MEINUNG & POSITION

Energieatlas für Europa

Die Zahlen für erneuerbare Energien und den Stand der Energiewende in Deutschland erfahren wir regelmäßig aus den Medien. Doch wie sieht es eigentlich in unseren Nachbarländern und der gesamten EU aus? Die Heinrich-Böll-Stiftung hat Anfang April 2018 den Energieatlas veröffentlicht. Auf über 50 Seiten wird zu den Themen Strom, Wärme, Verkehr, Digitalisierung und Effizienz mit der europäischen Brille auf die Energiewende geschaut.

Alles wichtige zur Energiewende in Europa fasst der neue Energieatlas zusammen, Grafik: Bartz/Stockmar, CC BY 4.0
Alles wichtige zur Energiewende in Europa fasst der neue Energieatlas zusammen, Grafik: Bartz/Stockmar, CC BY 4.0

Energiewende muss europäisch sein

Die wichtigsten Erkenntnisse des Energieatlas auf einen Blick:
Europa hat schon viel geleistet. Die europäischen Staaten und allen voran tatsächlich Deutschland haben einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass die Energiewende auf den Weg gebracht wurde. 2017 wurden in der EU bereits 30 Prozent des Stroms aus Wind und Sonne erzeugt. Doch die Energiewende muss als Gesamtprojekt gesehen werden. Deutschland hat viele Jahre sein eigenes Ding gemacht, ohne Rücksicht auf die Energiesysteme der Nachbarländer.

Sektorkopplung ist das A und O

Sieht komplex aus - ist jedoch ein wichtiger Baustein für 100% Erneuerbare, Grafik: Energieatlas
Sieht komplex aus – ist jedoch ein wichtiger Baustein für 100% Erneuerbare, Grafik: Energieatlas

Sektorkopplung ist Pflicht. In Deutschland und in der EU sind die erneuerbaren Energien im Stromsektor klar auf Kurs. Doch Stromerzeugung allein genügt nicht. Auch der Verkehrs- und Wärmesektor müssen auf die Erneuerbaren umgestellt werden. Nur so kann der 100-prozentige Ausstieg aus Kohle- und Atomkraft gelingen. In Deutschland erreichen die Erneuerbaren im Gesamtenergiemix einen Anteil von rund 13 Prozent. In der EU sind es 17 Prozent. Nach Ansicht der Studien sind 100 Prozent Erneuerbare bei Strom, Verkehr und Wärme bis 2050 möglich. Dafür müssen jedoch nicht nur die einzelnen Sektoren ineinandergreifen, sondern es muss eine vernetzte europäische Strominfrastruktur geben.

Erfolgsfaktor für die Energiewende sind die Bürger

Nach wie vor wird ein Großteil der Erneuerbaren-Anlagen von Bürgern betrieben, Grafik: Energieatlas
Nach wie vor wird ein Großteil der Erneuerbaren-Anlagen von Bürgern betrieben, Grafik: Energieatlas

Energiewende in Bürgerhand. In Deutschland wurde und wird die Energiewende zu großen Anteilen von Bürgerenergiegenossenschaften gestützt und vorangetrieben. Vor allem in den Anfängen waren es Privatpersonen und kleinere Unternehmen, die den Ausbau von Windkraft und Sonnenenergie in die Hand genommen haben. Mit dem Aufkommen der großen Anlagen und Offshore-Parks dreht sich allmählich das Bild. Doch nach wie vor sind nur fünf Prozent der installierten Kapazität für erneuerbare Energie im Besitz großer, traditioneller Energieversorger. In Dänemark werden Onshore-Windkraftanlagen nur genehmigt, wenn mindestens 20 Prozent der Projektanteile an Bürger in der Region gehen. Der Vorteil bei hoher Bürgerbeteiligung: Wer selbst an der der Energieerzeugung beteiligt ist, akzeptiert das Windrad in der Nachbarschaft auch eher.

Energieatlas zeigt: Jobs dank Erneuerbaren

Und nicht zuletzt: Energiewende schafft Jobs. Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat in der EU bis 2014 bereits mehr als eine Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Bei den Arbeitsplätzen pro Kopf der Bevölkerung in der EU war die Branche 2014 die Nummer zwei der Welt. Heute liegt die EU allerdings nur noch an fünfter Stelle hinter China, den Vereinigten Staaten, Japan und Brasilien.

Diese und alle weiteren wichtigen Informationen können Sie ausführlich im Energieatlas nachlesen, den Sie kostenlos herunterladen können.


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