MEINUNG & POSITION

Energiewende braucht Transparenz

Kerstin Maria Rippel, Pressesprecherin des bne, über Transparenz in der Energiewende, Foto: bne
Kerstin Maria Rippel, Pressesprecherin des bne, über Transparenz in der Energiewende, Foto: bne

Gastbeitrag von  Kerstin Maria Rippel, Pressesprecherin des Bundesverband Neuer Energieanbieter e.V. (bne)

Transparenz Schlüssel für fairen Wettbewerb

Was dem Verbraucher verborgen bleibt: Neue, netzunabhängige Anbieter müssen hart dafür kämpfen, ihren Kunden Strom- und Gas liefern zu können. Insbesondere Netzbetreiber sogenannter integrierter Unternehmen (also Unternehmen, die Netz und Vertrieb unter einem Dach vereinen) verhalten sich unkooperativ und agieren intransparent. Dabei ist Transparenz einer der Schlüsselfaktoren für funktionierenden, fairen Wettbewerb. Angesichts der notwendigen Milliarden – investitionen in die Netze muss die Maxime lauten: Geld nur gegen Offenlegung der Daten und Kosten. Die anstehende Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes bietet dem Gesetzgeber eine große Chance, endlich Licht ins Dunkel der Netze zu bringen.

Funktioniert der Wettbewerb auf den deutschen Energiemärkten?

Jeder kann heute seinen Strom- und Gasanbieter wechseln – fast jederzeit und an nahezu jedem Ort in Deutschland. Die Auswahl an unterschiedlichen Energieanbietern ist groß, das Interesse der Verbraucher am Wechsel steigt stetig und ist nach der Katastrophe von Fukushima noch einmal deutlich gewachsen. Funktioniert der Wettbewerb auf den deutschen Energiemärkten also – können wir uns zurücklehnen und dem Markt alles weitere überlassen? Die Antwort ist ein klares Nein.

Strukturelle Hindernisse sind für neue Energieanbieter weiterhin hoch

Zwar hat sich inzwischen eine Vielzahl netzunabhängiger neuer Energieanbieter auf dem Markt etabliert. Die strukturellen Hindernisse aber, mit denen sich diese neuen Anbieter herumschlagen müssen, sind um ein Vielfaches höher, als sie es 13 Jahre nach der Liberalisierung der europäischen Energiemärkte sein dürften. Die wichtigsten neuen Anbieter (wie etwa die LichtBlick AG) kämpfen deshalb im Bundesverband Neuer Energieanbieter e.V. (bne) geschlossen gegen die Diskriminierungen und Verschleierungstaktiken der alten Energiewirtschaft.

Verteilnetze stehen vor großen Herausforderungen

Diese intransparenten und diskriminierenden Taktiken wenden die ehemaligen Monopolisten der Gas- und Stromwirtschaft vor allem in dem Bereich an, der ihnen als Monopol geblieben ist: dem Netz. Nachdem Eon sein Übertragungsnetz auf Druck der EU-Kommission verkauft, Vattenfall nachgezogen hat und die Gerüchte über den Verkauf des RWE-Übertragungsnetzes hartnäckig bestehen bleiben, bereitet eine andere Ebene Probleme: die Verteilnetze. Das sind die kleinen örtlichen oder regionalen Netze, in denen der Kundenwechsel stattfindet und die – sollte die Energiewende ernst gemeint sein – künftig  sehr viel mehr dezentral erzeugten Strom aufnehmen müssen als bisher. Und nicht nur das. Diese Netze müssen auch ertüchtigt werden, den dezentralen Strom zum Nutzen des Gesamtsystems einzusetzen: ihn also bei Strom-Bedarf einzuspeisen und bei Überangebot zurückzuhalten oder gar zu speichern. Es werden also große Herausforderungen auf diese Verteilnetze zukommen, Milliarden müssen investiert werden.

Netzbetreiber zahlen notwendige Investionskosten nicht

Diese Investitionskosten werden die Betreiber der Netze aber nicht selbst tragen. Über die sogenannten Netzentgelte werden jene Kosten an Lieferanten und am Ende an die Verbraucher weitergereicht. Im Klartext: Die Netzentgelte werden weiter steigen. Verbraucher können das seit Jahren in ihren Rechnungen nachlesen. Was sie dort nicht lesen können, ist eine genaue Antwort auf die Frage, WOFÜR dieses Geld ausgegeben wird. Denn Netzbetreiber verweigern jegliche Auskunft darüber und behaupten, das sei ihr Geschäftsgeheimnis.

