MEINUNG & POSITION

Energiedebatte: Mehr Ökostrom. Mehr Atommärchen. Und der DFB spielt nicht mit…

Brauchen wir da noch Atomkraftwerke? Die klare Antwort lautet: Nein, Foto: PublicDomainPicture Pixabay, nafets
Brauchen wir da noch Atomkraftwerke? Die klare Antwort lautet: Nein, Foto: PublicDomainPicture Pixabay, nafets

Wenn man in diesen Tagen die Atomdebatte in Deutschland verfolgt, könnte den Eindruck bekommen, man sei in einer Märchenwelt gelandet. Man muss nur mal die folgenden Meldungen nebeneinander lesen:

Die Bundesregierung erwartet einen deutlich schnellern Ausbau der Erneuerbaren Energien, 2020 sollen es schon fast 40 Prozent sein (bisher hatte sie 30 Prozent erwartet). Im ersten Quartal dieses Jahres hat Deutschland soviel Strom ins Ausland exportiert wie noch nie: der Exportüberschuss beträgt gut neun Milliarden Kilowattstunden. Und das, obwohl AKWs wie Krümmel und Brunsbüttel (zum Glück!) gar nicht laufen. Doch zeitgleich fordert Wirtschaftsminister Brüderle beim großen Treffen der Energieindustrie in Berlin mal wieder eine „signifikante Laufzeitverlängerung“ für die deutschen AKWs. Was ist da los?

Wir produzieren heute schon mehr Strom, als wir brauchen

Fassen wir also zusammen: Wir produzieren heute schon mehr Strom, als wir brauchen. Und die Zahl der Öko-Kraftwerke wächst viel schneller, als gedacht. Dazu muss man wissen, dass die Bundesregierung ihre Prognosen für den Ausbau der Erneuerbaren schon des öfteren korrigiert hat – und zwar stets nach oben! Branchenkenner gehen davon aus, dass wir 2020 sogar fast 50 Prozent unseres Bedarfes mit Ökostrom decken können.

Brauchen wir da noch Atomkraftwerke? Die klare Antwort lautet: Nein. Doch die Atomlobby und der Wirtschaftsminister ignorieren die Fakten. Es geht schließlich um viel Geld. Es ist ja eine Besonderheit von Märchen, dass sie sich um die Realität nicht scheren. Leider ist das Atommärchen sehr real und hochriskant…

Förderung für Kohlekraftwerke?

Herr Brüderle spricht ja auch gern davon, dass die Zusatzgewinne aus länger laufenden AKWs abgeschöpft werden sollen. Der Lobbyverband der Energiekonzerne, der „Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft“ (BDEW) hat diese Woche nach Angaben des Branchendienestes Dow Jones gleich mal eine Idee präsentiert, wie die Konzerne sich das Geld wiederholen könnten. Ähnlich wie heute die Erneuerbaren Energie müsste künftig beispielsweise die Kohlekraft durch eine Umlage auf alle Stromkunden gefördert werden. Denn wenn die fossilen Kraftwerke dank mehr Wind- und Sonnenenergie weniger Strom produzieren, werfen sie ja weniger Gewinn ab. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Der DFB macht bei der Märchenstunde nicht mit

Gefreut hat mich übrigens die folgende Meldung: Fußballpräsident Zwanziger und der DFB distanzieren sich von einer Werbekampagne der Atomlobby. Das Deutsche Atomforum hatte Anzeigen geschaltet mit Texten wie „Der Ball ist rund, ein Spiel dauert 90 Minutren, und am Ende gewinnt Deutschland! Deutschland gewinnt auch, wenn wir in Zukunft auf Kernenergie setzen.“ Der DFB hat jetzt eine Unterlassungserklärung vom Atomforum gefordert. Schön, dass sich die Fußballbosse nicht für die Märchenstunde einspannen lassen!

Ergänzung vom 5.7.10: Laut einer Meldung aus dem aktuellen SPIEGEL weigert sich das Atomforum, die Unterlassungserklärung des DFB zu unterzeichnen.  Atomforum-Chef Ralf Güldner zeigt sich demnach von der Kritik des DFB „überrascht“. Ich bin mal gespannt, wie das weitergeht.


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3 Kommentare

  • Michael Hartmann sagt:

    Hallo Herr Faller,

    so wie Sie sollten meiner Meinung nach alle Bio-Bauern drauf sein. Leider wohne ich in 42697 Solingen zu weit weg, um mir mal Ihr Angebot anzuschauen.

    Mein Hosting-Provider schmückt sich zwar mit dem „Klima-Neutral“-Label wegen finanzielle Investitionen in umweltfreundliche Kraftwerke, kann aber aufgrund von gemieteten Räumen mit seinen Rechenzentren angeblich nicht zu Lichtblick oder zur Not einem anderen richtigen Ökostromanbieter wechseln. Das hat mich dann davon abgehalten deren Auszeichnung auf meiner Homepage (als Umweltreklame für die) zu veröffentlichen.

    MfG
    Michael Hartmann


  • Eugens Bioland Vollwertbäckerei sagt:

    Eugen Faller 67227 Frankenthal

    Ich betreibe seit 16 Jahren eine Bio Bäckerei
    wollte eigentlich schon viel früher zu Ökostrom wechseln
    Der Politikwechsel 2009 hat mich nun
    sofort reagieren lassen
    und nun bin ich ab April 2010 Ihr Kunde

    Auf einer Messe in Mannheim für Gesundheit konnte ich mit einem
    Vertreter von Lichtblick sofort einen
    Termin für den Wechsel des Stromanbieters festlegen

    Nun bin sehr froh darüber das ich nun meinen Kunden sagen kann das auch mein Energieverbrauch ökologisch ist

    mit freundlichen Grüssen

    Biobäcker
    Eugen Faller


  • Atomkraft abschalten sagt:

    Es ist gut, dass sich der DFB distanziert. Auch die Bürger sollten genauer hinhören, dass ihnen heimlich mit dem Sparpaket eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke untergejubelt werden soll.

    Bei Campact.de plant man gerade eine großangelegte Aktion, um längere Laufzeiten für Atomkraftwerke zu verhindern.

    Es wäre toll, wenn LichtBlick sich hier auch beteiligen würde wie zuvor bei der Menschenkette.


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