MEINUNG & POSITION

Haushaltsstrom an die Ladesäule

Plötzlich geht es schnell. Am 1. März startet die Bundesregierung ein 300 Millionen-Programm für 15.000 neue E-Tankstellen. Autokonzerne wollen ein Ladesäulen-Netz an Europas Autobahnen errichten. Eine neue Infrastruktur von Strom-Zapfsäulen entsteht. Sie ist entscheidend für den Erfolg der Elektromobilität. Der auch durch Diesel-Gate erwachte Wille zur Verkehrswende ist erfreulich. Doch nun müssen die richtigen Weichen gestellt werden. Denn der Aufbau der Stromtankstellen leidet an einem schweren Geburtsfehler, der die Autofahrer teuer zu stehen kommt und die Energiewende behindert.

Teurer Strom der Monoplisten

Es gibt 6500 öffentliche Ladepunkte in Deutschland. Dabei herrscht ein abschreckendes Chaos. Mal benötigt man einen besonderen Ladechip, mal ein Handy, mal einen Extra-Vertrag, um Strom zu tanken. Vielerorts zahlen Verbraucher für die Kilowattstunde Ladestrom über einen Euro – drei- bis viermal mehr als für Haushaltsstrom. Derzeit bilden sich regionale Ladesäulen-Monopole. Ein halbwegs funktionierender Wettbewerb, wie ihn Autofahrer bisher bei Tankstellen kennen, fehlt. Setzen sich die Monopolisten durch, sind am Ende die Verbraucher die Dummen. Das zeigen auch die Pläne der Autokonzerne. Sie wollen etwa 80 Cent pro Kilowattstunde Ladestrom kassieren. 250 Prozent teurer als Haushaltsstrom.

Was für Strom kommt eigetnlich aus der Ladesäule und wie teuer ist die Kilowattstunde?, Foto: LichtBlick
Was für Strom kommt eigentlich aus der Ladesäule und wie teuer ist die Kilowattstunde?, Foto: LichtBlick

Wettbewerb an der Ladesäule

Dabei gibt es eine einfache Lösung. Da es keinen Wettbewerb um die Stromtankstellen geben wird, muss der Wettbewerb an der Ladesäule stattfinden. Jeder Versorger muss seine Stromtarife an jedem öffentlichen Ladepunkt anbieten können. Technisch ist das im Zeitalter der Digitalisierung kein Problem. Die Fahrer von E-Autos laden dann überall ihren bekannten Haushalts-Stromtarif. Bezahlt wird über die Stromrechnung. Wie im Haushalt können Verbraucher jederzeit den Anbieter wechseln. Überhöhte Monopolpreise werden verhindert.

Zusätzlich können innovative Versorger an jeder Ladesäule Energiewende-Dienstleistungen wie Ökostrom oder die Nutzung der E-Auto-Batterie zur Netzstabilisierung anbieten. LichtBlick hat solche Konzepte der SchwarmMobilität® bereits erfolgreich erprobt.

Ladepunkte müssen ein Teil des Stromnetzes werden

Dazu müssen die öffentlichen Ladepunkte in die Stromnetze integriert werden. Es ist Aufgabe der Netzbetreiber, die Säulen zu installieren und zu betreiben. Finanziert wird der Ausbau über die Netzentgelte. Die jährlichen Kosten für das Stromnetz würden um weniger als 1 Prozent steigen. Nicht nur führende Autoexperten fordern den freien Ladesäulen-Zugang aller Stromversorger. Auch die Bundesregierung erklärte noch vor wenigen Jahren, „die Strombelieferung von Elektrofahrzeugen muss ebenso im Wettbewerb erfolgen können wie eine Strombelieferung der Haushalte.“ Es wäre gut, sich schnell wieder daran zu erinnern, damit wir nicht die falschen Weichen für die neue Ladesäulen-Welt stellen.

Zum Thema lohnt sich auch der Beitrag des Energieblogger Tobias Bucher.


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8 Kommentare

  • evi sagt:

    Alles gut und schön ,denn baut auch Tanksäulen und überlasst es nicht nur den Anderen.


