MEINUNG & POSITION

Der Mensch ist das Maß – nicht das Auto

Günther vom Radentscheid Hamburg ist selbst intensiver Radfahrer und engagiert sich seit 2017 für den Entscheid, Foto Günther Reimers
Günther vom Radentscheid Hamburg ist selbst intensiver Radfahrer und engagiert sich seit 2017 für den Entscheid, Foto Günther Reimers

In Hamburg ist Ende März die Unterschriften-Aktion „Radentscheid Hamburg“ gestartet. Die Initiative setzt sich für eine sichere und bessere Rad-Infrastruktur in der Stadt ein und möchte so für die Hansestadt den Weg zur Fahrrad-Stadt ebnen. Wir von LichtBlick unterstützen die Aktion und habe uns mit Günther vom Radentscheid zu ihren Forderungen und Wünschen unterhalten.

Radinfrastruktur braucht mehr als etwas Farbe

Warum braucht es in Hamburg überhaupt einen Radentscheid? Der rot-grüne Senat hat schon einiges auf den Weg gebracht – doch leider es geht in die verkehrte Richtung. Es hilft nämlich nicht, nur etwas Farbe in die Hand zu nehmen und Striche auf dem Asphalt zu ziehen.

Günther spricht damit den Fakt an, dass in Hamburg Radwege auf die Straße verlegt werden – allerdings oftmals ohne genaue Abgrenzung und meist enden sie dann auch irgendwo im Straßenverlauf. Als Radfahrer bleibt einem dann nichts anderes übrig, als sich wieder irgendwie einen Platz zwischen Pkw und Lkw zu suchen.

Für Kinder denken

Das schreckt vor allem viele Kinder ab, die dann nicht mit dem Rad zur Schule fahren können. Doch Nachhaltigkeit braucht Rad-Konzepte, die für Kinder gedacht werden. So lernen sie von Anfang an, das Rad als Verkehrsmittel zu nutzen und nicht das Auto. Daher fordern wir auch ein eigenes Schul-Radwegenetz.

Weit entfernt von einer Fahrrad-Stadt

So macht Fahrrad-fahren in einer Großstadt nicht wirklich Spaß - ein weiter weg zur Fahrrad-Stadt, Foto: Timelynx, Pixabay
So macht Fahrradfahren in einer Großstadt nicht wirklich Spaß – ein weiter weg zur Fahrrad-Stadt, Foto: Timelynx, Pixabay

Also ist Hamburg noch weit entfernt von einer Fahrrad-Stadt. Der Senat selbst spricht auch nicht davon, dass wir schon eine Fahrrad-Stadt sind. Wir sind allerdings auch nicht auf einem Weg dorthin. Dafür wird bei der Planung noch viel zu sehr vom Kraftfahrzeug und zu wenig von den Menschen aus gedacht. Nur ein Beispiel: Bei der Verkehrsplanung wird von der Leistungsfähigkeit einer Straße gesprochen. Das heißt dann, dass dort 70.000 Autos am Tag fahren können. Darum sollte es aber nicht gehen. Das Auto bringt keine Leistung, es ist Belastung. Die Planung muss von den Menschen und ihren Bedürfnissen her gedacht werden.

Konkrete Bedürfnisse der Radfahrer

Wir haben bei unseren Forderungen drei Gruppen und deren konkrete Bedürfnisse ausgemacht. Da sind die Kinder. Sie wollen sich grundsätzlich bewegen und bräuchten für den Weg zur Schule und in der Freizeit sichere Wege. Dann haben wir die Pendler. Sie wollen vor allem schnell und stressfrei zur Arbeit und zurück. Für sie brauchen wir Fahrradschnellwege. Und wir haben den Alltagsverkehr – zwei Kilometer mit dem Rad müssen einfach schneller und bequemer zu fahren sein als mit dem Auto oder öffentlichen Nahverkehr. Dafür brauchen wir Radwege ohne Durchgangsverkehr. Das gesamte Verkehrskonzept muss von den Menschen her gedacht werden.

Da stellt sich die Frage, ob es Städte gibt, die dieses Konzept schon umsetzen. Kopenhagen ist für mich das beste Beispiel, wie es aussehen kann. Hamburg hat ähnliches Potenzial – und die Hamburger möchten eine Veränderung. Zudem gibt es weitere Faktoren, die ein Umdenken erfordern: Die Klimakrise zwingt uns, neue Verkehrskonzepte umzusetzen. Und zukünftig werden weltweit immer mehr Menschen in den Städten leben. Wir brauchen daher Alternativen für den motorisierten Individualverkehr.

Unterschriften für einen Radentscheid

Der 12-Punkte-Plan von „Radentscheid Hamburg“ gibt eine erste Richtung vor, wie der Wandel gelingen kann. Wir wollen Diskussionen anstoßen und dass die Politik die Notwendigkeit zum Handeln erkennt. Damit wir auf politischer Ebene ein größeres Gehör finden, brauchen wir für den Radentscheid im ersten Schritt bis September 10.000 Unterschriften. Damit unsere Forderungen dann zum Volksbegehren und damit zu einer Gesetzesvorlage werden können, müssen wir im kommenden Jahr innerhalb von sechs Wochen 65.000 Unterschriften sammeln.

Den Radentscheid Hamburg unterstützen

Wer die Initiative unterstützen will, kann im ersten Schritt auf einer der Listen unterschreiben, die unter anderem bei LichtBlick ausliegen. Weitere Sammelstellen findet ihr online. Wir freuen uns auch über den persönlichen Austausch – entweder auf Facebook oder Twitter oder im persönlichen Gespräch: Wir treffen uns jeden letzten Donnerstag im Monat im „Haus der Familie“ um 18 Uhr. Und natürlich, das Wichtigste, freuen wir uns auch über ehrenamtliche Helfer.

Wer helfen möchte, Hamburg zu einer echten Fahrrad-Stadt zu machen, findet alle Infos auf der Webseite.


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