MEINUNG & POSITION

EM-Gastgeber Frankreich: Ökostrom im Abseits

Erneuerbare sind in Frankreich noch in der Minderheit, Foto: PantherMedia
Erneuerbare sind in Frankreich noch in der Minderheit, Foto: PantherMedia

Unsere Ökostrom-EM hat gezeigt: Deutschland schafft es mit Platz 11 nicht einmal unter die Top 10. Auch das Gastgeberland Frankreich suchen wir vergeblich auf den vorderen Plätzen – es reicht nur zu Platz 14. Wir schauen uns das Land der diesjährigen Fußball EM einmal genauer an – vor allem zum Thema erneuerbare Energien.

16 Prozent Erneuerbare in Frankreich

Ein Blick auf den Strommix zeigt: Beim Thema Kohle machen uns die Franzosen nichts vor. Während in Deutschland Braun- und Steinkohle rund 42 Prozent der Stromerzeugung ausmachen, kommt die Kohle in Frankreich nur auf knapp 2 Prozent. Doch im Nachbarland decken nicht die Erneuerbaren den Großteil der Stromerzeugung, sondern Atomenergie. Mit gut 76 Prozent steht die Energiequelle (bislang) unangefochten an der Spitze. Die Erneuerbaren kommen knapp auf 16 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil von Wind, Sonne & Co. an der Stromerzeugung bereits bei rund 33 Prozent. Frankreich hat aktuell 10 Gigawatt Wind und 6,5 Gigawatt Photovoltaik, in Deutschland sind es zusammen über 85 Gigawatt.

Atomnation Frankreich – wie lange noch?

Atom- statt Ökostrom - in Frankreich laufen noch 58 AKW, Foto: PantherMedia
Atom- statt Ökostrom – in Frankreich laufen noch 58 AKW, Foto: PantherMedia

Frankreich gilt seit jeher als Atomnation. Bis heute produzieren 58 Atomkraftwerke Energie. Und eine wirkliche Kehrtwende in der Energiepolitik ist nicht zu spüren. Bis 2025 soll der Anteil der Atomenergie lediglich auf 50 Prozent heruntergefahren werden, die Erneuerbaren sollen 2050 rund 32 Prozent der Energieerzeugung ausmachen – so viel wie sie heute bereits in Deutschland erzeugen. Doch die Atom-Lobby ist im Nachbarland anscheinend noch aktiver als hier. Frankreich möchte in der Welt bis heute als führende Atomindustrie wahrgenommen werden. Dass der staatlich dominierte Energiekonzern EDF bei geplanten AKW um Jahre im Verzug ist oder die Finanzierung für neue Prestige-Projekte nicht steht, dass die Atommüll-Entsorgung auch in Frankreich noch nicht gelöst ist und dass Atomkraft im Vergleich zu Erneuerbaren inzwischen viel zu teuer ist, wird bislang anscheinend größtenteils ausgeblendet.

In Zukunft Erneuerbar?

Doch es gibt auch Positives zu berichten: Frankreich will die Energiewende vorantreiben. 2030 sollen erneuerbare Energien 32 Prozent der französischen Stromproduktion ausmachen, der Anteil fossiler Energieträger wie Erdöl soll bis dahin um 30 Prozent gesenkt werden. Um diese Ziele zu erreichen, werden in dem Gesetz eine ganze Reihe von Maßnahmen festgeschrieben: Die installierte Photovoltaik-Leistung soll bis 2023 mehr als verdreifachet werden. In den nächsten sieben Jahren sollen PV-Anlagen mit 18,2 bis 20,2 Gigawatt Gesamtleistung installiert werden. Bei der Windkraft plant das Nachbarland einen Zubau von 19.000 Megawatt bis 2020.

Auf dem Biobauernhof von Geoffroy Philippoteaux wird neben Bio-Milch auch Biogas hergestellt - einer unser Energiewendezeugen in Frankreich, Foto: WWF/LichtBlick
Auf dem Biobauernhof von Geoffroy Philippoteaux wird neben Bio-Milch auch Biogas hergestellt – einer unser Energiewendezeugen in Frankreich, Foto: WWF/LichtBlick

Energiewende-Vorreiter in Frankreich

Wir sind gespannt, ob die Atomnation Frankreich den Sprung zum Energiewende-Land schafft. Dass Der Wandel möglich ist, zeigen unsere Energiewende-Zeugen. Gemeinsam mit dem WWF haben wir internationale Vorreiter der Energiewende besucht, darunter auch drei Franzosen, die ihre Ideen der Energiewende vorstellen.


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