MEINUNG & POSITION

Energy Watch Group: Kritik an Energiebibel

Die unabhängige Organisation Energy Watch Group hat sich den jährlichen World Energy Outlook (WEO) der Internationalen Energie Agentur (IEA) genauer angeschaut und dabei festgestellt: Die Potenziale von Wind- und Solarenergie wurde systematisch zu niedrig angesetzt.

Grundlage für Regierungen und Investoren

Bei allgemeinen Analysen wäre das ärgerlich, würde aber wenig ins Gewicht fallen. Doch der WEO dient unter anderem Regierungen und Investoren als Grundlage für politische und Investment-Entscheidungen im Bereich erneuerbarer bzw. konventioneller Energien – sie wird auch die „Energiebibel“ genannt. Vor diesem Hintergrund sind die Erkenntnisse der Energy Watch Group skandalös.
Haben die Einschätzungen der IEA eventuell dazu beigetragen, dass die Erneuerbaren nicht in dem Tempo gewachsen sind, wie es eigentlich möglich gewesen wäre?

Der WEO der IEA hat die Entwicklung über Jahrzehnte verkehrt berechnet - mit Absicht? Foto: Colourbox
Der WEO der IEA hat die Entwicklung über Jahrzehnte verkehrt berechnet – mit Absicht? Foto: Colourbox

Lineare Entwicklung bei Solarenergie

Der WEO sieht seit 2010 einen linearen Zuwachs im Bereich Solarenergie. Dabei zeigen andere Zahlen, dass der Zuwachs bei PV seit 1950 exponentiell verläuft – und auch in den kommenden Jahrzehnten stark wachsen wird. So hat die installierte PV-Leistung von 2014 die im World Energy Outlook von 2010 prognostizierte Leistung für 2014 um das Dreifache überschritten. Aus Sicht der Energy Watch Group ist der WEO absolut keine Grundlage für Prognosen im Bereich PV-Anlagen.

Erneuerbare wachsen nicht

Seit den 1990ern liegt der WEO bei allen Erneuerbaren signifikant daneben, besser gesagt ihnen wird keine Rolle bei der Energieerzeugung zugesprochen. Erstaunlich, denn: Bereits Mitte der 1990er wächst vor allem der Bereich der Windenergie deutlich. In den 2000ern erkennt der WEO zwar die erneuerbaren Energien an. Doch die Prognosen aus dem World Energy Outlook von 2000 für die Leistungen der Erneuerbaren in 2010 werden bereits 2005 erfüllt. Und die Prognosen aus dem Bericht von 2009 für 2020 (1800 TWh) und 2030 (2960 TWh) werden voraussichtlich bereits 2015 bzw. 2019 erfüllt werden. Eine Fehleinschätzung kann passieren – doch der WEO hat über die 2000er seine Prognosen nie revidiert, obwohl in dem Jahrzehnt der Boom der Erneuerbaren nicht mehr zu übersehen war. Vor allem hat der Bericht nie eine Neubewertung der sinkenden Kosten für Erneuerbare vorgenommen.

Nichts gelernt

In den 2010ern wird im WEO den erneuerbaren Energien zwar bereits eine größere Rolle bei der Energieversorgung zugesprochen, doch von einem exponentiellen Wachstum ist nach wie vor nicht die Rede. Am meisten überrascht daher die Energy World Group, dass die IEA aus ihren vergangenen, verkehrten Prognosen nicht gelernt hat. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass andere unabhängige Analysten dies getan haben.

Unabhängige Analyse?

Erneuerbare spielen laut WEO der IEA eine untergeordnete Rolle - Energy Watch Group deckt Fehler auf, Foto: PantherMedia
Erneuerbare spielen laut WEO der IEA eine untergeordnete Rolle – Energy Watch Group deckt Fehler auf, Foto: PantherMedia

Laut der Energy Watch Group können die Berichte der IAE seit 1994 in drei Phasen eingeteilt werden

  • Erneuerbare? – Noch nie davon gehört
  • Erneuerbare? – Es gibt sie, aber sie sind nicht relevant
  • Erneuerbare? – Sie sind relevant, aber nicht die Lösung für die Energieprobleme

Damit stellen sich für die Gruppe grundsätzliche Fragen: Kann der World Energy Outlook überhaupt als unabhängige Analyse in energiepolitische Entscheidungen herangezogen werden? Und hat die IEA mit dem Bericht die enormen Investitionen in Kohle, Gas und Öl anstatt in Erneuerbare zu verantworten?

Den vollständigen Bericht finden Sie auf der Webseite der Energy Watch Group.

LichtBlick hat gemeinsam mit dem Partner WWF eine Studie zu den Megatrends der Energiewende veröffentlich. Die Zahlen zeigen eindeutig, dass durch Preisverfall und höhere Effizienz der Ausbau der erneuerbaren Energien unaufhaltsam ist.

 


Zurück zur Übersicht »

Artikel kommentieren