MEINUNG & POSITION

Atomenergie weltweit auf dem Rückzug

Am 11. März jährt sich die Reaktorkatastrophe von Fukushima zum siebten Mal. Noch immer hat die Betreiberfirma TEPCO mit den verheerenden Folgen zu kämpfen: Die Dekontaminierungsarbeiten am Reaktor werden nach Schätzungen des Unternehmens noch 30 bis 40 Jahre dauern und rund 160 Milliarden Euro kosten. Die Region um das Atomkraftwerk ist nach wie vor zum Teil extrem verseucht und dennoch wurden die Evakuierungsanweisungen für einige Städte aufgehoben. Bis heute sind allerdings nur ca. drei Prozent der Bevölkerung zurückgekehrt.

Von Renaissance der Atomenergie ist zum Glück wenig zu spüren, Foto: PantherMedia
Von Renaissance der Atomenergie ist zum Glück wenig zu spüren, Foto: PantherMedia

Zukunft der Atomenergie

Der GAU von Fukushima hat einmal mehr bewiesen, wie riskant die Atomkraft nach wie vor ist und zu welchen massiven und jahrelangen Folgen eine Reaktorkatastrophe führt. In Deutschland war Fukushima der Anfang vom Ende der Atomenergie. Doch es gibt weltweit noch viele Stimmen, die Atomkraft für sauber (ja, sie erzeugen kein CO2, aber die Atommüll-Frage ist immer noch nicht geklärt) und sicher halten. Zwischenzeitlich war sogar von einer Renaissance der Atomenergie die Rede.

Mehr Abschaltungen als Inbetriebnahmen

Doch aktuelle Zahlen zeigen: von der Renaissance ist nicht viel geblieben. Im vergangenen Jahr sollten 19 Reaktoren, die alle vor Fukushima geplant wurden, ans Netz gehen. Am Ende wurden es nur vier. Denen gegenüber stehen fünf Reaktoren, die dauerhaft vom Netz gegangen sind. Darunter übrigens auch Gundremmingen in Deutschland. In den vergangenen zehn Jahren sank die Anzahl der Reaktoranlagen sogar um 34 und die Kapazität um 9,5 Prozent oder 19 Gigawatt.

Reaktoren im Rentenalter

Dieser Trend wird sich fortsetzen. Denn es werden nicht nur wenige neue Reaktoren hinzukommen, sondern es werden in den nächsten Jahren altersbedingt viele Atomreaktoren vom Netz gehen. Das Durchschnittsalter aller Atomreaktoren weltweit liegt bei über 29 Jahren, die Hälfte ist seit 31 Jahren und mehr am Netz. Bis 2040 geht die Internationale Energieagentur (IEA) von rund 200 Reaktorschließungen aus.

Grüne Energie statt Atomenergie

Statt auf Atomenergie setzen immer mehr Staaten weltweit auf Erneuerbare, Foto: PantherMedia
Statt auf Atomenergie setzen immer mehr Staaten weltweit auf Erneuerbare, Foto: PantherMedia

Werden wir also alle bald im Dunkeln sitzen? Der Anteil der Atomenergie an der weltweiten Stromerzeugung ist in den vergangenen 20 Jahren bereits um rund sieben Prozent auf 10,5 Prozent zurückgegangen. Die Erneuerbaren haben dagegen deutlich dazugewonnen und erzeugen heute mit einem Anteil von rund 24,5 Prozent mehr als doppelt so viel Strom wie Ende der 1990er Jahre. Und die IEA, die für ihre eher pessimistischen Prognosen für Erneuerbare bekannt sind, erwarten bis 2022 einen Anteil von 30 Prozent der Erneuerbaren am weltweiten Strommix.
Nur in einem Geschäftsfeld wird die Atomindustrie in den kommenden Jahren wirklich einen Boom erleben – bei der Stilllegung der Reaktoren.

Mehr zu dem Thema finden Sie hier (der Beitrag ist auf Englisch).

 


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