MEINUNG & POSITION

„Die vierte Revolution“ – der Kinofilm zur Energiewende im kostenlosen Videostream

Im Frühjahr 2010 lief die eindrucksvolle Dokumentation „Die 4. Revolution. Energy Autonomy“ im Kino. Ab sofort ist der Film kostenlos per Videostream im Internet zu sehen. Damit wollen die Macher auch ein Zeichen gegen die zunehmenden Angriffe auf die Energiewende setzen.

Ein visionäres Bild der Energiezukunft

„Die 4. Revolution“ zeichnet ein kräftiges, visionäres Bild von der künftigen Energieversorgung. Und sie appelliert bild- und wortstark für einen radikalen Wandel. Allen Zauderern, die heute noch neue Kohlekraftwerke bauen oder sogar noch auf die Atomkraft setzen, wird eine klare Absage erteilt.

Der Dokumentarfilmer Carl A. Fechner erzählt seinen Film anhand von zehn Protagonisten und ihren teils faszinierenden und ermutigenden Geschichten. Neun von Ihnen stehen für den radikalen Umbau des Energiesystems hin zu einer dezentralen, erneuerbaren Energieversorgung. Ihr Hauptdarsteller ist der der im Herbst 2010 verstorbene SPD-Politiker und Solar-Verfechter Hermann Scheer, auf dessen Buch „Energieautonomie“ die Doku beruht.

Globale Perspektive

Eine Stärke des Films ist die globale Perspektive. So kommen beispielsweise ein chinesischer Solarfabrikant, ein Banker aus Bangladesh, ein afrikanischer Photovoltaik-Aktivist oder ein amerikanischer Elektroauto-Verfechter zu Wort. Die Welt der Energie ist vielfältig – die Lösungen sind es auch.

Immer mal wieder werden die Filmsequenzen von Faktensammlungen unterbrochen. Wussten Sie etwa, dass zwei Milliarden Menschen keinen Stromanschluss haben? Für sie ist eine Photovoltaikanlage auf dem Dach oft die beste Lösung.

Der Film führt eindrücklich vor Augen, dass die ökologische Energiewende in den Köpfen beginnt. Der einzige Vertreter der fossilen und atomaren Industrie im Film ist Fatih Birol, Chefökonom der Internationale Energieagentur. Er hat sein Hand- und Denkwerk bei der OPEC gelernt. Da wundert es einen kaum, dass er Öl, Kohle und Atom das Wort redet.

Ein Werbefilm für die Ökostrom-Branche?

Die Zeit-Autorin Marlies Uken hat damals kritisiert, dieser Film haben den „Charakter eines Werbefilms für die Ökostrom-Branche“. Das ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Energy Autonomy ist ein radikaler, einseitiger Film. Er zeichnet eine Vision und hält sich nicht mit den Feinheiten auf. Auch hat der Film einige überflüssige Längen, die es dem Zuschauer nicht immer ganz leicht machen, am Ball zu bleiben.

Tatsächlich braucht die Energiewende mehr, als der Film zeigt. Was wir nicht brauchen, sind neue Kohlekraftwerke oder Atomkraftwerke. Aber es braucht intelligente Lösungen wie das LichtBlick-Konzept SchwarmStrom, mit dem der Ausbau der erneuerbaren Energien intelligent flankiert und ergänzt wird. Für solche Differenzierungen ist in dem Film leider kein Platz. Auch kritische Themen wie die starke Überförderung von Photovoltaik zu Lasten der Stromverbraucher, die auf Dauer die Akzeptanz der Energiewende in Deutschland gefährden könnte, werden von den Machern ausgeblendet.

Trotzdem: Alles in allem ein sehenswerter Film und eine gute Alternative zum abendlichen Fernsehprogramm!

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