MEINUNG & POSITION

„Der Klimaschutz macht nicht an Grenzen halt“

Heiko von Tschischwitz bei seinem Besuch in Nepal, Foto: LichtBlick
Heiko von Tschischwitz bei seinem Besuch in Nepal, Foto: LichtBlick

Im Gespräch mit Heiko von Tschischwitz, Aufsichtratsvorsitzender und Gründer von LichtBlick

LichtBlick hat vor zehn Jahren gemeinsam mit „Geo schützt den Regenwald“ den Bau eines Wasserkraftwerks im nepalesischen Himalaya gefördert. 2009 – zehn Jahre später besuchte Eva Danulat von „Geo schützt den Regenwald“ die Region. Zu diesem Zeitpunkt versorgte das Wasserkraftwerk bereits 117 Haushalte, 14 Hotels und zwei Schulen mit Strom und auch das einzige Internet-Café weit und breit. „Die Elektrizität hat das Leben der Menschen in Landruk nachhaltig verändert“, berichtete sie von ihrem Besuch. Der Empfang im Dorf war, so Eva Danulat, „überwältigend“. Einer der Bewohner zauberte aus einem verstaubten Kasten einen vergilbten Zettel hervor auf dem die Besucher vor zehn Jahren ihre Adressen notiert hatten.

Dieser Zettel ist Teil einer spannenden LichtBlick-Geschichte fernab der Hamburger Zentrale, über die ich gerne mehr erfahren wollte. Aus diesem Grund habe ich vor einigen Tagen mit Heiko von Tschischwitz über das Projekt gesprochen. Er hat sich als Gründer von LichtBlick intensiv mit dem Projekt befasst und die Region und ihre Bewohner während des Kraftwerkbaus vor zehn Jahren besucht.

Das Wasserkraftwerk in Nepal

Wie kam es zu der Entscheidung in Nepal ein Wasserkraftwerk zu bauen?

Wir wollten gleich zu Beginn ein Zeichen setzen, dass wir es ernst meinen mit dem Klimaschutz. Und da Klimaschutz ein globales Thema ist und nicht an Grenzen halt macht, haben wir uns auch auf der ganzen Welt nach einem geeigneten Projekt umgesehen.

Was sind die Besonderheiten an dem Projekt?

Das Kleinst-Wasserkraftwerk in Nepal erreicht einen besonders hohen Umweltnutzen bei minimalem Eingriff in die Natur. Durch die dezentrale Stromerzeugung konnte ein kleines Dorf mit Strom versorgt werden, das bisher auf die Abholzung und Verbrennung der umliegenden Wälder angewiesen war, um zu kochen und zu heizen. Damit erzeugt das Projekt nicht nur klimafreundlichen Strom, sondern verhindert gleichzeitig und unmittelbar die Abholzung des lokalen Regenwaldes.

Warum habt Ihr genau diese Region in Nepal ausgewählt, um hier ein Wasserkraftwerk zu bauen?

Weil hier ganzjährig genügend Wasserkraft, gespeist von einem Gletscher des über 8.000 m hohen Annapurna-Massivs im Himalaya, vorhanden ist und gleichzeitig seltener Berg-Regenwald geschützt werden konnte. Außerdem steht diese Region unter dem Schutze einer lokalen Umweltorganisation, die sich um das Projekt kümmern konnte. Lokale Wurzeln sind erfahrungsgemäß enorm wichtig, um derartige Projekte langfristig erfolgreich umsetzen zu können.

„Bewohner identifierten sich sofort mit dem Projekt“

 Welche Auswirkungen hatte der Bau des Kraftwerks auf die Region und die Lebensumstände der Bewohner?

Das Dorf Landruk bekam durch den Bau und Betrieb des Kraftwerkes eine ganz neue Aufgabe. Alle Bewohner haben sich sofort mit dem Projekt identifiziert und kümmern sich seitdem wechselseitig um die anstehenden Wartungsaufgaben. Die Abholzung des Berg-Regenwaldes wurde gestoppt und die Lebensumstände maßgeblich vereinfacht. Gekocht, beleuchtet und geheizt wird jetzt über das lokale Stromnetz mit Ökostrom aus dem dorfeigenen Wasserkraftwerk. Der Strom ist nicht umsonst, sondern kostet Geld, damit der Wert erkannt wird. Das Geld wird genutzt, um die Arbeitsplätze und die Wartungskosten des Kraftwerkes zu bezahlen. Durch die Verbannung der vielen Feuerstellen sind die lokalen Emissionen deutlich zurückgegangen, die Luftqualität hat sich massiv verbessert. Und nicht zuletzt wurde durch ein parallel, ebenfalls von LichtBlick finanziertes Wiederaufforstungsprojekt der Berg-Regenwald im Umfeld des Dorfes wieder verdichtet.

