MEINUNG & POSITION

Gefühlter Ökostrom

Ist Ihr Ökostrom wirklich Ökostrom, Foto: PublicDomain Pixabay, HardyS
Ist Ihr Ökostrom wirklich Ökostrom, Foto: PublicDomain Pixabay, HardyS

Sind sie Opfer irreführender Werbung? Oder reden sie sich einfach nur ihren eigenen Strom schön? Millionen Deutsche glauben, sie bezögen von ihrem Energieanbieter Ökostrom – tun es aber nicht.
Letzte Woche verkündete Bundesumweltminister Peter Altmaier die frohe Botschaft: 20 Prozent der Deutschen würden bereits grünen Strom kaufen. Hochgerechnet wären das acht Millionen Haushalte in Deutschland, die bereits auf regenerative Energie setzen. Das Problem an der Zahl: Sie stimmt nicht.

Seriöse Zahlen sprechen von vier statt acht Millionen Ökostrom-Kunden

Im Rahmen der Studie „Umweltbewusstsein 2012“ hat das Ministerium im Vorjahr 2000 Bundesbürger befragt. Und da gab jeder Fünfte an, Grünstrom-Kunde zu sein. Doch oftmals handelt es sich nur um „gefühlten“ Ökostrom.

Seriöser ist da die Zahl aus der Ökostrom-Umfrage von „Energie & Management“. Die Fachzeitschrift fragt jedes Jahr bei allen deutschen Energieanbietern die Zahl der tatsächlichen Ökostrom-Kunden ab. Das jüngste Ergebnis: Rund vier Millionen Haushalte beziehen Ökostrom, also nur halb so viele, wie in der Studie des Ministeriums.

Werbung vieler Energieanbieter gaukelt grüne Energie vor

Für diese Diskrepanz gibt es wohl zwei Erklärungen:

Erstens gaukeln Stadtwerke und Konzerne ihren Kunden in der Werbung seit Jahren vor, sie würden nur noch auf Klimaschutz und Grünstrom setzen. Und das, obwohl der Energiemix der meisten Anbieter noch von Kohle- und Atomstrom dominiert wird.

Zweitens entlastet der Glaube, man beziehe Ökostrom, das Klima-Gewissen. Ein Blick auf den tatsächlichen Energiemix, der auf jeder Stromrechnung ausgewiesen wird, wäre für Millionen Deutsche sehr ernüchternd.

Sollten Sie also noch nicht LichtBlick-Kunde sein und glauben, sie bezögen schon Ökostrom, prüfen Sie das lieber nochmal nach. Oder wechseln sie gleich zu LichtBlick, denn bei uns gibt es garantiert nur Premium-Ökostrom.


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6 Kommentare

  • Ralph Kampwirth sagt:

    @sopi: Ökostrom ist dann wirksamm, wenn er einen sogenannten „zusätzlichen Umweltnutzen“ hat, d.h. er sorgt für einen Neubau von Öko-Kraftwerken. Das schaffen wir bei LichtBlick auf zwei Wegen. Zum einen fördern durch unseren Ökostrom-Einkauf und die strengen Einkaufskriterien des ok-power Gütesiegels des Vereins Energievision (getragen von der Verbraucherzentrale NRW und dem Öko-Insitut) gezielt den Neubau von Öko-Kraftwerken. Und zweitens investieren die Gewinne aus dem Ökostrom-Geschäft in unser innovatives Energiewende-Projekt SchwarmStrom und bauen damit einen intelligent steuerbaren, dezentralen Kraftwerkspark auf.


  • sopi sagt:

    Was ist dann bei Euch premium ökostrom? Ein Ökostrom, der nicht von anderen runtergerechnet wird? Aber wielange kann man diesen wiederum aufrechthalten, wenn z.b. sehr sehr viele dahin wechseln?


  • sopi sagt:

    mein anbieter, lekker strom, verspricht 100% ökostrom. ist das alles nur gelogen?


  • CH sagt:

    Ein „Standard“-Kunde eines Energieanbieters, z.B. Vattenfall bezieht einen Energie-Mix.
    Ein „Ökostrom“-Kunde eines Energieanbieters, z.B. Vattenfall bezieht (rechnerisch) nur Ökostrom.

    Um das mal an absoluten Zahlen festzuhalten, ein kleines Rechenbeispiel:
    Ein „Standard“-Kunde erhält 33% Atom, 33% Kohle und 33% Ökostrom. Vereinfacht also der Standardmix in Deutschland.
    Nun kommt ein weiterer Kunde hinzu, der „Ökostrom“-Kunde. Der bekommt auch tatsächlich seinen hundertprozentigen Ökostrom.
    Aber der Anteil des Ökostroms, der für den „Standard“-Kunden übrig bleibt verringert sich, da der andere Kunde diesen abgreift.
    Der Ökostrom reicht also nur noch aus 20% des Verbrauchs des „Standard“-Kunden mit Ökostrom abzudecken.
    Rechnen wir mal wieder … 20% Ökostrom macht 40% Atom und 40% Kohle. Die ohnehin derzeit nicht zu 100% ausgelasteten Fossilen Kraftwerke werden einfach besser ausgelastet.
    Im Endeffekt wird nur in der Bilanz umgeschaufelt, aber es wird nicht eine Kilowattstunde mehr Ökostrom produziert.

    Die Wirkung greift erst dann, wenn es nicht mehr reicht alle „Ökostrom“-Kunden mit Ökostrom zu versorgen und es notwendig ist neue bzw. weitere Anlagen zu errichten.
    Bis dahin … ist das von den meisten Anbietern nur schönfärberei.


  • Ralph Kampwirth sagt:

    @ Martin Lommel: Ja, Ökostrom ist oft ein „Verschiebebahnhof“. Wichtig ist immer, dass der Kauf eines Ökostrom-Produkts Investitionen in neue, umweltfrendliche Kraftwerke auslöst. Das ist oft leider nicht der Fall. So kann jeder Anbieter heute leicht ein Ökostrom-Produkt aus dem Hut zaubern, ohne etwas an seinem Stromeinkauf oder seinen Investitionen zu ändern. Übrigens hat jeder im Strommix einen rein rechnerischen „Pflichtanteil“ an Ökostrom (EEG-Strom), den er garnicht bezieht, aber ausweisen muss – besser darf. So sehen die Strommixe der Atom- und Kohleanbieter grüner aus als ihre tatsächlichen Stromlieferungen. Wir haben diese Art der Verbrauchertäuschung kritisiert: http://www.lichtblick.de/h/medienarchiv_362.php?id_rec=217


  • Martin Lommel sagt:

    Aber ist es darüber hinaus nicht auch so, dass die Haushalte, die bei einem konventionellen Stromanbieter Ökostrom beziehen, dafür sorgen, dass alle anderen statt der gesetzlich vorgeschriebenen, eingespeisten 18 (?) Prozent Ökostrom im rugulären Strommix einen entsprechend kleineren Anteil bekommen, sich also nur das Verhältnis der einzelnen, nicht aber die echte Menge an eingespeistem Ökostrom verschiebt?


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