MEINUNG & POSITION

Wie wird das Jahr 2015?

Fragen wie „Wie wird das Jahr 2015?“ zu beantworten, ist gefährlich. Denn eigentlich kann man mit seiner Antwort nur falsch liegen. Denn der Grundsatz, „nachher ist man immer schlauer“, wird sich auch im Rückblick auf das Jahr 2015 wieder als richtig herausstellen. Soviel steht jedenfalls fest.

Sprunghafter Energiemarkt

In die Zukunft gerichtete Fragen zu beantworten, fällt zudem im Energiemarkt besonders schwer. Noch dazu in Zeiten der Energiewende. Da sind wir aus der Vergangenheit ein gebranntes Kind. Wie oft und wie schnell wurden politisch gerade beschlossene Konzepte und Ideen kurz nach Inkrafttreten wieder in Frage gestellt und geändert. Das Grünstromprivileg und die Veränderungen in den Rahmenbedingungen der Direktvermarktung sind nur zwei Beispiele für die geringe Verlässlichkeit und Halbwertszeit der politischen Rahmenbedingungen in der Vergangenheit.

Kunden treiben den Markt an

Der Energiekunde von heute erzeugt seinen Strom selbst, Foto: PantherMedia
Der Energiekunde von heute erzeugt seinen Strom selbst, Foto: PantherMedia

Hinzu kommen die Einflüsse aus dem Markt, die noch viel schneller wirken als sich immer wieder verändernde politische Rahmenbedingungen. Megatrends wie die Digitalisierung, Big-Data, der jederzeitige Austausch von Informationen und Daten aller Art, die ebenfalls für jeden jederzeit und überall abrufbar und damit auswertbar und verarbeitbar sind, beschleunigen und verändern nicht nur den Energiemarkt fundamental.
Die Kunden treiben den Markt. Denn sie entscheiden mit ihren Investitionen in Erzeugungsanlagen und Speicher, was in den Markt kommt. So werden Kunden zu Erzeugern. Früher wurden sie mit Strom beliefert. Heute erzeugen und speichern sie große Mengen dieser Energie selbst. So werden Häuser zu Kraftwerken und Speichern. Alles wird dezentral. Schon heute haben wir rund 1,5 Millionen solcher dezentraler Anlagen.

Fossile Dinosaurier

Die Großkraftwerke sterben aus. Auch wenn Vattenfall mit dem Steinkohlekraftwerk Moorburg in Hamburg noch ein 1.600 Megawatt-Steinkohle-„Monster“ in Betrieb nehmen wird, müssen vergleichbare Anlagen dieser Art vom Netz. Die Inbetriebnahme von Moorburg wird das Problem der Überkapazitäten in der fossilen Erzeugung weiter verschärfen. Schon jetzt haben wir mindestens zehn Kraftwerke der Größenordnung von Moorburg zu viel. Mit Moorburg kommt ein elftes hinzu. Wem in diesem ruinösen Preiswettbewerb zuerst das Geld ausgeht, wird abschalten. Gut so. Denn wer die Kraftwerke um jeden Preis am Netz hält und auf den ersehnten Geldsegen und -regen aus Berlin wartet, wird hoffentlich enttäuscht werden.

Alte Kraftwerke haben ausgedient, Foto: PantherMedia
Alte Kraftwerke haben ausgedient, Foto: PantherMedia

Kein neuer Kohlepfennig

Denn mit Vorlage des Grünbuchs im Herbst 2014 hat das Bundeswirtschaftsministerium klar gemacht, dass es von Kapazitätsprämien nicht viel hält. Eine Neuauflage des Kohlepfennigs brauchen wir schlichtweg nicht. Keiner kann Interesse an neuen Milliardensubventionen haben. Kraftwerke, die zur Versorgungssicherheit notwendig sind, werden über die strategische Reserve im Markt gehalten. Kapazitätszahlungen an CO2-Schleudern und Kohlekraftwerke – oder „Versorgungssicherheitsnachweise“ wie RWE es trügerisch und trickreich nennt – brauchen wir nicht. Auch wenn sie sicherlich helfen würden, den wirtschaftlichen Niedergang von RWE hinauszuzögern. Aber das kann kein politisches Ziel sein. Auch nicht für die SPD.

Alles wird flexibel

Flexibilitätsmechanismen sollte das energiewirtschaftliche Zauberwort des Jahres 2015 werden. Denn zur Integration weiter wachsender Anteile erneuerbarer Energien müssen Flexibilitäten systematisch erschlossen werden. Technologieoffen, marktwirtschaftlich und in allen Wertschöpfungsstufen des Energiemarktes: bei der Erzeugung genauso wie in den Netzen und auf Nachfrageseite bei den Kunden. Gesetze, Verordnungen und beispielsweise auch die Struktur der Netzentgelte müssen die richtigen Anreize setzen, damit mit Flexibilität Geld verdient werden kann.

Die Stromnetze müssen flexibel werden, Foto: PantherMedia
Die Stromnetze müssen flexibel werden, Foto: PantherMedia

Alles wird messbar

Ein weiterer Schlüssel für die Energiewende liegt damit im Messmarkt. Denn Flexibilitäten können nur gesteuert und genutzt werden, wenn die Kapazitäts- und Energieströme erfasst, verarbeitet und ausgetauscht werden. Dazu brauchen wir kostengünstige und sichere Zähler. Doch der Wettbewerb im Messmarkt wird nicht nur dadurch beschleunigt, dass wir Smart Meter installieren, sondern auch die dahinterliegenden Prozesse müssen definiert und flächendeckend angewendet werden. Auch müssen die viel zu hohen Abrechnungskosten der Netzbetreiber konsequent reguliert werden. Im Ergebnis müssen sie abgeschafft werden. Denn wer an sein Geld kommen will, schreibt schon aus Eigeninteresse eine Rechnung. Das Stellen der Rechnung nochmals und zusätzlich in Rechnung stellen zu dürfen, ist ein Unikum, das es nur im Energiemarkt gibt.
Geschäftsmodelle der Energiewende werden mit der Massendatenverarbeitung einhergehen. Deshalb beschleunigt der Megatrend der Digitalisierung und von Big-Data die Energiewende. Dem Messmarkt kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

2015 wird ein spannendes Jahr

Über viele dieser Fragen wird im nächsten Jahr intensiv zu diskutieren sein. Zuviel Zeit zum Diskutieren wird uns nicht bleiben. Denn die Kunden und die Megatrends der Märkte werden alles viel schneller voranschreiten lassen, als es der etablierten Energiewirtschaft und vielen Politikern Recht ist. Wir freuen uns auf das neue Jahr 2015. Es wird uns nicht langweilig werden. Und: im Nachhinein werden wir schlauer sein. Dies Beides jedenfalls steht heute schon fest.

Gero Lücking antwortet regelmäßig auf Fragen unseres Medienpartners klimaretter.info.


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2 Kommentare

  • Michael sagt:

    Wird es bei Lichtblick doch bald ein Smart Meter geben oder steht das noch in den Sternen?


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Michael,

      Smart Meter sind aktuell noch nicht rentabel. Die Kosten übersteigen die Nutzen für Privatkunden. Daher sprechen wir uns nach wie vor noch dagegen aus. Mit weiterer Entwicklung des Konzepts und wenn in den Haushalten mehr Geräte sind, deren Einsatz sich über intelligente Zähler steuern lassen, macht der Einsatz von Smart Meter zukünftig sicher Sinn und bringt den Verbrauchern auch Vorteile. Wann das genau ist, können wir momentan noch nicht sagen.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


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