MEINUNG & POSITION

Hohe Kosten trotz sinkender Netzentgelte

Der 15. Oktober wird von allen in der Energiebranche rot im Kalender angestrichen: An diesem Tag werden die Netzentgelte und die EEG-Umlage für das jeweils kommende Jahr bekannt gegeben.

EEG-Umlage im Fokus

Besonders im Fokus steht die EEG-Umlage. Mindestens einen Monat vorher fangen die Spekulationen an – steigt sie, sink sie und um wie viel. Die EEG-Umlage muss auch immer als Gradmesser für die Energiewende und deren Kosten herhalten. Steigt die Umlage sind die Proteste natürlich besonders laut. Dieses Jahr, besser gesagt für 2018 sinken die Kosten leicht auf 6,79 Cent pro Kilowattstunde.

Doch Kostentreiber sind Netzentgelte

Doch die EEG-Umlage ist schon längst nicht mehr der teuerste Kostenpunkt auf der Stromrechnung. Es sind die Netzentgelte. Sie machen mehr als ein Viertel des Strompreises aus. Während die EEG-Umlage im kommenden Jahr 6,79 Cent pro Kilowattstunde beträgt, fallen für den Stromtransport im Durchschnitt 7,06 Cent an. In Summe zahlt ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden 2018 im Schnitt 247 Euro für die Netznutzung – gegenüber 238 Euro für die EEG-Umlage.

Netzentgelte 2018 - ein Blick auf die 16 Landeshauptstädte, Grafik: LichtBlick
Netzentgelte 2018 – ein Blick auf die 16 Landeshauptstädte, Grafik: LichtBlick

Regionale Unterschiede

Dabei ist die Entwicklung der Netzentgelte regional sehr unterschiedlich. Acht der 36 untersuchten Betreiber heben die Gebühren um durchschnittlich acht Euro pro Jahr an, während 27 Netzbetreiber die Kosten im Schnitt um 26 Euro senken.

Schauen wir uns das einmal genauer an: Hoch im Norden wird es für die Stromkunden besonders teuer. Im Vergleich der 16 Landeshauptstädte müssen Verbraucher in Kiel im kommenden Jahr mit Netzkosten von 259 Euro pro Jahr am tiefsten in die Tasche greifen, gefolgt von Hamburg. Saarbrücken folgt auf Platz 3 mit 244 Euro. Berlin liegt mit 205 Euro im unteren Mittelfeld. Am wenigsten zahlen die Bremer mit 162 Euro.

Und abseits der Städte? Auch in den jeweiligen Netzgebieten zahlen die Norddeutschen am meisten: Im Westteil Mecklenburg-Vorpommerns fallen beim Netzbetreiber Wemag trotz einer Senkung um knapp 29 Euro immer noch 381 Euro pro Jahr an Netzentgelten an. Es folgt die Schleswig-Holstein Netz AG mit 359 Euro.

Mehr Transparenz bei den Netzentgelten

Bei all den Kosten wollen wir aber auch nicht verschweigen, dass die Netzentgelte im kommenden Jahr im Schnitt um 18 Euro pro Jahr sinken. Aber das ist kein Grund zur Entwarnung. Denn nach wie vor bleiben die Netze für Konzerne und Stadtwerke eine staatlich garantierte Lizenz zum Geld drucken – zu Lasten der Verbraucher.

Deutschlands Verbraucher könnten um Milliardenbeträge entlastet werden, ohne den Netzausbau zu gefährden. Denn wie viel Geld wirklich in die Finanzierung der Stromnetze fließt, gibt die zuständige Bundesnetzagentur nicht bekannt. Wir fordern – übrigens genauso wie der Bundesverband Verbraucherzentralen mehr Transparenz bei der Netzfinanzierung und wirksame Kostenkontrollen durch Aufsichtsbehörden und Gerichte.

 


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2 Kommentare

  • Karl Friederichs (B + BaLi) sagt:

    Die Forderung nach Transparenz finde ich sehr berechtigt – und die sehr unterschiedliche Höhe der Höhe in den einzelnen Bundesländern erscheint sehr suspekt – nach dem Motto: „Nur mit der Belastung der Verbraucher kann man denen diede ? Energiewende madig machen.“ Habt Ihr die Forderung auch konkret an die Politiker adressiert ?
    Bei dieser Gelegenheit: Transparenz wäre auch bei Lichtblick überzeugend. Deshalb sollte die Internetseite neben warmen Worten auch einen Link zum Geschäftsbericht oder Jahresabschluss enthalten. Oder sind die Kunden so weltfremd, dass ein Gewinnausweis sie abschrecken würde ?


    • Ralph Kampwirth sagt:

      Ja, wir arbeiten intensiv zum Thema Netzentgelte, auch in der Politik. LichtBlick ist der einzige Stromversorger, der offensiv Kritik an den Netzentgelten übt. Stadtwerke und Konzerne haben daran kein Interesse, weil sie ja selbst nicht nur Strom verkaufen, sondern auch Netze betreiben. Sie profitieren von den überhöhten Netzrenditen.
      Die Netzentgelte sind in der Tat regional sehr unterschiedlich. Das bisherige System sieht vor, dass die regional anfallenden Kosten auch regional auf die Stromkunden umgewälzt werden. Wo zum Beispiel durch den starken Ausbau der erneuerbaren Energien – etwa den Bau von Windparks – viele neue Stromleitungen verlegt werden müsssen, sind die Netzkosten entsprechend höher. Um die Kosten gerechter zu verteilen, gibt es auch politische Überlegungen, die Netzentgelte bundesweit anzugleichen.
      Unseren Jahresbericht veröffentlichen wir selbstverständlich wie alle Unternehmen im Bundeanzeiger.


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