MEINUNG & POSITION

Castor-Transport 2011: Dran bleiben!

Wie schon in den letzten Jahren liefen die Szenarien der diesjährigen Castor-Proteste auf wechselseitige Machtdemonstrationen hinaus. Organisierte, solidarische und vor allem entschiedene Atomkraftgegner die kreatives Chaos sein lassen und damit den Transport aufhalten einerseits. Hoch mobilisierte, gerüstete Staatsgewalt die ebendies mit allen Mitteln zu verhindern versuchte andererseits.Ich gestehe, dass ich anders als im letzten Jahr mit gemischten Gefühlen ins Wendland fuhr und der Frage ob der Widerstand seine Energie halten oder ob sie wegen des Ausstiegs aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg abflauen würde?

Die Sorge erweist sich als unbegründet denn die Gegner setzen mit unverminderter Kraft erneut ein Zeichen und verzögern die Ankunft der Castoren deutlich länger als je zuvor in der Geschichte. Sie unterstreichen damit, dass auch künftig weiter gegen Atomkraft demonstriert werden wird – so lange die Endlagerfrage nicht geklärt ist, solange auch nur ein einziges AKW am Netz verbleibt.

Faule Kompromisse und vage Beschlüsse

Der Drops ist noch nicht gelutscht. Die Beschlüsse zum Ausstieg bleiben vage und sind viel zu langfristig. Einige der großen vier Stromkonzerne wagen es, den Staat für Einkommensausfälle zu verklagen und es bleibt zu befürchten, dass sich die Regierung erneut auf faule Kompromisse einlässt.

Kartoffelscheune birgt 100 Castoren

Das zeigt sich auch bei der offenbar zur Beruhigung der Bevölkerung vorgeschobenen Suche nach einem geeigneten Endlagerungsstandort. Wohin mit der strahlenden Fracht? Momentan lagern die gut 100 Castoren, die den hoch radioaktiven Müll beinhalten (allein die Strahlendosis des laufenden Transports ist 44-mal höher als die in Fukushima gemessenen Werte) in der sogenannten „Kartoffelscheune“, einer provisorischen Wellblechhalle irgendwo bei Gorleben – oberirdisch also. Der darunterliegende Schacht soll auch im nächsten Jahr mit einem Kostenaufwand von 73 Millionen Euro erforscht werden, obwohl es eindeutige Belege dafür gibt, dass er aufgrund der Bodenbeschaffenheit vollkommen ungeeignet ist. Und es zu keinem Zeitpunkt Gutachten gab, aus denen eine mögliche Eignung hervorgegangen wäre. Die Auswahl des Standortes hatte – wie hinlänglich bekannt ist – ausschließlich politisch motivierte Hintergründe.

Nur 3 Millionen für neue Standortsuche

Für die Suche eines besser geeigneten Standortes veranschlagt die Regierung drei Millionen Euro im Haushalt 2012. Wie ich finde, sprechen diese Zahlen eine klare Sprache. Und ich bin empört darüber! Da werden sehenden Auges unkalkulierbare Risiken in Kauf genommen, und das vor dem Hintergrund weltweiter Störfälle und Katastrophen. Die ungeklärte Endlagerfrage zeigt deutlich wie sehr man sich Zugunsten einer vermeintlich effizienten, vor allem aber ungeheuer gefährlichen Technologie, dem freien Fall überlässt, bei dem es nur das Netz aber keinen doppelten Boden gibt. Wohin mit dem Zeug?

Eine weitere Frage, die mich im Zuge der Geschehnisse beschäftigt ist, wie es sein kann, dass Steuerzahler für die Müllentsorgungskosten privatwirtschaftlich organisierter Unternehmen, die Milliarden verschlingen, aufkommen müssen? Womit werden solche Beschlüsse legitimiert?

Kopfschütteln bis wachsende Wut

Vieles löst Kopfschütteln aus und je mehr man versteht, desto mehr wächst die Wut darüber, dass vorsätzlich falsch gehandelt wird, die Fehler aber nicht geahndet werden. Wo gibt’s denn bitte so was?

Ich möchte alle Leserinnen und Leser herzlich ermuntern in egal welcher Form Zeichen zu setzen, sich auf dem Laufenden zu halten und zu wehren. Informieren Sie sich! Solidarisieren Sie sich! Bleiben oder werden Sie in Ihrer Atom-Gegnerschaft entschieden! Das fängt beim Stromsparen in den eigenen vier Wänden an, geht über die Wahl des Stromanbieters bis hin zur Unterstützung von Initiativen und Protesten. Nein, der Drops ist noch lange nicht gelutscht. Es heißt: Dran bleiben!

Ein Beitrag von Achim vogt, Regionalleiter Nord im Vertrieb bei LichtBlick


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