globalen Gemeinwohls – als des Wohles aller Menschen –  stellen lebenszuträgliche Umweltbedingungen ein fundamentales Gemeinwohlgut dar, das für alle gegenwärtig und zukünftig lebenden Menschen gesichert werden muss. Dieses Gut wird durch die Großtechnologie Kernenergie gefährdet.

Denn:

  • das Problem der Endlagerung ist weder theoretisch noch praktisch gelöst;
  • Störfälle, von denen erhebliche Gefährdungen der Umwelt ausgehen, können nicht ausgeschlossen werden;
  • der Betrieb von Atomkraftwerken ist mit den Gefahren der Verbreitung kernwaffenfähigen Materials und des terroristischen Einsatzes radioaktiver Stoffe verbunden;

Darüber hinaus ist die Nutzung der Kernenergie mit einer unverhältnismäßigen Verteilung von Schaden und Nutzen zwischen Industrienationen und „Entwicklungsländern“ verknüpft. In ihrer gegenwärtigen Form ist sie ein Element globaler Ungerechtigkeit. Da sie die Energiewende behindert, stellt die Kernenergie keine Lösung des Klimaproblems dar.

Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung der Stellungnahme des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover, die auf der Startseite der Institutshomepage unter www.fiph.de als pdf abrufbar ist. Ende August erscheint eine Druckversion beim LIT-Verlag, die auch maßgebliche Dokumente verschiedener Institutionen der katholischen und evangelischen Kirche enthält: Eike Bohlken/Volker Drell/Mandy Dröscher/Thomas Hoffmann/Ansgar Holzknecht/Jürgen Manemann (Hg.): Kirche – Kernenergie – Klimawandel. Eine Stellungnahme mit Dokumenten, Münster: LIT-Verlag 2010, (ca. 180 Seiten).


Zurück zur Übersicht »

Artikel kommentieren