MEINUNG & POSITION

Fukushima und die Energiewende

Nach der Katastrophe von Fukushima entschied sich die Bundesregierung endgültig zum Atomausstieg und für die Energiewende. Agora Energiewende hat sehr gut zusammengestellt,welche Erfolge in den vergangenen fünf Jahren erzielt werden konnten und wo aus Sicht des Think Tank noch größere Herausforderungen warten.

Die Fortschritte der Energiewende

Zu den positiven Entwicklungen zählen:

Positiver Effekt nach Fukushima: Der Ausbau der Erneuerbaren in Deutschland ging voran, Foto: PantherMedia
Positiver Effekt nach Fukushima: Der Ausbau der Erneuerbaren in Deutschland ging voran, Foto: PantherMedia

Der Ausbau der erneuerbare Energien
Zwischen 2010 und 2015 stieg der Anteil der Erneuerbaren am Strommix von 16,6 Prozent auf 33 Prozent. Sie wurden damit zur dominierenden Erzeugungsform in Deutschlands Stromsektor. Der Zuwachs war beim Windstrom am stärksten, die Erzeugung wuchs von 37,8 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2010 auf 88 TWh im Jahr 2015. Danach folgt der Solarstrom, dessen Produktion sich von 11,7 auf 38,4 TWh verdreifachte.

Der Ausstieg aus der Atomenergie
Die Stromerzeugung aus Atomkraftwerken sank von 141 auf 92 TWh. Seit 2010 wurden neun Kernkraftwerke stillgelegt, zuletzt das AKW Grafenrheinfeld im Juni 2015. Bis 2022 müssen noch acht Reaktoren vom Netz – spätestens Ende 2017 soll das nächste AKW vom Netz. Übrigens: Trotz der Abschaltung mehrerer Atomkraftwerke kam es in Deutschland nicht zum befürchteten Blackout – die Erneuerbaren konnten die wegfallende Stromproduktion mehr als kompensieren.

Die Versorgungssicherheit
Dass die Energieversorgung auch mit einem hohen Anteil an Erneuerbaren sicher ist, zeigt die konstant hohe Versorgungsqualität: Fiel der Strom 2010 noch durchschnittlich 14,9 Minuten pro Stromverbraucher aus, waren es 2014 nur noch 12,3 Minuten.

Die Zustimmung in der Bevölkerung
Die Bevölkerung unterstützt mit breiter Mehrheit weiterhin die Energiewende. In der 2012 erstmals durchgeführten jährlichen BDEW-Energie-Meinungsumfrage hielten 89 Prozent der Befragten die Energiewende für „wichtig“ oder „sehr wichtig“, im Jahr 2015 waren es 90 Prozent.

Baustellen der Energiewende

Doch wie gesagt, ist längst noch nicht alles perfekt. Vor allem im Bereich Klimaschutz konnte der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht den erhofften positiven Effekt erzielen. Zu den eher negativen Entwicklungen zählt Agora Energiewende:

Die Fossilen Energieträger
Eigentlich sollten moderne und effiziente Gaskraftwerke als Brückentechnologie den erneuerbaren Energien zur Seite stehen. Doch statt dessen erhöhen Kohlekraftwerke die Stromproduktion, während die Erzeugung in Gaskraftwerken im gleichen Zeitraum deutlich – 2015 wurde ein Drittel weniger Gas verstromt als 2010. Der Grund dafür ist untern anderem der niedrige CO2-Preis im Emissionshandel. Die Preise haben sich zwischen 2011 und 2015 halbierten, wodurch die CO2-intensiveren Kohlekraftwerke einen Vorteil gegenüber den CO2-ärmeren Gaskraftwerken haben.

Die Energieeffizienz
Der Stromverbrauch sank von 2011 bis 2015 zwar leicht um 2,5 Prozent. Allerdings reicht das nicht, um das Energiewende-Ziel mit einer Verringerung des Verbrauchs um 10 Prozent bis 2020 gegenüber 2008 zu erreichen.

Paradox: Deutschland ist Land der Erneuerbaren und Land der Kohle, Foto PantherMedia
Paradox: Deutschland ist Land der Erneuerbaren und Land der Kohle, Foto PantherMedia

Der Klimaschutz
Die jährlichen Treibhausgasemissionen Deutschlands sind von 2010 bis 2015 nur um 3,5 Prozent gesunken, auf rund 908 Millionen Tonnen CO2. Viel zu wenig, um das von der Regierung bekräftigte 2020-Klimaschutzziel von rund minus 40 Prozent gegenüber 1990 zu erfüllen. Stand 2015 ist minus 27 Prozent. Gründe hierfür sind die nach wie vor hohen Kohleverstromung und die steigenden Emissionen im Verkehr und in der Landwirtschaft.

Den vollständigen Beitrag von Agora Energiewende finden Sie hier.


Zurück zur Übersicht »

Artikel kommentieren


Ich habe die Datenschutzhinweise von LichtBlick, insbesondere die Hinweise zur Kommentarfunktion und dem dort erläuterten Zweck der Datenverarbeitung gelesen und bin damit einverstanden, dass meine Daten zu diesem Zweck gemäß der Datenschutzerklärung verarbeitet werden. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Bei Fragen zum Datenschutz wenden Sie sich bitte an datenschutz@lichtblick.de.