MEINUNG & POSITION

Immerath jetzt Erkelenz – ein Dorf verschwindet

Viele Menschen sind in diesen Tagen bewegt von dem, was sich am Rande des Braunkohletagebaus Hambach im Hambacher Wald ereignet. Es wird den Menschen die völlige Sinnlosigkeit dieses Ansatzes der Energiegewinnung vor Augen geführt. RWE zerstört die Natur, vernichtet Kultur- und Lebensräume und nicht zuletzt die Heimat vieler Menschen. Das alles geschieht, um dann auf die klimaschädlichste Weise elektrische Energie herzustellen.

Wilfried Gillrath wird tagtäglich daran erinnert, dass sein Geburtsort dem Tagebau zum Opfer fällt, Foto: LichtBlick
Wilfried Gillrath wird tagtäglich daran erinnert, dass sein Geburtsort dem Tagebau zum Opfer fällt, Foto: LichtBlick

Geburtsort fällt Tagebau zum Opfer

Mich persönlich bewegt dieses Thema bereits mein gesamtes Leben. Ich wurde in einem Ort namens Immerath geboren, der bald dem benachbarten Tagebau in Garzweiler zum Opfer fallen wird. Täglich werde ich daran erinnert, weil in meinem Personalausweis als Geburtsort „Immerath jetzt Erkelenz“ ausgewiesen wird. Das ist offensichtlich der pragmatische Umgang der Behörden mit der Tatsache, dass Immerath zunächst eingemeindet und dann der komplette Ort in das Stadtgebiet von Erkelenz umgesiedelt werden musste. Ironischerweise liegt Neu-Immerath nun in unmittelbarere Sichtweite des Hauses meines Bruders und seiner Familie.

Tagebau greift in Lebenspläne ein

Die Hilflosigkeit der Menschen aus den zerstörten Orten, die gerne in ihren Dörfern bleiben würden und die teilweise über Generationen im Besitz der Familie befindliche Häuser gegen Abfindungen eintauschen müssen, habe ich seit kleinster Kindheit vor Augen. In meiner Heimat gibt es zudem viele landwirtschaftliche Betriebe, die in diesem Zuge ihr Acker- und Weideland verlieren. Flächen, die über lange Zeiträume von den jeweiligen Familien nachhaltig bewirtschaftet wurden. Vielen Bauern ist das Goethe-Zitat aus Faust „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“ eine wirkliche Herzensangelegenheit. Der Braunkohleabbau raubt diesen Menschen alle Chancen, dieses Land an die nächste Generation weiterzugeben, wie es seit Ewigkeiten Tradition ist.

Der Tagebau frisst sich in die Landschaft und zerstört dabei nicht nur Naturschätze, sondern auch Kulturgüter und Gemeinschaften, Foto: PantherMedia
Der Tagebau frisst sich in die Landschaft und zerstört dabei nicht nur Naturschätze, sondern auch Kulturgüter und Gemeinschaften, Foto: PantherMedia

Jeder Mensch hat die Wahl

Diesem Gefühl der Hilflosigkeit muss man sich aber nicht hingeben. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch einen Beitrag zur Verbesserung der Welt leisten und seinem jeweiligen Anliegen eine Stimme verleihen kann. Mein persönlicher Beitrag ist LichtBlick. Jeder Mensch, der sich mit LichtBlick verbindet, gibt eine Stimme ab. Eine Stimme für eine Welt, in der man selber und die nachfolgenden Generationen leben möchte. Jeder Mensch hat die Wahl, die Welt ein wenig besser zu machen. Jeweils bezogen auf die individuelle Situation und die eigenen Möglichkeiten. Diese Schritte können dann im Einzelfall noch so klein sein, aber durch Umweltorganisationen oder Unternehmen wie LichtBlick besteht die Möglichkeit, den individuellen „Spirit“ zu einem globalen Einflussfaktor zu machen.

Verantwortung für lebenswerte Welt

In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn möglichst viele Menschen durch die Art ihres Konsums und die Steuerung ihrer Geldflüsse ein Zeichen setzen würden. Denn auf diese Weise übernimmt jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten Verantwortung für eine lebenswerte Welt.

