MEINUNG & POSITION

Gut für mich, gut fürs Klima

Julia Siewert, Ökomarkt Verbraucher- und Agrarberatung e.V.
Julia Siewert, Ökomarkt Verbraucher- und Agrarberatung e.V.

Gastbeitrag von Julia Siewert, Ökomarkt Verbraucher- und Agrarberatung e.V.

Heute ist der Tag der gesunden Ernährung. Grund genug einmal über unseren Fleischverzehr nachzudenken – nicht nur aus gesundheitlichen, sondern auch aus klimaschutztechnischen Gründen.

Skandale in der Lebensmittelindustrie

Das Verlangen der Verbraucher, die Herkunft ihrer Lebensmittel zu kennen, steigt stetig und das aus gutem Grund: Pferdefleisch, das sich als Rinderhack „tarnt“, Bio-Eier, die gar nicht von Bio-Hühnern stammen und mit Schimmelpilz verseuchtes Futtergetreide. In den letzten Wochen jagte ein Lebensmittelskandal den nächsten und man darf gespannt sein, was in den nächsten Wochen noch so aufgedeckt wird.

Nüchtern betrachtet bekommen die Verbraucher wirklich nur das, was sie bereit sind zu bezahlen und das ist wenig. Gerade einmal 14 Prozent der Konsumausgaben eines deutschen Haushalts entfielen 2011 auf den Kauf von Nahrungsmitteln.
Zum Vergleich: In wirtschaftlich deutlich schwächeren Ländern wie Polen sind es um die 20 Prozent. Vor dreißig Jahren waren auch in Deutschland Nahrungsmittel mit 20 Prozent noch der größte Ausgabenblock privater Haushalte (Statistisches Bundesamt).

Raus aus dem Billig-Wahn

Um einen Ausweg aus dem Billig-Wahn zu finden, sind auch die Verbraucher gefordert: Sie müssen verstehen, dass ein hochwertig erzeugtes Lebensmittel seinen gerechtfertigten höheren Preis hat. Das gilt sowohl für konventionelle wie für Bio-Lebensmittel.

Auch wenn gerade beim Fleischkonsum die Preisunterschiede zwischen konventioneller „Billig-Ware“, „Billig-Bio“ z.B. aus dem Discounter und Bio-Produkten aus den deutschen Erzeugerverbänden wie Demeter oder Bioland besonders auffallen, gilt hier: Lieber weniger Fleisch in der Woche konsumieren und dafür vernünftige Qualität aus artgerechter Tierhaltung kaufen.

Weniger Fleisch fürs Klima

Das Thema Fleischkonsum ist ein heiß diskutiertes und der Verzicht oder auch nur die Einschränkung erscheint vielen als eine unüberwindbare Hürde.

Dabei belegen inzwischen immer mehr Studien, dass eine ausgewogene fleischarme Ernährung nicht nur jedem Einzelnen einen gesundheitlichen Vorteil bietet, sondern zusätzlich das Klima schützt.

Stellen Sie sich vor, Sie steigen in Hannover ins Auto und fahren mit Ihrem PKW 1.600 km bis nach Rom ins sonnige Italien. Dabei erzeugen Sie eine Menge von 335 kg des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Die gleiche Menge an CO2 erzeugt die Produktion von 1 kg Rindfleisch aus Brasilien. Laut einer aktuellen Studie an der Universität Wien unter Leitung von Studienautor und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Vegetarierbundes Deutschland (VEBU) Kurt Schmidinger und Elke Stehfest von der PBL Netherlands Environmental Assessment Agency, ergibt sich die besonders schlechte Bilanz von brasilianischem Rindfleisch aus dem großen Weideflächenverbrauch auf ehemaligem Regenwaldgebiet (VEBU).

Aber auch die Erzeugung von einheimischem (Rind-)Fleisch hat eine nachweißlich höhere CO2-Bilanz als die Erzeugung von Getreide oder Gemüse. So hat ein Mittagessen aus Rindfleisch-Steaks und Tiefkühl-Pommes eine CO2-Bilanz von 19.000 g CO2/kg. Eine fleischlose Variante wie z.B. Nudeln mit Gemüsesauce bringen es hingegen nur auf 1.070 g CO2/kg.

Fürs Klima öfter mal zu Gemüse greifen statt zu Fleisch
Fürs Klima öfter mal zu Gemüse greifen statt zu Fleisch

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt einen wöchentlichen Konsum von 300 g bis max. 600 g Fleisch und Wurstwaren für Erwachsene. Der tatsächliche Konsum liegt allerdings bei 1,5 kg pro Person und Woche, was die empfohlene Menge um ein Vielfaches übersteigt!

Aber niemand muss aus Gründen des Klimaschutzes gleich zum Vegetarier werden:
Würden die deutschen Bundesbürger ihren Fleischkonsum auf ein gesundes Maß entsprechend den Empfehlungen der DGE reduzieren und zusätzlich noch darauf achten, weniger genussfähige Lebensmittel in den Müll zu werfen, dann könnten pro Kopf und Jahr laut dem WWF Treibhausgasemissionen in Höhe von rund 800 Kilogramm CO2-Äquivalenten eingespart werden.

Mit diesen einfachen Einkaufstipps für eine klimafreundliche Ernährung kann jeder seinen Teil zur Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen.

1. Fleisch ist Klimakiller Nr. 1 – lieber pflanzliche als tierische Produkte!
Gerade in der intensiven Rinderhaltung entstehen große Mengen des klimaschädlichen Gases Methan.
2. Saisonalität: Obst und Gemüse der Jahreszeit entsprechend!
Lebensmittel aus dem beheizten Gewächshaus sollten vermieden werden.
3. Regionalität: Produkte aus der Umgebung!
Die Butter muss nicht aus Irland kommen und der Apfel nicht aus Neuseeland.
Lange Transportwege und mit dem Flugzeug importierte Produkte belasten die Umwelt.
4. Gering verarbeitete Lebensmittel!
Man sollte lieber frische Produkte statt Fertiggerichte und Konserven verwenden.
5. Keine oder wenige Tiefkühlprodukte!
Das Herstellen und Aufbewahren von Tiefkühlkost verschlingt viel Energie.
6. Bio-Lebensmittel!
Insgesamt verursachen Bio-Produkte weniger Treibhausgase als konventionelle Produkte.
7. Gehen Sie nach Möglichkeit zu Fuß, fahren Sie mit dem Fahrrad oder dem Bus auf Einkaufstour und vergessen Sie den Einkaufsbeutel nicht!

Orientierung für Ihren ökologischen Einkauf finden Sie mit dem Bio & Fair Wegweiser für die Metropolregion Hamburg des Ökomarkt e.V. Er kann hier kostenlos bestellt werden.

Öko Wegweiser Hamburg
Öko Wegweiser Hamburg

Der Ökomarkt e.V. berät VerbraucherInnen zu einer genussvollen, gesundheitsbewussten und umweltverträglichen Ernährungsweise mit Bio-Produkten.

Weitere Informationen zur nachhaltigen Ernährung finden Sie unter:
www.oekomarkt-hamburg.de
www.bio-hamburg.de


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2 Kommentare


    • Ralph Kampwirth sagt:

      Liebe Sandra, da wir keine Experten für dieses Thema sind, können wir das leider nicht so genau beantworten. Wir würden vorschlagen, du wendest Dich direkt an die Autoren des genannten Blogbeitrags. Liebe Grüße, Dein Lichtblick-Team


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