MEINUNG & POSITION

636.000.000.000 Euro …

Atom und Kohle - seit 1950 mit insgesamt 636 Milliarden Euro gefördert, Foto: PantherMedia
Atom und Kohle – seit 1950 mit insgesamt 636 Milliarden Euro gefördert, Foto: PantherMedia

In diesen Tagen wird viel über die steigenden Kosten für die erneuerbaren Energien in Deutschland gesprochen. Strom aus Wind, Sonne, Biomasse oder Wasser wird gesetzlich gefördert. Die so entstehenden Mehrkosten werden von den Stromkunden über Umlagen – die im Prinzip wie Steuern funktionieren – bezahlt. Der finanzielle Aufwand ist also sehr transparent.

Milliarden-Subventionen für Atom und Kohle

Anders ist es hingegen bei den Subventionen für Atom und Kohle. Aktuelle Studien zeigen, dass diese beiden Energieträger seit 1950 mit insgesamt 636 Milliarden Euro gefördert wurden – umgerechnet also mit rund 15.000 Euro pro Haushalt! Diese Kosten werden jedoch auf keiner Stromrechnung ausgewiesen, sondern kommen über direkte und indirekte staatliche Subventionen, Steuervergünstigungen, Forschungsförderung und andere Effekte zustande.

Das Forum Ökologisch Soziale Marktwirtschaft (FÖS) in Berlin hat in den letzten Monaten zwei Studien zur Atom- und Kohleförderung in Deutschland veröffentlicht.

Mehr Subventionen für Atom als für erneuerbare Energien

Die Atomenergie wurde demnach in Deutschland seit 1950 mit knapp 204 Milliarden Euro direkten und indirekten Subventionen gefördert. Ein Löwenanteil entfällt auf die Forschung (60,5 Milliarden). Die Atomkonzerne profitieren auch davon, dass die Rückstellungen, die sie für den späteren Abriss der Atommeiler bilden, steuerlich begünstigt (68,3 Milliarden Euro). Auch die Kosten für die Endlagerung – etwa die 3,8 Milliarden Euro für die Sanierung der Asse – zahlt fast ausschließlich der Steuerzahler.

Das FÖS kommt zu dem Schluss, dass Atomstrom in Deutschland mit 4,1 Cent pro Kilowattstunde subventioniert wird. Das ist mehr als die Umlage für erneuerbare Energien, die im nächsten Jahr 3,5 Cent beträgt.

Und in Zukunft erwarten die Experten weitere 100 Milliarden Atom-Subventionen. Eine eher konservative Schätzung, denn die längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke sind da noch gar nicht eingerechnet.

Der WDR hat übrigens kürzlich in seiner Sendung „Quarks & Co“ diese Förderungen sehr anschaulich dargestellt. Den Beitrag „Das Märchen vom billigen Atomstrom“ kann man sich derzeit noch online ansehen.

432 Milliarden für den Klimakiller Kohle

Noch höher fällt die Förderung für den Klimakiller Kohle aus. 432 Milliarden Euro sind seit 1950 in diesen Sektor geflossen. Berücksichtigt sind hier neben Absatzhilfen für heimische Steinkohle weitere direkte Finanzhilfen von Bund und Ländern wie die Forschungsförderung für Kraftwerkstechnik und die umstrittenen Abscheidung von CO2 aus Kohlekraftwerken. Hinzu kommen zahlreiche Steuervergünstigungen. Auch hier erwartet das FÖS in Zukunft weitere Förder-Milliarden. Gerade erst hat die Bundesregierung in Brüssel durchgesetzt, dass die deutschen Kohle-Subventionen noch bis 2018 fortgesetzt werden dürfen.

Markteinführung von Atom und Kohle war teurer als die von Wind und Sonne

Besonders aufschlussreich finde ich folgende Feststellung der Finanzexperten: „Würde man die Analysen um eine Förderung der erneuerbaren Energien vervollständigen, könnte gezeigt werden, dass die Förderungen – gerade in der Markteinführungsphase – für Atomenergie und Kohle deutlich höher lagen als in der derzeitigen Markteinführungsphase der erneuerbaren Energien.“

Der Umstieg auf eine klimafreundliche und nachhaltige Stromversorgung auf Basis der erneuerbaren Energien ist also preiswerter, als es der Aufbau der Atom- und Kohleindustrie war und ist. Und ein weiterer Vorteil darf nicht vergessen werden: Die erneuerbaren Energien hinterlassen keine Klimakatastrophe und keinen Atommüll – die langfristen Kosten dieser unkalkulierbaren „Altlasten“ sind in die Berechnungen des FÖS noch gar nicht eingeflossen.


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