Vor zehn Jahren warst Du selbst in der Region. Was war dein Eindruck, was hast Du von dort mitgenommen?

Vor allem die Erkenntnis, dass Zufriedenheit nichts mit Wohlstand zu tun hat. Die Leute vor Ort leben in sehr einfachen Verhältnissen. Trotzdem – oder vielleicht sogar gerade deshalb – kommt in ihrem Verhalten und ihren Gesichtern viel mehr Freude, Dankbarkeit und auch Stolz zum Ausdruck als bei uns. Zusätzlich wird einem klar, mit wie wenig Aufwand man in solchen Regionen unglaublich viel erreichen kann.

10 Jahre später. Wie ist die Situation vor Ort? Ist das LichtBlick-Engagement in Nepal beendet oder gibt es weitere Pläne?

Das Kraftwerk läuft nach wie vor mit guter Verfügbarkeit und hat das Dorf Landruk in gewünschter Weise vorangebracht. Das Projekt wird eigenständig verwaltet und hat außerdem Nacharmer in anderen Regionen gefunden. Konkrete Pläne von LichtBlick gibt es derzeit in Nepal nicht, weil wir uns zurzeit massiv in Ecuador engagieren. Aber ausschließen möchte ich nicht, dass wir mit einem der nächsten Projekte vielleicht auch nach Nepal zurückkehren.

Erneuerbare Energien in Nepal

Welche Bedeutung hat der Ausbau der Erneuerbaren Energien für ein Land wie Nepal?

Nepal hat das Glück, auf sehr große Wasserkraftkapazitäten aus dem Himalaya zurückgreifen zu können. Insofern bietet sich Nepal die Chance, die eigene Stromversorgung weitgehend klimaneutral und unabhängig von Rohstoff-Importen aufzubauen. Da die Rohstoffpreise in Zukunft aufgrund von Verknappung deutlich ansteigen werden, ist dies ein enormer Vorteil für die Volkswirtschaft von Nepal.


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3 Kommentare

  • Andreas Zörndlein sagt:

    Herrn Hartmann kann ich da nur zustimmen.
    Erst am Sonntag ist mir bei einer Radtour im Landkreis Roth aufgefallen, dass im Ortsgebiet von Eckersmühlen (der Name „Mühle“ sagt es ja bereits) zwar ein ziemlich hohes Wehr besteht (Fallhöhe geschätzte 3m), jedoch in der alten Mühle keine Turbine mehr läuft…
    verantwortlich ist laut Beschilderung das Wasserwirtschaftsamt Ansbach, das hier aber anscheinend keinerlei Ambitionen hat, die Wasserkraft zu nutzen. Auch im Gespräch mit einem Kraftwerksbetreiber im Stadtgebiet von Nürnberg wurde mir versichert, dass er gern weitere bestehende Wehre als Kraftwerk nutzen würde. Aber die Steine, die ihm bei seinem bereits bestehenden Projekt in den Weg gelegt wurden, halten ihn davon ab. Obwohl ihm das Thema an sich sehr am Herzen läge…


  • Katinka Königstein sagt:

    Hallo Herr Hartmann,

    an den großen deutschen Flüssen gibt es zahlreiche Wasserkraftwerke. Hier sind die Potentiale größtenteils bereits ausgeschöpft. Bei kleineren Flussläufen gibt es dagegen noch weitere Potentiale. Hier steht der Bau von Wasserkraftanlagen jedoch häufig im Konflikt mit dem Natur- und Landschaftsschutz.

    Sonnige Grüße aus Hamburg
    Katinka Königstein


  • Michael Hartmann sagt:

    Hallo Frau Königstein,
    wieso haben wir in Deutschland eigentlich kaum Wasserkraftwerke? Ich denke da z. B. an die Wupper. Da können keine Schiffe über längere Strecken fahren, weil es von Zeit zu Zeit Staustufen gibt. Hier könnte man doch gut Wasserkraftwerke hinsetzen, so wie früher schon die Messerschleifer von Solingen die „Kotten“ per Wasserrad angetrieben haben. Heute könnte man hier Strom raus holen, die in Zusammenarbeit mit den ZuhauseKraftwerken dann noch mehr dezentrale Energiequellen bilden.

    Wenn Sie möchten kann ich Ihnen mal Fotos schicken die zeigen, wie viel Wasser hier kraftvoll aber ungenutzt durch Wupper und auch den Eschbach fließen. Und selbst am Rhein ließen sich bestimmt Stellen finden, wo zwar Wasser her fließt, aber wegen dem zu hohen Grund keine Schiffe her fahren können, oder die Brückenpfeiler zu nah dran stehen.


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