Wilfried Gillrath ist CEO von LichtBlick und lebt inzwischen in Hamburg. Bei Familienbesuchen hat er den Tagebau und seine Folgen für Menschen und Umwelt jedoch immer wieder vor Augen.

 


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13 Kommentare

  • Michael sagt:

    Eine Welt, die den Mensch nicht braucht!

    Leider wird man immer wieder feststellen, dass es nur um Profit, Egoismus und vor allem um die Gier geht. Menschen denken, wie toll und intelligent Sie sind. Ist doch alles völliger Blödsinn! Wenn man sieht wie alles kaputt gemacht wird und das Volk den Mist glaubt was die großen an der Macht uns erzählen. Es ist doch lachhaft wenn man glaub dass man mit einem Elektro-Auto der Umwelt weniger schadet. Genau das ist der Grund, warum Wälder abgeholzt werden und Kohle abgebaut wird. Denkt den einer der Intelligenten Politiker oder Ingenieure, was hier für ein Giftmüll produziert wird? Die ganzen Akkus haben auch nur einen bestimmten Lebenszyklus und enden dann als Giftigen Sondermüll, von der Herstellung fange ich erst garnicht an. Leider kommt man hier wieder an den Punkt wo ich genannt habe, Profit und Gier.
    Hätte ich die Möglichkeit einen Knopf zu drücken, wo die Menschen (mich eingeschlossen) von heut auf Morgen nichtmehr existieren, Würde ich ihn bedenkenlos drücken.
    Die Welt sollte denen gehören wo genug Respekt vor Ihr haben, den Tieren und Pflanzen.


  • Joe Fox sagt:

    Bevor das Dorf dort erbaut wurde, hat Karl der Käfer dort gewohnt. Auch er wurde vertrieben. Allerdings viel grausamer als die Dorfbewohner. Vertrieben, nicht umgesiedelt!
    Jede Fläche, die heute als Bauland für „MEIN HAUS“ erschlossen wird, zerstört ein Biotop! Auch diejenigen der GRÜNEN Häuslebauer sind ökologischer Unfug. Beim Bau von Mehrfamilienhäusern ist die Zerstörungsquote ungleich geringer.
    Also: Schluss mit dem Gejammer um den Hambacher Forst!


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Guten Morgen,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich würde schon differenzieren zwischen Wohnungsbau, der notwendig ist, und der Rodung eines Waldes, die aufgrund des Kohleausstiegs eventuell nicht mehr nötig ist. Sie haben natürlich Recht, dass durch Bebauung – zu der dann aber auch Autobahnen etc. gehören – viel Fläche versiegelt wird. Doch beim Hambacher Wald lässt sich heute schon relativ sicher sagen, dass die Kohle in der Erde bleiben müsste, um die Klimaziele zu erreichen und der Wald sinnlos gefällt werden würde.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


  • andreas dörfel sagt:

    das was der kohle weichen mus wird gut entschädigt.wie sonst konnten sich zb.die heurersdorfer solche schmucke hütten bauen lassen.sowas kann sich kein normalsterblicher leisten.
    ja und beim stromkauf was aus der dose kommt sieht keiner man kann zwar öko bezahlen aber am ende ist es atomstrom aus frankreich.oder schaut ihr nach ob es grüne oder normale stromlinge sind die in euer kabel flutschen


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Herr Dörfel,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Bezüglich der Entschädigung passt das, was Wiebke Truelsen sagt: Es geht ein Teil der eigenen Geschichte verloren und einiges lässt sich auch nicht mit Geld ausgleichen.

