MEINUNG & POSITION

Energy Watch Group: Kritik an der Energiebibel, Teil 2

Die unabhängige Organisation Energy Watch Group hat sich den jährlichen World Energy Outlook (WEO) der Internationalen Energieagentur (IEA) genauer angeschaut und signifikante Fehler bei der Bewertung der erneuerbaren Energien festgestellt. So wird die Entwicklung der Erneuerbaren, laut Energy Watch Group, in den Berichten über Jahrzehnte systematisch zu niedrig angesetzt.
Die Energy Watch Group hat sich jedoch nicht nur die Zahlen der Erneuerbaren in den Bericht angeschaut, sondern auch die Prognosen für konventionelle Energieträger. Wie wurden deren Entwicklungen im WEO angesetzt? Wir betrachten hier im Blog vor allem Kohle- und Atomenergie.

Für die IEA ist das Kohlezeitalter noch lange nicht vorbei, Foto: PantherMedia
Für die IEA ist das Kohlezeitalter noch lange nicht vorbei, Foto: PantherMedia

Steigende Tendenzen bei der Kohle

Der Anteil von Kohle beim Strombedarf ist in den vergangen Jahren extrem gestiegen – von 1997 bis 2012 um rund 80 Prozent. Inzwischen bleibt der Anteil stabil. Der World Energy Outlook sieht jedoch für Kohle nach wie vor ein Wachstumspotenzial – obwohl inzwischen außer Frage steht, dass Kohle Klimasünder Nummer 1 ist, obwohl Kohleverstromung mit steigenden Kosten im Gesundheitswesen verbunden ist, obwohl die Subventionen für Kohle hoch sind und – entscheidend für die Energy Watch Group – obwohl große Kohle-Länder wie China und Indien inzwischen stärker auf erneuerbare Energien setzen. Darüber hinaus verkennt der WEO die aufkommende Divestment-Bewegung. Die Energy Watch Group hält fest, dass der World Energy Outlook den rasanten Wachstum der Kohleverstromung Anfang der 200er vollkommen unterschätzt hat. In den späteren Berichten korrigiert die IEA die Entwicklung nach oben, ignoriert nun aber aus Sicht der Energy Watch Group nachhaltige Tendenzen, die einen kommenden Kohle-Ausstieg und eine rasant ansteigende Entwicklung der Erneuerbaren zeigen.

Atomkraft – warum nicht

Mehr AKW - Energy Watch Group hält Zahlen der IEA für unrealistisch, Foto: PantherMedia
Mehr AKW – Energy Watch Group hält Zahlen der IEA für unrealistisch, Foto: PantherMedia

Trotz Super-GAU, wie in Tschernobyl oder Fukushima hielten – und halten mitunter – viele Staaten und Energiekonzerne an der Atomenergie fest. So war bis 2012 auch ein jährlicher Anstieg der Atomkraftkapazitäten zu erkennen. Wie sieht es im World Energy Outlook aus? Anfang der 2000er wurde ein leichter Rückgang der Atomkraft prognostiziert, Ende der 2000er ein leichter Anstieg und seit den 2010er geht der WEO davon aus, dass der Anteil der Atomenergie bis 2035 im Vergleich zu 2012 um 50 Prozent steigen wird, bis 2040 soll sich der Anteil sogar verdoppeln. Für die Energy Watch Group ist es unverständlich wie die IEA in ihrem Bericht zu dieser Prognose kommt. Zumal die Realität zeigt: Die meisten Atomkraft-Projekte brauchen mehr als doppelt so lange wie geplant bis sie fertiggestellt sind und kosten in der Regel doppelt so viel. Die beiden europäischen Projekte in Finnland und Frankreich sind ein gutes Beispiel dafür. 10 neue AKW sollen pro Jahr entstehen, laut World Energy Outlook. Die Energy Watch Group fragt zu Recht: Wie soll das unter diesen Voraussetzungen möglich sein?

Strategien überdenken

Energy Watch Group fasst zusammen, dass die IEA in ihrem World Energy Outlook auf der einen Seite das Potenzial der erneuerbaren Energien über Jahre – und nach wie vor – viel zu niedrig ansetzt und ihren Fehler auch in den neuesten Berichten nur unvollständig korrigiert. Die Agentur aber auf der anderen Seite das Enwicklung von Kohle und Atom überbewertet. Wenn der WEO den tatsächlichen Wandel von konventionellen Energien zu Erneuerbaren erkennen würde, wäre das laut Energy Watch Group eine große Unterstützung für die weltweite Energiewende. Regierungen gibt die Energy Watch Group auf den Weg, sich eher an den realistischen Zahlen zu orientieren, um so die Energiewende schneller voranzubringen – zum Vorteil des Klimas und der Wirtschaft.


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