MEINUNG & POSITION

Fukushima mahnt zur Wende

Vier Jahre nach Beginn der Reaktorkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 ist klar: Die Atomkraft ist weder günstig noch nachhaltig. Atomkraft kann immer nur auf Kosten der Umwelt, der Allgemeinheit und der kommenden Generationen betrieben werden.

120.000 Menschen betroffen

Bis heute sind die havarierten Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi in Japan nicht vollständig unter Kontrolle. Noch immer tritt radioaktiv verseuchtes Wasser aus. In und um die Sperrzone herum sind nach Angaben des Bundesumweltministeriums noch immer 120.000 Bewohner evakuiert. Die langfristigen Folgen für Umwelt, Gesundheit sowie die regionale Wirtschaft sind noch nicht absehbar.

Schäden belaufen sich bereits auf 84 Milliarden Euro

Derweil explodiert die Schadenssumme des Unfalls: Nach Schätzung von Professor Kenichi Oshima von der Ritsumeikan Universität in Kyoto belaufen sich die allein bis heute entstandenen Kosten auf umgerechnet rund 84 Milliarden Euro. „Der AKW-Betreiber Tepco hat davon lediglich 16,6 Milliarden gezahlt. Für den Rest kommt die Bevölkerung auf, weiß aber darüber kaum Bescheid“, erklärt der Umweltökonom, der die japanische Regierung nach der Katastrophe zu den Kosten der Atomkraft beraten hatte.

Zum Jahrestag von Fukushima darf die Katastrophe nicht vergessen werden, Foto: Foto: Flickr, Jun Teramoto
Zum Jahrestag von Fukushima darf die Katastrophe nicht vergessen werden, Foto: Flickr, Jun Teramoto

Kosten trägt die Allgemeinheit

Nach Recherchen des Professors werden die Entschädigungszahlungen an die Opfer der Katastrophe auf die Stromverbraucher umgelegt, genauso wie die Kosten für die Aufräum- und Eindämmungsarbeiten an den Reaktoren. Die Zwischenlagerung von Dekontaminationsabfällen aus der betroffenen Region wird aus dem Staatshaushalt, also mit Steuermitteln finanziert.

Massive Atomsubventionen in Europa

In Deutschland steht nach dem erneuten Atomausstiegsbeschluss von 2011 erstmals die Abschaltung weiterer Meiler bevor. So wird im Mai dieses Jahres das Kraftwerk Grafenrheinfeld endgültig vom Netz gehen. Auf einem europäischen Strommarkt gilt es jedoch, auch die EU-Partnerländer vom Atomausstieg zu überzeugen. Denn massive neue Subventionen für die Atomkraft stehen einer europäischen Energiewende entgegen. So subventioniert etwa die britische Regierung den neuen Kraftwerksblock Hinkley Point C mit 35-jährigen Abnahmegarantien weit über dem Marktpreis inklusive Inflationsausgleich sowie Kreditgarantien und Entschädigungen bei Ertragsausfall.

„Dass die Atomkraft nach mehr als 60 Jahren hochsubventionierter Entwicklungsgeschichte immer noch so teuer ist, zeigt, dass sie geradezu ein Fass ohne Boden ist“, sagt AEE-Geschäftsführer Philipp Vohrer .

Erneuerbare Energien immer günstiger

Im Gegensatz dazu sinken die Preise für Erneuerbaren Energien. Die garantierte Vergütung für Wind und Sonne liegen mit etwa 10 Cent pro Kilowattstunde schon heute unter der von der britischen Regierung geplanten Fördersumme für Atomstrom aus Hinkley Point. Nach Erwartungen von Experten werden die Kosten für Ökostrom weiter kräftig sinken. Für 2050 wird der Preis für Solarstrom in Mittel- und Südeuropa sogar auf zwei bis vier Cent je Kilowattstunde veranschlagt.


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