    • Ralph Kampwirth sagt:

      Hallo Evi, da sind wir anderer Meinung. Denn wir wollen unseren Ökokstrom allen unseren Kunden in ganz Deutschland anbieten – in Flensburg, Berlin und München. Nun macht es aber keinen Sinn, dass jeder Stromanbieter bundesweit sein eigenes Netz an Stromtankstellen aufbaut. Das wäre zu teuer. Außerdem gibt es garnicht genug Parkraum. Das ist wie beim Stromnetz – da legt ja auch nicht jeder Anbieter seine eigenen Leitungen zum Kunden. Die Ladesäulen müssen aufgebaut werden wie das Stromnetz – es muss flächendeckend Ladesäulen geben, an die dann jeder Anbieter seinen Strom liefern kann. Liebe Grüße, Ralph


  • Bernd sagt:

    Ladesäulen ließen sich ja sehr leicht in der Nähe von Trafostationen aufstellen.
    Die Kosten für eine AC-Ladestation ist doch viel geringer als die unterirdische Verlegung von Netzleitungen an Haushalte. Da müssen lange Gräben gebaggert werden, Teer drüber,….etc.
    Von daher sehe ich die hohen Kosten als Ausrede.

    Man müsste die Netzbetreiber dazu bringen, dass in jeden Ort, alle 1000m oder alle 500 Einwohner beispielsweise 1 Ladesation errichtet werden muss.
    Somit wird es erst möglich, dass Ortsbewohner von Leuten mit E-Autofahrern besucht werden können und die bequem nachladen können. Eine hohe Reichweite braucht man dann nicht.
    Heutige E-Autos würden für die meisten ausreichen, wenn in jedem Ort genügend Ladestationen wären. Umgekehrt würden die Ortsbewohner sehen, dass Elektromobilität nicht an der Reichweite scheitert und man würde denen die Elektromobilität näher bringen.

    Ein weiterer Vorteil:
    Die Netzbetreiber können, wenn sie viele Ladestationen in ihr Netz integriert haben, diese zur Stabilisierung des Netztes verwenden.

    Meine zus. Forderung: Jedes Auto müsste seine FIN der Ladestation mitteilen können und/oder man müsse eine Ladekarte haben, die für alle Ladestationen gilt. Das wäre noch zu überlegen.


    • Ralph Kampwirth sagt:

      Hallo Bernd, ja. Eine sehr simple und gute Idee ist auch, Ladepunkte in Lichtmasten zu integrieren. Das ist sehr billig und schnell umsetzbar. Viele Grüße, Ralph


  • Volker Fricke sagt:

    Ladestationen als Teil der Netzinfrastruktur klingt gut, nur: Ich frage mich wer das bezahlen soll?

    Es sind bereits viele Ladestationen vorhandenen als Teil der öffentliche Ladeinfrastruktur und von Firmen bereits mit höhen Beträgen bezahlt. Wie sollen die entlohnt werden wenn nachträglich Teil der Netzinfrastruktur wird?

    In welchem anderen Land in Europa gibt es so ein ähnliches Model bereits, das Ladestationen Teil der Netzinfrastruktur ist? Das wäre gut wenn wir dies berücksichtigen können für Deutschland.

    Es ist bekannt das im Moment öffentliche Ladeinfrastruktur (zumindest bis 22kW) nicht kostendeckend ist und der ROI wohl in nie erreicht wird, sonst müsste eine Strom-Ladung mehr als 30 Cent /kWh kosten, die keiner bereit ist zu bezahlen. Es müssen andere Möglichkeiten geschaffen werden damit verhandene Stromanschlüsse genutzt werden können die vorhanden sind.

    Innovative Ideen sind gesucht. Eine Idee dazu wäre diese: https://elevatorpitch-bw.de/events/boeblingen/e3charge-easy-energised-everywhere


    • Ralph Kampwirth sagt:

      Hallo Herr Fricke, bitte entschuldigen Sie erst einmal die wegen der Feiertage sehr späte Antwort. Unser Idee ist, die Ladesäulen dem Stromnetz zuzuschlagen und über die Netzentgelte zu finanzieren. Die Ladesäuleninfrastruktur muss bei weitem nicht so teuer sein, wie das heute oft kolportiert wird. Die Kosten für die Ladesäulen sind im Rahmen der gesamten Netzkosten überschaubar. Die Netzkosten betragen in Deutschland derzeit etwa 18 Milliarden Euro pro Jahr. Das notwendige jährliche Investitionsvolumen in die öffentliche Ladeinfrastruktur beträgt nach Angaben der Bundesregierung rund 110 Millionen Euro. Das bedeutet also Mehrkosten von lediglich 0,6 Prozent.


  • Rüdiger Walther sagt:

    Tja das wäre mal der Durchbruch.

    Und……….ausgerechnet „Care Energy“ wollte das vor Jahren schon machen und hat genau das vorgeschlagen. Ich glaube es war 2012 und ich meine es gab dafür sogar einen Inovationspreis.

    Wem auch immer sei Dank, „Care Energy“ ist jetzt pleite.

    Schön das es jetzt in dieser Richtung weitergehen kann………


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