MEINUNG & POSITION

Energiedebatte absurd

Die Energiewende ist beliebtes Thema im Wahlkampf, weiß unser Gastautor Joachim Wille, Foto: klimaretter
Die Energiewende ist beliebtes Thema im Wahlkampf, weiß unser Gastautor Joachim Wille, Foto: klimaretter

Gastbeitrag von Joachim Wille, Redakteur bei klimaretter.info 

Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd. Das wusste Reichskanzler Otto von Bismarck schon vor über 100 Jahren. Heute müsste er sagen: vor der Wahl – und am meisten in der Energiepolitik.

Denn im heiß laufenden Kampf um die Energiewende wird mit so viel Halb- und Unwahrheiten sowie gezielten Weglassungen gearbeitet, dass der normale Wähler kaum mehr richtig durchblickt. Die Bremser dieses dringend notwendigen Umbaus unseres Energiesystems – in Politik, Wirtschaft und Medien – können inzwischen durchaus Erfolge vorweisen. Die Bürger sind zwar mit klarer Mehrheit noch immer für die Fortsetzung des Projekts, aber die Verunsicherung wächst. Und es besteht durchaus die Gefahr, dass die Zustimmung durch das Trommelfeuer der Kritiker kippt.

Wer soll das bezahlen? Das ist durchaus eine richtige Frage, gerade auch, wenn es um die Energiewende geht. Allerdings muss man zuerst die Relationen richtig erkennen – und den Tunnelblick auf Strom und „Öko“ beenden. Elektrizität ist für die Verbraucher durch die Förderung der erneuerbaren Energien und die Art, wie die Kosten über die EEG-Umlage berechnet werden, zwar spürbar teurer geworden, und sie wird Anfang 2014 noch einmal etwas teurer werden. Die anderen Energieträger, auf die die Verbraucher ebenso dringend angewiesen sind, haben in den letzten Jahren jedoch zum Teil deutlich stärker zugelegt. Haushaltsstrom ist seit 1995 um rund 60 Prozent teurer geworden, Heizöl zum Beispiel aber um rund 300 Prozent und Superbenzin um 100 Prozent.

Nicht nur Energiewende teurer

Wenn jetzt weniger betuchte Bürger in die „Energiearmut“ getrieben werden, liegt das nur zum geringeren Teil an der Elektrizität. Ergo: Wer hier eine „Preisbremse“ wie Bundesumweltminister Altmaier (CDU) oder eine schnelle Abschaffung des Ökostrom-Förderinstruments EEG plus Umstieg auf ein Quotenmodell wie Wirtschaftsminister Rösler (FDP) fordert, müsste bei den anderen Energieträgern noch viel mehr zur Entlastung der Verbraucher tun. Denn Frieren ist mindestens ebenso unangenehm wie im Dunkeln sitzen. Aber hier ist Fehlanzeige.

Ein Verdacht drängt sich auf: Bei den Energiewende-Bremsmanövern geht es tatsächlich darum, die Revolution zu stoppen, die im Stromsektor gerade läuft. Macht und Umsatz der Stromkonzerne sinken dramatisch, beschleunigt seit Fukushima, während unabhängige Stromproduzenten – Bürger, Genossenschaften, kleine, mittlere Unternehmer – aufsteigen. Dass Rösler das von der Monopolkommission vorgeschlagene Quotenmodell favorisiert, hat darin seine Ursache. Die Quote hat im Vergleich zum EEG zwar schwere Mängel, wie sich etwa in Großbritannien zeigte, wo die Ökostrom-Ausbauziele verfehlt wurden: Aber es würde die Steuerung der Energiewende wieder in die Hände der Stromversorger legen.

Energiekonzerne haben Anteil am Preisanstieg

Man darf sich nicht ins Bockshorn jagen lassen: Die Macht des Oligopols der großen Konzerne zu brechen, das den Strommarkt lange Zeit beherrschte, bleibt richtig. Dieser Nebeneffekt der Energiewende war und ist überfällig, wie die jüngere Geschichte zeigt. Der Aufwärtstrend bei den Stromkosten begann ja keineswegs erst durch die EEG-Umlage, wie heute suggeriert wird. Die Preise für den Haushaltsstrom steigen bereits seit der verunglückten Liberalisierung des Elektrizitätssektors Ende der 1990er Jahre deutlich an – also auch schon zu einer Zeit, als Wind-, Solar- und Biomasse-Kraftwerke sowie die Öko-Umlage kaum eine Rolle spielten.

