MEINUNG & POSITION

Generationengerechte Energiepolitik

Gastbeitrag von Kathrin Moosdorf, stellvertr. Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendringes (DBJR) und verantwortlich für das Themenfeld Nachhaltigkeit.

Kathrin Moosdorf, Vorsitzende des DBJR, Foto: DBJR
Kathrin Moosdorf, Vorsitzende des DBJR, Foto: DBJR

Die Jugendverbände und Jugendringe im Deutschen Bundesjugendring beschreiben mit einer Position ihre Vorstellung einer generationengerechten Energiepolitik.  Die Folgen der deutschen Energiepolitik werden bisher auf die Schultern kommender Generationen geladen. Energiepolitik muss aber ein hohes Maß an Gerechtigkeit für alle aktuellen und künftigen Generationen gewährleisten. Kinder und Jugendliche sind in der Diskussion um eine generationengerechte Energiepolitik wichtige Akteure. Ihre Vorstellung und ihre Ideen müssen ernstgenommen werden. Eine Energiepolitik, die den Wandel von fossilen Brennstoffen zu regenerativen Energiequellen gestaltet, fördert nicht nur Gerechtigkeit für die in Deutschland lebenden Generationen. Sie stabilisiert auch das ökologische, soziale, und wirtschaftliche Gefüge der Welt.

Der Wandel zu regenerativen Energiequellen verlangt ein Umdenken und Umstrukturieren, denn er liegt quer zur bestehenden Struktur der Energieversorgung mit Großkraftwerken und monopolartigen Energieversorgungsunternehmen. Der energiepolitische Wandel muss außerdem zwingend mit effizienter Energienutzung und einer Veränderung der Mobilität einhergehen.

Energiegewinnung

Eine generationengerechte Energiepolitik schafft Anreize, um den Ausbau regenerativer Energieanlagen zu fördern. Richtig ist eine Energieversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Der Ausstieg aus der Atomenergie muss bestehen bleiben. Aus Sicht des Deutschen Bundesjugendringes muss er sogar schneller vollzogen werden als 2002 gesetzlich vereinbart. Die Kosten der Atomenergie – auch die Folge- und Entsorgungskosten – müssen von den Betreibern der Atomanlagen finanziert und dürfen nicht auf die Verbraucherinnen und Verbraucher oder den Staat abgewälzt werden. Dazu bedarf es entsprechender Gesetze.

Energieeffizienz

Eine generationengerechte Energiepolitik schafft Anreize zum Energiesparen, sowohl durch ordnungsrechtliche Vorgaben (z. B. Verbrauchsgrenzwerte für Geräte und Energiepässe für gut isolierte und technisch sanierte Gebäude), als auch durch finanzielle Anreize (z. B. Förderung stromsparender Geräte und Anlagen). Die bestehenden Instrumente – beispielsweise die Energieeinsparverordnung – können dazu weiterentwickelt werden.

Mobilität

Kinder und Jugendliche haben ein hohes Mobilitätsbedürfnis. Für sie ist Mobilität – stärker als für andere Bevölkerungsgruppen – ein Schlüssel für Bildung, neue Erfahrungen und Zugänge zu neuem Wissen. Mobilität ist aber ohne Energie undenkbar. Gerade im Bereich der Mobilität ist das Energiesparpotenzial aber bei weitem nicht ausgereizt. Der flächendeckende Ausbau des öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs ist voranzutreiben, damit er jungen Menschen – aber nicht nur jungen Menschen – den Zugang ermöglicht. Insbesondere für den ländlichen Raum sind Konzepte für einen zuverlässigen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu entwickeln und umzusetzen. Ein umweltgerechtes Verkehrsverhalten der Kinder und Jugendlichen muss durch ein für junge Menschen und Familien finanzierbares Tarifangebot bei der Deutschen Bahn und in den Verkehrsverbünden gestärkt werden.

Eigenverantwortung

Eine generationengerechte Energiepolitik erfordert persönliches Engagement. Jede und jeder kann und muss durch das eigene Verhalten dazu beitragen, Energie zu sparen, regenerative Energiequellen und Energieeffizienz zu fördern. Unabhängig von globalen oder nationalen Strategien und Verträgen zum Umwelt- und Klimaschutz können und müssen Bürgerinnen und Bürger bereits handeln und deutliche Zeichen setzen. Dieser Weg kann zum Gelingen einer Energiewende von unten und einer generationengerechten Energiepolitik beitragen. Junge Menschen haben das verstanden. Für sechs von zehn Jugendlichen ist Nachhaltigkeit ein Thema, mit dem sie sich auseinandergesetzt haben.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Der Deutsche Bundesjugendring fordert die Neuformulierung des Generationenvertrages: Wir müssen so handeln, dass die Folgen unseres Handelns weltweit den zukünftigen Generationen die gleichen Chancen zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse und die gleiche Freiheit für eigenständiges Handeln und für eigene Entscheidungen lassen, wie sie die heutigen Generationen besitzen.

Die komplette Stellungnahme des DBRJ „generationengerechte Energiepolitik“ finden Sie hier


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