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EEG-Umlage: Kein Preisschild für die Energiewende

Wind- und Solarpark in der Energielandschaft Morbach, Rheinland-Pfalz, Foto: Agentur für Erneuerbare Energien
Wind- und Solarpark in der Energielandschaft Morbach, Rheinland-Pfalz, Foto: Agentur für Erneuerbare Energien

Der heute bekannt gegebene Anstieg der EEG-Umlage von derzeit 5,3 auf 6,24 Cent zum Jahreswechsel geht nur zu einem geringen Teil auf den jüngsten Ausbau der Öko-Kraftwerke zurück. Hauptgrund für die steigende Abgabe sind sinkende Börsenpreise  und die Entlastung der Industrie.

Die Höhe der Ökostrom-Umlage, die Verbraucher mit ihrer Stromrechnung zahlen,  ist der größte Zankapfel der Energiewende. Dabei sind vor allem politische Versäumnisse verantwortlich für die wachsenden Ökostrom-Kosten der Verbraucher.

Überangebot an Strom durch zu viele Kohlekraftwerke

Den größten Anteil an der Steigerung der EEG-Umlage hat der Rückgang des Strompreises an der Börse. Das klingt zunächst paradox, lässt sich aber einfach erklären: Je mehr Wind- und Sonnenstrom produziert wird, desto größer wird das Stromangebot in Deutschland – auch, weil bisher noch zu viele Kohlekraftwerke am Netz sind. Durch das Überangebot an Energie sinken die Börsenpreise für Strom.

Durch die Berechnungsmethode der EEG-Umlage wird der hierzulande erzeugte Ökostrom zum Opfer seines eigenen Erfolges. Denn mit sinkenden Börsenpreisen fallen auch die am Markt erzielten Erlöse für den EEG-Strom. Die Differenz zwischen diesen Erlösen und der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung für Strom aus Öko-Kraftwerken nimmt also zu – und genau diese Differenz muss durch die EEG-Umlage ausgeglichen werden.

Eine Berechnung des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) zeigt: Wäre der Börsenpreis für Strom heute noch auf dem Niveau von 2008, fiele die EEG-Umlage 2014 um fast 1,5 Cent geringer aus. Auch die neuerliche Steigerung geht demnach zu fast 40 Prozent auf fallende Börsenpreise zurück.

Verbraucher zahlen für Entlastung der Industrie

Fast ebenso stark ins Gewicht fällt die Entlastung der Industrie von der EEG-Umlage. 2300 Betriebe wollen 2014 eine stark verringerte Umlage zahlen – ein neuer Rekord. Was die Unternehmen durch großzügige Ausnahmeregelungen weniger in den Ökostrom-Topf einzahlen, müssen die Verbraucher schultern. Allein diese Umverteilung macht rund 1,3 Cent der EEG-Umlage aus.

Rechnet man diese und weitere Sondereffekte ab und legt einen Börsenpreis wie 2008 zugrunde, lägen laut BEE die reinen Ökostrom-Förderkosten nur bei 2,54 Cent pro Kilowattstunde. Deutlich weniger also als die 6,24 Cent, die Verbraucher 2014 tatsächlich zahlen müssen. „Die EEG-Umlage ist schon lange kein Preisschild mehr für den Ausbau der Erneuerbaren Energien“, folgert BEE-Geschäftsführer Herrmann Falk deshalb völlig zurecht.

Lösung: Höhere CO2-Preise, weniger Privilegien

Es gibt zwei Lösungsstrategien, um wieder eine realistische EEG-Umlage zu erreichen.

Erstens müssen die Börsenpreise für Strom steigen. Dafür muss vor allem klimaschädlicher Kohlestrom teurer und vom Markt verdrängt werden. Die EU hat dazu das Instrument der CO2-Verschmutzungsrechte geschaffen. Aber die Preise für die Verschmutzungsrechte sind in den letzten Jahren um über 80 Prozent gefallen – dreckiger Kohlestrom ist deshalb derzeit billig wie lange nicht mehr. Eine Fehlentwicklung, die auch aus Gründen des Klimaschutzes dringend gestoppt werden muss.

Zweitens müssen die Ausnahmeregeln für die Industrie massiv gekappt werden. Da große Unternehmen ihren Strom direkt an der Börse kaufen, profitieren sie ohnehin schon vom Preisverfall. Die Lasten der Energiewende müssen gerecht verteilt werden.

Auf das teure Abenteuer Offshore Wind verzichten

Um die EEG-Kosten dauerhaft in Grenzen zu halten, sollte Deutschland  zudem auf den geplanten massiven Ausbau der sehr teuren Windkraft auf See verzichten.  Ökostrom aus Sonne und Windrädern an Land ist preiswerter und kann ausreichend produziert werden. Offshore-Wind droht sonst zur Kostenfalle der Energiewende zu werden.


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