MEINUNG & POSITION

Footprint aufs Armaturenbrett!

Mathis Wackernagel, Foto: Global Footprint Network
Mathis Wackernagel, Foto: Global Footprint Network

Von Mathis Wackernagel, Präsident des Global Footprint Network.

Flugzeuge ohne Treibstoffanzeige auf dem Armaturenbrett sind gefährlich. Fürs Starten geht’s. Aber sind wir mal in der Luft, ist es gut zu wissen, wie viel noch im Tank ist, und wann wir landen sollten. Erstaunlicherweise aber hat das Armaturenbrett unserer Wirtschaft keine „Treibstoffanzeige.“ Obwohl alle Ressourcen, die wir konsumieren von der Natur kommen, finden wir im Instrumentarium der Politik keine Anzeige, die uns sagt, wie viel Natur wir haben und wie viel wir brauchen.

Für die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts ist die Regenerierfähigkeit der Natur – oder Biokapazität – der limitierende Treibstoff. Auch für fossile Energie ist Biokapazität – in diesem Fall die CO2-Absorptionsfähigkeit der Natur – die limitierende Grenze. Denn würde alle schon gefundene Fossilenergie verbrannt, stiege die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre auf 1700 ppm [Millionenstel, die Red.] an. Klimaforscher aber raten 450 ppm (oder eher gar 350 ppm) nicht zu übersteigen, um den weltweiten Temperaturanstieg auf 2°C zu beschränken.

Deutschland braucht drei Mal mehr „Biokapazität“, als hier verfügbar ist

Deutschland, zum Beispiel, braucht fast dreimal mehr Biokapazität als es in Deutschland gibt. Ungefähr zwei Drittel der von Deutschland beanspruchten Natur stammen netto aus dem Ausland. Die Welt als ganzes braucht 50 Prozent mehr als die Welt erneuern kann. All das zeigt die Footprintbuchhaltung.

Im Zeitalter zunehmender Ressourcenknappheit so viel von der Welt zu wollen ist eine riskante Strategie. Besonders für Länder, in der die Kaufkraft relativ zur Welt abnimmt. Wie zum Beispiel in Deutschland.

Ressourcenschutz steigert die Wettbewerbsfähigkeit

Diese Zahlen sind bedeutsam. Daher haben wir Regierungen eingeladen, die Zahlen zu prüfen. In der Folge wurde diese Footprint Rechnung vom Deutschen Umweltbundesamt, aber auch vom Schweizer Bundesamt für Statistik, wie auch dem französischen Umweltministerium bestätigt. Die Gutachten sind auf dem Internet erhältlich: http://www.footprintnetwork.org/en/index.php/GFN/page/national_reviews

Was bedeuten diese Zahlen? Primär, dass unsere Wettbewerbsfähigkeit gestärkt würde, nähmen wir unsere Ressourcensituation  ernst. Damit ist die Deutsche Energiewende eine der grössten Chancen für die Deutsche Wirtschaft.

Mehr zum Footprint finden Sie auf www.footprintnetwork.org/de


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