MEINUNG & POSITION

Kein Licht aus, nirgends

Anti-Atom-Berlin, Foto: LichtBlick
Anti-Atom-Berlin, Foto: LichtBlick

Ist bei Ihnen diese Woche das Licht ausgegangen? Nein? Seit Montag sind nur noch 6 der 17 deutschen AKWs am Netz. Denn neben den ohnehin durch das Moratorium zwischenzeitlich stillgelegten Altmeilern werden derzeit weitere Kraftwerke routinemäßig überprüft. Nur noch 10 statt der üblichen 23 Prozent des deutschen Stromes wird derzeit atomar erzeugt. Eigentlich müsste – glaubt man der jahrelangen Panikmache der Atomfreunde – ständig der Strom ausfallen. Doch das ist nicht passiert. Selbst die Preise an der Strombörse entwickelten sich diese Woche moderat. Wäre Strom knapp, würden die Preise in die Höhe steigen.

Zeitweise ersetzt Wind- und Sonnenstrom bereits komplett Atomstrom

Von Engpässen also keine Spur. Deutschland importiert allerdings seit dem Atom-Moratorium Mitte März mehr Strom aus französischen und tschechischen Kraftwerken. Eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag des WWF zeigt, dass es sich dabei nicht um Atomstrom handelt. Auch höhere CO2-Emissionen sind demnach aufgrund der europaweiten Deckelung des CO2-Ausstosses nicht zu befürchten.

Gleichzeitig exportiert Deutschland weiterhin viel Strom in andere Nachbarländer. In den letzten Jahren haben wir aufgrund der Überkapazitäten im Strommarkt stets mehr Strom erzeugt, als hierzulande verbraucht wurde – Deutschland ist bislang Strom-Exportland.

Zeitweise gelingt es bereits heute, den wegfallenden Atomstrom vollständig durch Wind- und Sonnenstrom zu ersetzen. Am Donnerstag Mittag lieferte vor allem die Sonne bis zu 13.500 Megawatt Strom – das entspricht in etwa der Kapazität der stillgelegten Meiler.

Letztes AKW kann bis 2015 vom Netz

Mit dem zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien können alle AKWs bis 2015 vom Netz – die ersten 8 bis 10 schon heute. Die letzten Tage belegen eindrucksvoll: Die Rede von der Stromlücke und steigenden Strompreisen beim Abschalten der Atommeiler war und ist nichts anderes als ein Märchen der Kernkraftlobby. Klar ist aber auch: Wir brauchen einen zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien, intelligentere Netze, Speicher und flexible, dezentrale Ergänzungskraftwerke wie unsere LichtBlick-ZuhauseKraftwerke – die immer dann SchwarmStrom erzeugen, wenn Wind und Sonnenstrom nicht zur Verfügung stehen – um die Energiewende zu schaffen.


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6 Kommentare

  • Markus sagt:

    Die Frage ist, wie viel Atomstrom Deutschland derzeit aus dem Ausland importiert.

    Letzte Woche gab es auf ArteTV einen sehr interessanten Film. Die 4. Revolution. Unbedingt anschaun. Die Energiewende ist schon jetzt möglich. Wenn die Regierungen wollen und sich von den Energiekonzernen unabhängig machen.

    http://www.4-revolution.de/


  • Schinderhannes sagt:

    „Eindrucksvoll belegt“ ist durch den Vorgang allerdings nur folgendes:

    1. es gibt eine Stromlücke beim Abschalten weiterer AKWs
    2. die Lücke wird aktuell durch Einsatz des übelsten aller Energieträger ersetzt, nämlich durch Kohle

    Diese Tatsache als Erfolgsmeldung der Anit-AKW-Bewegung zu verkaufen, ist ein besonderes Geschick, das man Ihnen allerdings zubilligen muß. Nun will man mit Rechenkunststücken des Emissionshandels den Einsatz fossiler Brennstoffe kaschieren. Der kritische Leser wird hier skeptisch bleiben, denn Papier ist geduldig, Betrug jederzeit möglich und zuletzt beweist „Deckelung“ nicht, daß nicht erheblicher Mehrverbrauch von CO-2 im Vergleich zum Weiterbetrieb der AKWs stattfindet.

    Welche Kosten der „zügige Ausbau der erneuerbaren Energien“ fordern wird, ökologische wie finanzielle, läßt sich noch nicht erkennen und jedenfalls aus dem vorübergehenden Einsatz von Kohlekraftwerken nicht ablesen. Für euphorische Meldungen sehe ich hier, wie auch für die nächsten 5-10 Jahre, noch keinen Anlaß.


  • Ralph Kampwirth sagt:

    @nenneswertes: Kurzfristig müssen auch Kohlekraftwerke einspringen. Allerdings können die Atommeiler zügig durch hocheffiziente Gaskraftwerke, vor allem aber durch einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien ersetzt werden. Aufgrund der steigenden Kosten für CO2-Zertifikate in Europa wird übrigens mit dem Atomausstieg der Anreiz für die Konzerne steigen, in andere Formen CO2-freier oder -armer Stromproduktion zu investieren. Die Abschaltung bewahrt uns also nicht nur vor weiterem Atommüll, sondern beschleunigt auch die Energiewende.


  • Michael Hartmann sagt:

    Und ich dachte schon nur bei uns im Ort wären die Leute so unartig gewesen, dass wir jetzt mindestens 4 Stunden auf den Stand-Fahrrädern strampeln müssen um eine Stunde Strom zu bekommen. 😉


  • nennenswertes sagt:

    Der Text verschweigt, dass Momentan die deutsche Kohlekraftwerke auf Hochtouren laufen und in Zukunft noch verstärkt weiter laufen werden. Zudem müssen noch weiter Kohlekraftwerke gebaut werden um den Ausfall der AKWs zu decken. Umweltschutz ist das nicht!
    http://bit.ly/koWA3z


  • Wolfgang Maier sagt:

    Na also, geht doch! Solche Nachrichten sollten endlich mal in den 20:00Uhr Nachrichten gesendet werden, damit den Menschen endlich das Ausmaß der Lügen klar wird, die uns seit Jahren und täglich auf neue aufgetischt werden!

    Leider ist die Regierung offensichtlich wieder drauf und dran, die Weichen falsch zu stellen. Wenn sie nämlich versucht, die Förderung von erneuerbaren Energien zu Gunsten der großen Energiekonzerne zuverändern…

    Die Energieversorgung unseres Landes geht uns alle an und gehört nicht in die Hand einger weniger profitgieriger Konzernbosse! Deshalb muss auf die Liberalisierung endlich die Dezentralisierung des Energiemarktes folgen!


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