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Klimaverhandlungen: Der lange Weg nach Paris

Zeit zu handeln, Foto: PublicDomainPictures_Pixabay
Zeit zu handeln, Foto: PublicDomainPictures_Pixabay

Nach dem Desaster bei den Klimaverhandlungen 2009 in Kopenhagen konzentrierten sich die Diplomaten auf eine bessere Verwaltung der Klimakrise. Doch jetzt geht es wieder ums Ganze: Bis zum Gipfel Ende 2015 in Paris soll ein neuer Weltklimavertrag stehen, der allen Ländern Emissionsobergrenzen auferlegt. Der Stand der Klimadiplomatie nach der ersten Konferenz des Jahres in Bonn.

Die Klimaverhandlungen fangen da an, wo sie letztes Jahr aufgehört haben: Die Staaten der Welt streiten sich darüber, wann sie ihre Emissionsziele bekannt machen müssen. Die USA, China und einige Entwicklungsländer wollen den Termin so weit wie möglich hinausschieben. Die EU, die Schweiz und einige andere Entwicklungsländer wollen hingegen einen möglichst frühen Termin, damit die nationalen Emissionsziele geprüft und aufaddiert werden können. Das ist der klimapolitische Verhandlungsstand nach einem ersten Treffen der Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des internationalen Klimavertrages, der Ad Hoc Working Group on the Durban Platform for Enhanced Action (ADP),  in der vergangenen Woche in Bonn. Eines ist jetzt schon klar: Die CO2-Emissionsziele werden nicht ausreichen, um den Klimawandel ausreichend zu begrenzen.

Die Lücke zwischen den nationalen Zielen und dem laut Klimaforschung noch verbleibenden CO2-Budget der Welt ist deshalb das zentrale Thema der Klimaverhandlungen in den Jahren 2014 und 2015, sagt Artur Runge-Metzger, einer der beiden Ko-Vorsitzenden der Verhandlungen: „Wenn wir diese Lücke nicht schließen können, dann ist alles andere unwesentlich.“

Die Verhandlungen in den kommenden beiden Jahren gelten als letzte Chance, die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Ende 2015 soll in Paris ein neuer Weltklimavertrag verabschiedet werden, der alle Länder der Welt zu einem Beitrag im Kampf gegen die Klimakrise verpflichtet. Dieser Vertrag soll dann ab 2020 gelten. Außerdem wollen sich die Länder auf ehrgeizige Maßnahmen bis 2020 verständigen.

Seit dem Desaster von Kopenhagen ist einiges passiert

Noch haben sich aber nicht alle Entwicklungsländer damit abgefunden, in Zukunft ebenfalls Anstrengungen zum Klimaschutz unternehmen zu müssen. Die Antwort der Umweltorganisationen auf Chinas bisherigen Beitrag war jedenfalls nur Spott: „Es sieht so aus, als hätten manche Länder aus Versehen ihre Vorschläge für die Verhandlungen in Kopenhagen im Jahr 2009 wieder eingereicht.“ In Kopenhagen hatten die Staaten schon einmal versucht, einen wirksamen Weltklimavertrag auszuhandeln, waren aber spektakulär gescheitert. Seither drehten sich die Verhandlungen nur noch um eine bessere Verwaltung der Klimakrise.

Doch nun geht es wieder ums Ganze und viele Beobachter sind optimistisch, dass in Paris klappt, was in Kopenhagen unmöglich war: einen Vertrag auszuhandeln, der dem Zwei-Grad-Ziel gerecht wird. Michael Jacobs von der London School of Economics nennt drei Gründe für diesen Optimismus: Erstens werden die Existenz und die Ursache für den Klimawandel kaum noch angezweifelt. Zweitens zeigen neue Berechnungen von Klimaökonomen, dass Klimaschutz nicht einfach nur kostet, sondern einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten kann. Und drittens haben viele Länder inzwischen die rechtlichen Grundlagen geschaffen, um ihre Emissionen zu steuern.

So haben mittlerweile rund 30 Länder damit begonnen, einen Emissionshandel aufzubauen, wie er in der EU schon seit 2005 existiert. Von besonderer Bedeutung ist hier China. „Dank“ der Luftverschmutzung in Chinas Großstädten ist Pekings Machthabern klar, dass die Emissionen schon bald sinken müssen. Denn bei Demonstrationen gegen die Umweltzerstörung könnte irgendwann auch das Machtmonopol der Kommunistischen Partei in Frage gestellt werden.

Energiesparen wird dramatisch unterschätzt

Wo die größten Potenziale zur Reduktion von Treibhausgasemissionen liegen, hat derweil die Internationale Energieagentur IEA ausgerechnet: Klar führend sind Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden, Fahrzeugen und elektrischen Geräten. Damit könnten mehr als 40 Prozent der erforderlichen Emissionsminderung erreicht werden. Auf Platz zwei folgen die erneuerbaren Energien mit einem Potenzial von 21 Prozent.

Das Problem: Energieeffizienzmaßnahmen gelten als „langweilig“, sagt Philippe Benoit von der IEA. Die Agentur schätzt, dass weltweit 300 Milliarden Dollar für diese Maßnahmen ausgegeben werden. Dies entspreche aber nur einem Drittel der volkswirtschaftlich lohnenswerten Einsparpotenziale. „So wird eine Menge Geld verschenkt und viele Klimaschutzmaßnahmen unterbleiben“, klagt Benoit. Die Einstellung der Menschen zur Energieeffizienz müsse sich ändern. „Wir sollten die Energieeinsparungen betrachten, als wären sie Energie.“

Dieser Beitrag wurde uns von unserem Medienpartner klimaretter.info zur Verfügung gestellt – Eine Analyse von Christian Mihatsch


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