MEINUNG & POSITION

Keep it in the ground

Divestment, Carbon Bubble – auf diese Begriffe treffen wir in den Medien immer häufiger. Doch was verbirgt sich dahinter? Es geht um Klimawandel, um CO2-Emissionen, um fossile Rohstoffe. Bei allen aktuellen Klimaverhandlungen steht die 2-Grad-Grenze im Fokus. Politiker weltweit diskutieren, wie wir diese Grenze nicht überschreiten – mit eher mäßigem Erfolg. Organisationen wie Carbon Tracker oder 350.org gehen einen anderen Weg. Sie setzen für viele beim stärksten Argument an, beim Geld.

Kohlenstoffblase - CarbonBubble, Grafik: Felix Müller, lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
Kohlenstoffblase – CarbonBubble, Grafik: Felix Müller, lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Die Carbon Bubble

So haben Carbon Tracker, eine unabhängige Organisation aus Finanz- und Energieexperten, berechnet, dass wir maximal noch 565 Milliarden Tonnen CO2 ausstoßen dürfen, damit die 2-Grad-Grenze nicht überschritten wird. In den bekannten Lagerstätten von Kohle, Öl und Gas lagern allerdings umgerechnet ungefähr 2.795 Milliarden Tonnen CO2. Diese Lagerstätten sind bereits erschlossen beziehungsweise in diese haben Unternehmen, Regierungen und andere Finanzgeber schon Gelder investiert. Und Unternehmen erschließen immer mehr Kohle-, Öl- und Gasfelder. Damit wächst die Carbon Bubble, die Kohlenstoffblase. Denn es werden Gelder in die Förderung von Rohstoffen investiert, die unter der Erde bleiben müssten. Führende Banken gehen davon aus, dass Unternehmen, die in der Förderung von fossilen Rohstoffen tätig sind, einen massiven Wertverlust erleben werden.

Divestment zum Schutz des Klimas

Divestment heißt: Keine (öffentlichen) Investitionen in die fossile Industrie, Foto: PantherMedia
Divestment heißt: Keine (öffentlichen) Investitionen in die fossile Industrie, Foto: PantherMedia

Wer sein Geld behalten möchte, investiert also besser nicht in diese Unternehmen. Hier setzt 350.org mit ihrer Divestment-Kampagne an. Unter dem Schlagwort „Divestment“ fordern sie Investoren auf, ihre Gelder aus der fossilen Brennstoffindustrie abzuziehen. Dabei haben sie vor allem öffentliche Geldgeber im Blick, wie Gemeinden, Städte, Hochschulen, Kirchen und ähnliche Institutionen. Denn platzt die Kohlenstoffblase, sind die angelegten Gelder verloren und viele öffentliche Einrichtungen geraten in finanzielle Schwierigkeiten.

Öffentliche Gelder abziehen

Weltweit beteiligen sich bereits 180 Institutionen an der Kampagne – allen voran die skandinavischen Länder. So will beispielsweise Oslo die Gelder aus Kohle-Investitionen abziehen, auch der norwegische Pensionsfond hat angekündigt, seine Gelder aus besonders klimaschädlichen Anlagen abzuziehen. Doch auch Universitäten in Stanford und Glasgow sowie die Städte San Francisco, Seattle und Paolo Alto wollen ihre Investitionen umschichten. Größeres Erstaunen in der Finanzwelt wird sicher die Ankündigung des Rockefeller Brother Fund gehabt haben, sich von Anlagen in der fossilen Industrie zu trennen. In England unterstützt zudem die Zeitung The Guardian die Kampagne mit „Keep it in the ground“ sehr stark. Auch in Deutschland kommt die Bewegung langsam in Schwung. So überlegen Münster und Berlin sich an der Divestment-Kampagne zu beteiligen.

Umgerechnet 2.795 Mrd. Tonnen CO2 müssen in der Erde bleiben, Foto: PantherMedia
Umgerechnet 2.795 Mrd. Tonnen CO2 müssen in der Erde bleiben, Foto: PantherMedia

Erfolgreicher als politisches Verhandeln

Die Bewegung könnte aus verschiedenen Gründen mehr bewirken als politische Verhandlungsrunden:
1. Die Organisationen drehen den Spieß einfach um: Es ging vorher immer darum, welches Land wieviel Emissionen reduzieren muss. Und hier hat das Land verloren, das sich zuerst bewegt. Der jetzige Ansatz geht über den Finanzmarkt und dass Gelder von den Firmen und Projekten abgezogen werden, die klimaschädigend sind. Wenn die Carbon Bubble tatsächlich platzt, hat der verloren, der sich zuletzt bewegt.
2. Wenn sich Politiker bewegen und Vereinbarungen abgeben, bedeutet das noch gar nichts, wenn sich das Geld bewegt, verändert sich alles.
3. Es ist ein positiver Ansatz, der sachlich analysiert und auf die erneuerbaren Energien setzt.


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