MEINUNG & POSITION

Ein stiller Skandal: 523.000.000.000 Dollar Subventionen für fossile Energien

Fossile Energien werden mit Unsummen unterstützt - ein stiller Skandal, Foto: PantherMedia
Fossile Energien werden mit Unsummen unterstützt – ein stiller Skandal, Foto: PantherMedia

Stromkunden in Deutschland bekommen derzeit Post von Ihren Versorgern. Flächendeckend erhöhen die Energieanbieter die Preise – auch LichtBlick hat seine Kunden letzte Woche über die neuen Tarife informiert. Seit Monaten sind die Energiekosten ein Top-Thema in den Medien. Nicht wenige geben der Energiewende und den Ökostrom-Subventionen die „Schuld“ an den steigenden Preisen – und stricken am „Märchen vom teuren Ökostrom“ , wie die Süddeutsche Zeitung kürzlich schrieb. Doch ein nüchterner Blick auf die Realität zeigt eine ganz anderes Bild: Kohle- und Atom sind nicht nur teurer als grüne Energie, sondern werden auch massiv subventioniert.

Förderung klimaschädlicher Energien nimmt um 30 Prozent zu

Trotz der immer neuen alarmierenden Erkenntnisse zum Klimawandel sind die globalen Fördermittel für fossile Energien weiter gestiegen. Sie lagen 2011 bei sage und schreibe 523 Milliarden US-Dollar – ein sattes Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das geht aus dem Weltenergiebericht 2012 der Internationalen Energie-Agentur (IEA) hervor. Die Weltbank geht sogar von mehr als eine Billionen Euro klimaschädlicher Energiesubventionen aus.

Weltbank fordert Umwidmung fossiler Subventionen

Die Subventionen für fossile Energien liegen damit mindestens sechsmal höher als die für erneuerbare Energien – ein stiller Skandal, der zeigt, dass die Welt die Herausforderung, den Klimawandel zu bekämpfen, noch nicht angenommen hat. Kein Wunder also, dass selbst eine eher konservative Organisation wie die Weltbank in Ihrem jüngsten Klimareport fordert, die Subventionen für fossile Energien in erneuerbare Energien umzulenken.

Ökostrom-Ausbau nur für 2,3 Cent der EEG-Umlage verantwortlich

Anfang 2013 steigt in Deutschland die Förderumlage für Erneuerbare Energien (EEG-Umlage) auf 5,28 Cent netto pro Kilowattstunde Strom. Hauptgrund ist allerdings nicht der stärkere Ausbau von Windrädern und Photovoltaik-Anlagen, sondern die ungerechte Verteilung der Kosten. Vor allem viele Industriebetriebe werden entlastet. Die Folge: die Förderkosten werden auf weniger Schultern verteilt, vor allem die Belastung für die Haushalte steigt. Berechnungen zeigen, dass die reinen Förderkosten für die Erneuerbaren Energie ohne Sondereffekte bei gerade einmal 2,3 Cent pro Kilowattstunde liegen würden.

Atom- und Kohlestrom kommen der Volkswirtschaft teuer zu stehen

Die Gegner der Energiewende versuchen, aus der aktuellen Strompreisdebatte Kapital zu schlagen und wettern gegen den Ökostrom. Die atomfreundliche BILD-Zeitung fordert bereits die Rückkehr zur Kernenergie. Dabei wird suggeriert, Kohle- und Atomstrom sei billiger als Ökostrom. Doch das ist eine dreiste Lüge.

Die Experten des Forums Ökologisch Soziale Marktwirtschaft (FOES) haben einmal aufsummiert, welche Fördermittel für Kohle und Atom aus dem Staatssäckel fließen . Zudem haben sie auch die volkswirtschaftlichen Folgekosten dieser Stromerzeugung eingerechnet, also zum Beispiel die Klimaschäden durch die Kohleverstromung oder die Endlagerkosten für den Atommüll. Diese Kosten werden anders als die EEG-Umlage nämlich nicht transparent über den Strompreis gezahlt, sondern verstecken sich in Steuern und Abgaben. Die Ergebnisse sind erhellend:

Während beispielsweise die volkswirtschaftlichen Kosten für Windstrom 2012 bei 8,1 Cent pro Kilowattstunde lagen, schlägt Steinkohle mit 14,8 Cent zu Buche. Die Atomkraft kommt auf mindestens 16,4 Cent. Nimmt man die Risiken einer Atomkatastrophe in die Rechnung auf, kommt man sogar auf 42,2 Cent pro Kilowattstunde.

Atomkraft bei Markteinführung fast doppelt so teuer wie Photovoltaik

Auch ein anderer Vergleich ist interessant: Die Markteinführung des vergleichsweise teuren Photovoltaik-Stroms kostet derzeit rund 36,7 Cent pro Kilowattstunde. Die Finanzexperten vergleichen diesen Wert mit den Kosten für die Markteinführung von Atomstrom – diese lagen mit 60 Cent deutlich höher.

Keine Strompreiserhöhung ist erfreulich. Aber die Debatte über die Energiekosten in Deutschland und weltweit muss ehrlich geführt werden. Selbstverständlich kostet die Umstellung unseres Energiesystems auf 100% Ökostrom Geld. Aber die Kosten der Energiewende sind geringer als die Kosten jedes „Weiter so“-Szenarios, in dem weiterhin Kohlekraftwerke das Klima verpesten, Atommüll angehäuft wird und das Risiko eines Super-GAU’s bleibt.


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3 Kommentare

  • Rolf sagt:

    Solange potenzielle Arbeitgeber (wie zum Beispiel Lichtblick) nicht nur Preiserhöhungen durchziehen, sondern auch Lohnererhöhungen an die Mitarbeiter weitergeben, würde das System funktionieren. Aber die gewinnorientierten Firmen lutschen Ihre Arbeitnehmer bis zum letzten Tropfen aus und setzen Preiserhöhungen Jahr für Jahr durch und geben auf Seiten wie diesen hier der Politik die Schuld. Schuld hat der geldgierige Nichtsnutz in den Führungsetagen der jeweiligen Firmen!


    • Katinka Königstein sagt:

      Hallo Rolf,
      die Gründe für die aktuellen Preiserhöhungen liegen in den steigenden Abgaben und Gebühren, auf die LichtBlick leider keinen Einfluss hat. Insgesamt 70% des Strompreises, den die Kunden zahlen müssen, besteht aus Abgaben und Gebühren. Wir geben die aktuellen Erhöhungen 1:1 an unsere Kunden weiter und machen keinen Gewinn. Schöne Grüße, Laura


  • Anja sagt:

    Ha – so sieht es aus! Von wegen Ökostrom ist schuld an den hohen Preisen.
    Schuld sind doch wir selbst, die wir das Thema Energiewende immer ignoriert haben. Jetzt wird der Verbraucher zur Verantwortung gezogen, möchte aber nicht so gerne. Das ist mir nicht so ganz verständlich…
    Krass, dass die schädlichen Energien tatsächlich doch noch 30% mehr subventioniert wurden.
    Ich fürchte wirklich, die Welt ist noch nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen – da stimme ich Ihnen zu!
    Wirklich interessant, der Beitrag – danke.
    Noch ein kleiner Lesetipp: http://www.marktundmittelstand.de/newsletter-unternehmen-zukunft/?src=BL
    Ein Newsletter zum Thema Energie, ergänzend noch oder einfach nur, weil man ja nie informiert genug sein kann 😉


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