      Beim Strom ist es so, dass dieser sich immer den kürzesten Weg sucht. Das heißt: Steht bei Ihnen eine Windkraft-Anlage in der Nähe, werden Sie diesen Strom beziehen – egal, ob Sie einen Ökostromtarif haben oder mit konventionellem Strom beliefert werden. Umgekehrt ist es natürlich auch so, dass jemand, der einen Ökostromtarif bezieht, aber in der Nähe eines Kohlekraftwerks wohnt, real eher Kohlestrom bekommt als grünen Strom. Es macht jedoch einen Unterschied, ob Sie mit Ihrer Stromanbieter-Wahl Unternehmen unterstützen, die nach wie vor als Kohle und Atom setzen oder Unternehmen, die die Energiewende und Klimaschutz vorantreiben wollen.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


  • Wiebke Truelsen sagt:

    auch mein Elternhaus verschwand..für die Verbreiterung des Nordostseekanals und dem zeitgleichen Bau der Autobahn A7 und für die Brücke brauchte man hohe Zufahrten. So etlebte ich als 17 jährige wie Tag und Nacht gebaggert wurde..und unsere Umgebung zur Mondlandschaft sich wandelte..alke die nun selbstverständl die Autobahn nutzen. und das macht doch jeder..alle die Waren per Schoff nutzen..auch das tun wir alle..wir sind immer Teil der Zerstörung für den Fortschritt und blenden es gerne aus. Dort wo mein Zuhause war..nur Wasser..aber Entschädigung minimal hat mir nicht gebracht was mir nun fehlt. das gefühl. dort eingach mal hingehen zu können. Faher kümmere ich mich nun sehr um den Hof meines verstotbenen Mannes. meine Kinder unf Enkel sollen nicht so entwurzelt sein. Natprlich muss man neu woanders beginnen wenn ergorderlich..aber es ist schwer keinen Zugang mehr zur eigenen Geschichte zu haben..eine Gruppe von Häusern..weg..ausradiert mehr noch einfach ausgelöscht..


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Frau Truelsen,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben natürlich Recht: Die Menschen müssen nicht nur dem Tagebau weichen, sondern auch andere Großprojekte führen manchmal zu Umsiedlungen.

      Vielen Dank für Ihre Offenheit.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


  • Dietmar Blum sagt:

    Und was ist mit den Menschen, deren Heimat, deren Geburtsort durch Windräder umzingelt wird? Deren Elternhaus nicht mehr verkäuflich ist? Ihr Heuchler!


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Herr Blum,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Auch beim Ausbau der Erneuerbaren erwarten wir einen respektvollen Umgang mit Menschen und Natur. Umfragen zeigen immer wieder, dass Windparks oder andere erneuerbare Anlagen eher akzeptiert werden, wenn die Bürger und Anwohner in die Planung einbezogen werden. Es ist wichtig, dass alle Seiten angehört und berücksichtigt werden. Ich weiß jedoch auch, dass das eine Idealvorstellung ist und es beim Bau von erneuerbaren Anlagen am Ende oft um wirtschaftliche Interessen geht.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


  • Michael Kremmel sagt:

    Es ist schlimm, wenn aus Profitgier etwas aus Mutter Erde geholt wird, was nur einen geringen Brennwert hat, aber dafür irrsinnige Abgase in die Luft schleudert und dafür auch noch Menschen vertrieben werden – nicht nur die im Hambacher Forst – sondern durch die klimaschädlichen Gase WELTWEIT.
    Jeder der seinen Strom bei RWE kauft, trägt bewusst an diesem Leid seinen Anteil.


  • Rolf heid sagt:

    giftiges über Rheinland sprühen
    meine Meinung


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Herr Heid,

      vielen Dank, dass Sie sich an der Diskussion beteiligen wollen. Allerdings finden wir Ihren Kommentar nicht passend und behalten uns vor diesen zu löschen.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


  • Kathrin Rohrlapper sagt:

    Tja das Problem besteht wohl hauptsächlich darin, das man um den Tagebau zu beenden, die Arbeiter anderseitig beschäftigen muß. Dazu brauchte mann Industrie. Ich selbst habe mal 20 Jahre als Verkäuferin gearbeitet und arbeite nun als Zeitarbeiter in der Produktion. Das brachte für mich mehr Vorteile.-kein Stress,vorallen vor Feiertagen -geregelte Pausen, -mehr Lohn. Nachteil: Ich arbeite in 3 Schichten und habe einen Arbeitsweg von 36 km, aber das ist es mir Wert. Ich hoffe mann findet einen guten Ausweg für die Tagearbeiter und für Abschaffung des Tageabbaus.


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