Grund war der mangelnde Wettbewerb zwischen den Konzernen, die die Kilowattstunden-Preise im Gleichtakt nach oben schraubten, und das Desinteresse ihrer Kunden, die den Wechsel zu einem anderen, billigeren Anbieter scheuten. Aber auch heute steigen die Stromrechnungen bei vielen Bürgern stärker an als nötig, weil die Konzerne die zuletzt dank Ökostrom stark gesunkenen Börsen-Großhandelspreise nicht generell an die Kunden weitergeben. Das würde den EEG-Aufschlag immerhin zum Teil kompensieren.

Der Sinn der Energiewende wird ausgeblendet

Die „goldenen“ Zeiten, als Konzerne exorbitante Milliardengewinne einfuhren und ihre Aktionäre satte Dividenden, sind vorbei. Das bringt die wirtschaftsliberale FDP und den Wirtschaftsflügel der Union auf Trab. Kein Wunder also, aber umso fahrlässiger, dass sie in der ganzen Debatte über die Abschaffung oder die – natürlich notwendige, keiner streitet es ab – Korrektur des EEG den Sinn der Energiewende gar nicht mehr ansprechen.

Tatsächlich geht es ja darum, die heute und künftig anfallenden – aber der Allgemeinheit angelasteten – Kosten der Klima- und Umweltschäden zu vermeiden. Von den Folgen einer Atomkatastrophe wie in Tschernobyl oder Fukushima ganz zu schweigen. Windkraftanlagen an Land sind bereits heute wettbewerbsfähig, wenn man diese „externen“ Kosten zu den heutigen Kosten von Kohle- und Atomstrom hinzurechnet, und die anderen Öko-Energien werden es bald sein. Deutschland rühmte sich bisher zu recht, Vorreiter der Energiewende zu sein. Jetzt einfach abzusteigen, wäre grotesk.

 


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2 Kommentare

  • Sigwart Zeidler sagt:

    Es ist richtig, daß nie soviel gelogen wird wie vor Wahlen.
    Es ist aber auch richtig, daß in Bezug auf die Energieversorgung einige Tatsachen gänzlich verschwiegen und unterdrückt werden, mit deren Kenntnis und Anerkennung die Energieprobleme der Menschheit auf einfache Art und Weise schnell und effektiv, vor allen Dingen aber ohne Umweltschäden im Einklang mit den Gesetzen der Natur, dauerhaft gelöst werden könnten. Ich spreche hier von der sogenannten Vakuumenergie, welche kein Hirngespinst irgendwelcher Esoteriker ist, sondern phyikalischer Fakt.
    Und daß diese Energie auch technisch nutzbar ist, ist bereits vielfach durch entsprechende Geräte bewiesen worden. Im Internet ist genügend Material zu finden, wenn man nach „Freier Energie“ sucht.
    Es gibt bereits eine Petition, mit welcher erreicht werden soll, daß sich der Bundestag mit dieser Thematik befaßt und die Förderung der entsprechenden Forschung beschließt http://url9.de/MXN. Die Behauptung, die Vakuumenergie sei physikalisch bisher nicht verständlich und erklärbar, ist unhaltbar. Prof. Claus Turtur hat in jahrelanger Forschungsarbeit alles notwendige Wissen zusammengetragen und publiziert. Zudem hat er experimentell bewiesen, daß die Raumenergie, wie sie auch genannt wird, sehr wohl technisch nutzbar ist http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=0e-w56VaO9A.
    Für diese von jeder Lobby unterdrückten Wahrheiten einzustehen und sie ins Bewußtsein der Menschen zu rücken, scheint mir wichtiger als sich über die Lügen über eine Energiewende aufzuregen, die keine richtige Wende ist, wie ich bereits in meinem Blogbeitrag „Von der Energiewende zur Energierevolution“ dargelegt habe http://url9.de/qAB.


  • Andreas sagt:

    Völlig richtig, wer von Energiearmut spricht und sich nicht für die Heizkosten interessiert, handelt scheinheilig. Komisch, dass man nicht darüber spricht wie viele Menschen frieren müssen im Winter weil sie sich die Heizkosten nicht leisten können. Diese Diskussion geht jetzt sogar so weit, dass ein Bundestags-Direktkandidat in Berlin-Mitte das EEG für die hohen Mietnebenkosten verantwortlich macht. Entweder der weiß es nicht besser oder er will seine Wähler für dumm verkaufen.


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