MEINUNG & POSITION

Bundesregierung verfehlt Klimaziel

Protest gegen das Kohlekraftwerk Jänschwalde, Foto: BUND
Protest gegen das Kohlekraftwerk Jänschwalde, Foto: BUND

Bis 2050 bundesweit 80 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen und den Energieverbrauch um die Hälfte senken? Diese beiden zentralen Klimaschutz-Ziele der Bundesregierung aus ihrer im September 2010 verabschiedeten Energiestrategie wird Deutschland wohl nicht erreichen. Das legt eine am Montag veröffentlichte „Energiereferenzprognose“ der Institute Prognos, EWI und GWS nahe. Auftraggeber für die Studie war das Bundeswirtschaftsministerium.

Eigene Ziele nicht mehr zu erreichen

Beim Klimaschutz lässt das Fazit der drei Institute an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Wörtlich heißt es: „Gegenüber dem Kyoto-Basisjahr [1990] liegen die Emissionen 2020 um 36 Prozent und 2050 um gut 65 Prozent niedriger. Damit werden die im Energiekonzept der Bundesregierung formulierten Ziele (Absenkung bis 2020 um 40 Prozent, bis 2050 um mindestens 80 Prozent) nicht erreicht.“

Zwar haben die Autoren der Studie nur die Entwicklung der energiebedingten Emissionen untersucht, während sich das 80-Prozent-Ziel der Bundesregierung auf alle Sektoren, also etwa auch auf Verkehr und Landwirtschaft, bezieht. Das ändere aber nichts an der grundsätzlichen Aussage, dass Deutschland seine Ziele nicht erreichen werde, betonte Mitautor Michael Schlesinger von der Prognos AG gegenüber klimaretter.info. Die anderen Sektoren könnten gar nicht so viel zur Reduktion beitragen, um den fehlenden Anteil bei der Energie auszugleichen. In ihrer Energiestrategie 2010 hatte die Bundesregierung sogar einen Minderungspfad von „mindestens“ 80 bis 95 Prozent verkündet.

Auch beim Energieverbrauch Vorgaben hinfällig

Beim Energieverbrauch erwarten die Experten bis 2050 einen Rückgang um 42 Prozent – verglichen mit 2008, dem Basisjahr in diesem Punkt. Das entsprechende Ziel in der Energiestrategie lautet: „Bis 2020 soll der Primärenergieverbrauch gegenüber 2008 um 20 Prozent und bis 2050 um 50 Prozent sinken.“ Begünstigend wirkten dabei noch die schrumpfende Bevölkerung, der wirtschaftliche Strukturwandel, steigende Energiepreise und andere Faktoren, erläuterte Schlesinger. Dennoch würden auch hier die Ziele des Energiekonzepts „überwiegend“ nicht erreicht.

Lichtblick bei Erneuerbaren

Anteil der Erneuerbaren wächst kontinuierlich - doch reicht das, um die Klimaziele zu erreichen, Foto: Jan Boedeker
Anteil der Erneuerbaren wächst kontinuierlich – doch reicht das, um die Klimaziele zu erreichen, Foto: Jan Boedeker

Einziger Lichtblick ist, wie so oft, die Entwicklung der Ökoenergien. Bis 2020 würden die Ausbauziele der Bundesregierung für Erneuerbare im Stromsektor sogar übertroffen werden, prognostizierte Dietmar Lindenberger vom EWI. Hauptgrund ist laut Studie die weiter ansteigende Eigenerzeugung durch dezentrale Photovoltaik außerhalb des EEG.

Konsequenteres Handeln gefordert

Um die Ziele des Energiekonzepts zu erreichen, so das Fazit der Studie, müssten Energie- und Klimaschutzpolitik eine dauerhaft hohe Priorität auf der politischen Agenda einnehmen. Wirtschaft und private Energieverbraucher müssten ihr Verhalten stärker am Klimaschutz ausrichten und die vorhandenen Effizienztechnologien konsequent nutzen. Das würde durch ein international abgestimmtes Vorgehen beim Klimaschutz erleichtert werden, so die Studie. Die Umsetzung eines solchen Szenarios sei langfristig sogar mit gesamtwirtschaftlichen Vorteilen verbunden.

Der Beitrag wurde uns von unserem Medienpartner klimaretter.info zur Verfügung gestellt.

 


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