MEINUNG & POSITION

Menschenkette gegen Kohle

Braunkohle Tagebau in der Lausitz, Foto: Christian Mang, Greenpeace
Braunkohle Tagebau in der Lausitz, Foto: Christian Mang, Greenpeace

Mitten in Europa drohen Klimaschutz und Energiewende am Profitstreben zweier Konzerne zu scheitern. In der deutsch-polnischen Lausitz wollen der schwedische Vattenfall-Konzern und die polnische PGE  in den nächsten Jahrzehnten hunderte Millionen Tonnen Braunkohle abbauen. 3000 Menschen müssten dafür ihre Heimat verlassen, zwanzig Dörfer würden für immer ausradiert. Tausende Menschen wollen deshalb am 23. August mit einer grenzüberschreitenden internationalen Menschenkette gegen weitere Braunkohletagebaue protestieren. Ein Gastbeitrag von Anike Peters, Kampaignerin für Klima & Energie bei Greenpeace Deutschland.

Tagebaue für weitere Jahrzehnte

Die Zeit der Braunkohle ist eigentlich vorbei: Windräder und Sonnenkollektoren machen den schmutzigsten aller Energieträger zunehmend überflüssig. Doch die Betreiber von Kohlekraftwerken wie Vattenfall aus Schweden und PGE aus Polen setzen alles daran, das Ende ihrer schmutzigen Geschäfte hinauszuzögern. Und die Politik hilft ihnen dabei. In der brandenburgischen Lausitz und nahe der polnischen Gemeinde Gubin-Brody planen Regierungen und Unternehmen weitere gigantische Tagebaue aufzureißen. Gelingt ihnen das, werden sich die riesigen Schaufelräder weitere Jahrzehnte durch die Landschaft fressen.

Anike Peters, Kampaignerin Klima & Energie bei Greenpeace Deutschland, Foto: Axel Kirchhof, Greenpeace
Anike Peters, Kampaignerin Klima & Energie bei Greenpeace Deutschland, Foto: Axel Kirchhof, Greenpeace

Kohle: Bedrohung für Umwelt, Mensch und Klima

Dörfer und Wälder, Kindergärten und Kirchen würden rücksichtslos weggebaggert, etwa drei Milliarden weitere Tonnen Kohle aus der Erde gegraben. Ihr Abbau zerstört Natur, verschmutzt Flüsse und Seen und zwingt tausende Menschen, ihre Dörfer zu verlassen. Mehr als 20 Ortschaften würden abgebaggert und rund 6.000 ihrer Bewohner vertrieben werden – der Braunkohletagebau hat in der Lausitz schon heute über 830 Quadratkilometer Land zerstört. Das entspricht etwa der Fläche des Stadtstaates Berlin.

Kohlekraftwerke gehören zu den schlimmsten Quellen von giftigen Luftschadstoffen. Deutsche Kohlekraftwerke sind statistisch gesehen jedes Jahr für den vorzeitigen Tod von ungefähr 3.100 Menschen verantwortlich.

Braunkohle ist der klimaschädlichste aller Energieträger. Für die gleiche Menge Strom produziert ein Kohlekraftwerk etwa drei Mal so viel CO2, wie ein modernes Gaskraftwerk. Und die Erkenntnisse der Klimawissenschaft sind eindeutig: Nur wenn der Großteil der verbleibenden fossilen Energieträger im Boden bleibt, haben wir eine Chance, den immer spürbarer werdenden Klimawandel einzudämmen. Ohne einen Ausstieg aus der Kohle funktioniert kein Klimaschutz!

Energiewende wird ausgebremst

Werden die Tagebaupläne in der Lausitz verwirklicht, werden die Ziele der Energiewende unerreichbar. Denn eigentlich ist ein weitgehender Umstieg auf Erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 beschlossen. Mit der Braunkohle der zusätzlichen Tagebaue würden die Kraftwerke der Region bis weit über das Jahr 2050 hinaus laufen. Dabei machen die sauberen Energien aus Sonne, Wind und Wasser Braunkohle künftig überflüssig. Für neue Tagebaue wie von Vattenfall u.a. mit Welzow-Süd II und Nochten II geplant, besteht keine energiepolitische Notwendigkeit. Dies bestätigt auch ein Gutachten des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung DIW im Auftrag des brandenburgischen Umweltministeriums.

Energieautarkes Dorf soll weggebaggert werden

Es ist schon perfide! Gerade die Orte, die von der Abbaggerung bedroht sind, sind Vorzeigeprojekte der Energiewende. Egal ob es die Solaranlage auf der Feuerwehr in Kerkwitz ist oder die Biogasanlage in Atterwasch, die Energiewende ist für viele Menschen in der Lausitz gelebter Alltag. In Proschim produzieren Solaranlagen, Windräder und Biomasseanlagen weit mehr Energie als in dem 330-Seelen-Dorf verbraucht wird. Proschim ist also energieautark und soll trotzdem für eine rückwärtsgewandte und zerstörende Form der Energieerzeugung aus Braunkohle weichen? Das leuchtet weder den von Abbaggerung und Vertreibung Bedrohten ein – noch uns!

Neue Tagebaue stehen einer demokratischen, sozialen und ökologischen Energiewende sowie einem konsequenten Klimaschutz entgegen. Wir brauchen einen mittelfristigen Ausstieg aus der Braunkohle und den sofortigen Stopp neuer Tagebauprojekte. Der sozialverträgliche Strukturwandel für die Lausitz und alle weiteren Braunkohlereviere muss jetzt beginnen!

23. August: Internationale Anti-Kohle-Kette in der Lausitz!

Den Kohleplänen von Vattenfall und Co muss Einhalt geboten werden! Lokale Bürgerinitiativen und Umweltschutzverbände wie Naturfreunde Deutschland, Campact, die Klimaallianz, der BUND und Greenpeace rufen gemeinsam zur ersten Anti-Kohle-Kette zwischen Deutschland und Polen auf. Am 23. August 2014 werden wir mit tausenden Menschen Hand in Hand die von der Abbaggerung bedrohten Ortschaften Kerkwitz in Deutschland und Grabice in Polen mit einer grenzüberschreitenden, internationalen Menschenkette über die Neiße hinweg miteinander verbinden.

Machen Sie mit!

Anti-Kohle-Kette am 23.8.14, Foto: c Mike Schmidt, Greenpeace
Anti-Kohle-Kette am 23.8.14 in der Lausitz, Foto: Mike Schmidt, Greenpeace

Stellen Sie sich gemeinsam mit uns dagegen, dass tausende von Menschen in der Lausitz ihre Heimat verlieren und dass Millionen von Menschen in aller Welt immer härter vom Klimawandel betroffen sind. Vattenfall und PGE sollten in der Lausitz eher in Erneuerbare Energien investieren, statt auf Kosten von Mensch und Natur Profit aus schmutziger Braunkohle zu ziehen. Alle Infos zur Anti-Kohle-Kette auf http://www.humanchain.org.


LichtBlick unterstützt den Aktionstag der Bürgerinitiative und Verbände und wird am 23. August auch vor Ort sein


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