MEINUNG & POSITION

Das „Krümmelmonster“ – bundesweite Demonstrationen für den Atomausstieg

Proteste gegen AKW Krümmel und für den Atomausstieg, Foto: LichtBlick
Proteste gegen AKW Krümmel und für den Atomausstieg, Foto: LichtBlick

Unter dem Motto „Fünf vor Zwölf“ versammelten sich am Ostermontag, pünktlich um 11:55 Uhr rund 15.000 Menschen am „modernsten Siedewasserreaktor Europas“. An dem von Vattenfall und E.ON betriebenen und (noch) still stehenden Pannenreaktor Krümmel, trafen wir uns, um für den sofortigen und endgültigen Atomausstieg zu demonstrieren.

Anreise mit Treckern, Fahrrädern und Bussen

Fahrradkonvois aus Hamburg-Bergedorf, Winsen und Lüneburg, ein Trecker Konvoi aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg und zahlreiche Menschen aus der Umgebung und mit Bussen Angereiste nahmen an der Protestkundgebung teil. Gemeinsam erinnerten wir an den 25sten Jahrestag von Tschernobyl und unterstrichen deutlich, dass die Anti-Atom-Bewegung nicht locker lassen wird, bis es eine endgültige Regierungsentscheidung für den Ausstieg aus der gefährlichsten Energieerzeugungstechnologie gibt.

Tschernobyl hat das Leben von 100.000 Menschen zerstört

Unter den Redner war einer der sogenannten „Liquidatoren“ die am Unglücksreaktor von Tschernobyl tätig waren. Die Sowjetregierung kommandierte vor 25 Jahren rund 800.000 dieser Liquidatoren (Soldaten, Studenten und „Freiwillige“) ab, die unter anderem die strahlende Glut notdürftig abdecken und den Sarkophag um den explodierten Block 4 errichten mussten. Viele davon sind inzwischen verstorben, die allermeisten schwer erkrankt. Die Reaktorkatastrophe hat das Leben von über 100.000 Menschen zerstört.

Zu Wort kam auch eine japanische Rednerin, die seit einigen Jahren in Deutschland lebt und über die Zustände in Japan berichtete. Sie ließ nicht unerwähnt, dass wir hier in Deutschland eine Vorreiterrolle übernehmen müssen, bezogen auf den Kampf für einen schnellen Ausstieg: es gäbe zwar Demonstrationen in ihrem Heimatland, doch seien diese noch verhalten, würden zudem in der Medienberichterstattung zumeist ausgespart.

Viele Tausend Menschen versammelten sich bundesweit und zeigten Flagge, diese Demonstration ist ein weiterer großer Erfolg für die Anti-Atom-Bewegung.

Protest bis auch das  letzte AKW vom Netz geht

Das halte ich für besonders wichtig da auch Fukushima in der Medienberichterstattung weitestgehend archiviert zu sein scheint. Ziel dieser und folgender Anti-AKW-Demonstrationen ist es und wird es sein, dass auch das letzte Atomkraftwerk vom Netz geht und der „Exportschlager Kernkraftwerk für entwicklungsschwache Regionen“ endlich Geschichte wird.

Ein Beitrag von Achim Vogt, Regionalleiter Nord im Vertrieb bei LichtBlick


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3 Kommentare

  • Michael Hartmann sagt:

    Hallo Herr Vogt, ich gehe zwar nicht auf Demonstrationen schon allein weil die so weit weg von meinem Wohnort sind und ich Bedenken habe, dass einige Demonstranten es dann übertreiben und die Polizei dann gegen alle (auch friedliche Demonstranten) vorgeht. Aber Hauptsache auf einen Umstieg hinweisen mit den Methoden die einem am meisten zusagen.

    Ich versuche schon länger Leute für den Wechsel des Stromanbieters zu überzeugen. U.A. hier:
    http://www.akw-abschalten.de
    Mir geht es selbst nicht um die Weiterempfehlungsprämie, aber das Angebot mir die Prämie mit dem Neukunden zu teilen hat schon einige Überleger überzeugt zu wechseln. Seit Fukuschima habe ich sogar einen längeren Zögerer überzeugen können und schon ganz am Anfang hat ein Wechseler nur durch den Wechsel schon monatlich Geld gespart, weil er beim atomaren den Namen mitbezahlen musste.

    Es sagt zwar keiner dass er Atomstrom haben möchte, aber mal die Finger krum machen und wechseln tun einige Leute einfach nicht. Vermutlich glauben die auch, dass es morgen Geld regnet und sich das Atom-Problem von alleine erledigt. Wer’s glaubt…


  • Achim Vogt sagt:

    Hallo Herr Hartmann, danke für Ihren Kommentar! Das darin beschriebene Szenario ließt sich in der Tat ein bisschen wie das Drehbuch eines Horrorfilms: gruselig. Mir persönlich geht es so, dass ich meine Energie in den Kampf für den schnellen Ausstieg stecke und mein Möglichstes tue, dass der komplizierte Energiemarkt für die Bürgerinnen und Bürger verständlicher wird. Nur wer weiss was da seit Jahrzehnten abläuft wird sich auf die Hinterbeine stellen und auf die Straße gehen, Stromanbieter wechseln, die Parteien wählen die die Energiewende fordern und fördern…wir können alle Einfluss nehmen!


  • Michael Hartmann sagt:

    Letztens kamen anlässlich des Jahrestages mehrere Berichte über Tschernobyl mit der dazugehörigen Stadt „Pripyat“. Inzwischen eine Geisterstadt wo man gut einen Horrorfilm drehen könnte. Auch die Erläuterungen mit zum großen Teil originalen Filmaufnahmen sind für einen Horrorfilm geeignet.

    Die unsichtbare Gefahr, die zwar mit Ausnahme des Reaktors keinen erkennbaren Sachschaden anrichtet aber für Milionen Jahre die Gegend unbewohnbar macht und auch wenn es inzwischen einige Touristen anlockt, würde ich da nicht hinreisen wenn ich dafür vielleicht in 5 Jahren „unplanmäßig“ erkranke und bald darauf sterbe.

    Wenn ich mir vorstelle, dass so eine Geisterstadt nun auch in Japan und vielleicht in ein paar Jahren auch in Deutschland entsteht, fühle ich mich plötzlich wie mitten im Horrorfilm und es ist nur noch eine Frage der Zeit wann die ganze Welt verstahlt ist.

    Das die meisten Politiker jetzt endlich mal gemerkt haben, dass es mit Atomkraft doch nicht so weiter gehen kann, liegt vermutlich an dem Wahlergebnis im Ländle. Wenn genug Leute sauer sind, gehen die auch in größerem Umfang zur Wahl und setzen ein klares Zeichen. Und auf einmal interessiert die Politiker die Meinung der Bürger.


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