 Beim Netz gibt es keine Wettbewerber

Dabei ist das Netz ein natürliches Monopol. Das heißt, es gibt keine Parallelleitungen – und damit auch keine Wettbewerber, die das Verhalten eines Netzbetreibers disziplinieren könnten, oder vor denen es Geschäftsgeheimnisse zu verbergen gäbe. Dennoch berufen sich Netzbetreiber bis heute erfolgreich auf dieses Argument. Um das zu verstehen, muss ein Blick in die derzeitige Struktur des Marktes geworfen werden: Eigentlich werden die Netze seit 2005 durch eine staatliche Behörde – die Bundesnetzagentur – reguliert. Doch die Grundlage dieser Regulierung, das geltende Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), bietet eine Vielzahl von Schlupflöchern und Nischen, die von Netzbetreibern rege genutzt werden, um sich vor einer wirksamen Regulierung zu schützen. So sind laut aktuellem  Monitoringbericht der Bundesnetzagentur derzeit über 90 Prozent der Strom- und Gas-Verteilnetzbetreiber von wesentlichen Regelungen des EnWG schlichtweg ausgenommen. Diese Netzbetreiber müssen sich nicht von ihrem verbundenen Vertrieb trennen, sie sind von den strengen Effizienzanforderungen befreit und sie arbeiten völlig intransparent: Über getätigte oder geplante Investitionen in die Netze verweigern sie jegliche Auskunft. Selbst die schlichte Höhe künftiger Netzentgelte – ein ganz wesentlicher Faktor für die Preiskalkulation unabhängiger Energieanbieter – machen Netzbetreiber meist zu spät oder nur unvollständig öffentlich.

Die Netzbetreiber diskriminieren netzunabhängige Anbieter

Von fairem und wirksamem Wettbewerb kann man unter diesen Umständen also nicht sprechen. Lieferanten, deren Firmen gleichzeitig ein Netz betreiben, haben ungeheure, gesetzes- und wettbewerbswidrige Vorteile, weil verbundene Netzbetreiber unverhohlen netzunabhängige Anbieter diskriminieren und Netzentgelte verlangen können, deren Notwendigkeit und Angemessenheit nur rudimentär überprüft wird. Dabei könnte der Gesetzgeber die Situation entscheidend verbessern: Mit der anstehenden Neufassung des EnWG besteht die Chance, endlich Transparenz in die Blackbox der Netze zu bringen. Weil der bne überzeugt ist, dass nicht nur funktionierender Wettbewerb, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz der anstehenden Milliardenbelastung direkt mit der Transparenz dieser Kosten verknüpft ist, wird sich der Verband mit allem Nachdruck dafür einsetzen, dass Netzinformationen endlich rechtzeitig und vollständig sichtbar gemacht werden!


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4 Kommentare

  • fupsi sagt:

    Daß die Energiewende Transparenz braucht kann man nur unterstreichen.
    Aber nicht einseitig!
    Gegenüber dem Bürger muß man auch offenlegen, was diese vollmundig angepriesene Energiewende kostet und wie sich seine Umwelt durch den geplanten forcierten Ausbau der Windkraft verändert.
    Und hört mir endlich auf mit der fortwährenden Leier von den Monopolisten. Das Monopol auf die öffentliche Meinung haben derzeit eh die GRÜNEN


  • Kerstin Maria Rippel sagt:

    Ich kann nur für den bne sprechen: Bei uns wird Mitglied, wer sich dafür einsetzen will, dass alle bundesweit tätigen, netzunabhängigen Lieferanten Strom- und Gasnetze zu fairen und transparenten Bedingungen benutzen können. Davon sind wir im Augenblick nämlich noch ziemlich weit entfernt.

    Unsere Mitglieder sind nicht in allen Bereichen der gleichen Meinung, das ist klar. Im Vertriebs-Bereich stehen sie sogar in hartem Wettbewerb miteinander. Aber in einem Punkt sind sie einig: Verbraucher sollen die echte Wahl zwischen unterschiedlichen Energieanbietern haben. Und dazu müssen im Bereich des Monopols der Netze endlich faire und nachvollziebare Bedingungen herrschen.


  • pseudoruprecht sagt:

    Eprimo natürlich nicht zu vergessen.


  • pseudoruprecht sagt:

    Mich würde interessieren, wie denn die Mitgliedsunternehmen des bne, die integrierten Unternehmen nahe stehen (z.B. lekker, Yello Strom), die Forderungen des Vereins unterstützen? Legen sie sich bei ihren (ehemaligen) Mutterkonzernen für Veränderungen ins Zeug?


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