MEINUNG & POSITION

25 Jahre Tschernobyl

Die Folgen von Tschernobyl sind auch 30 Jahre danach spürbar, Foto: Carl Montgomery - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3746027
Die Folgen von Tschernobyl sind auch 25 Jahre danach spürbar, Foto: Carl Montgomery – Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3746027

Interview zu „25 Jahre Tschernobyl“ mit Dr. Rainer Grießhammer vom Öko-Institut.

Haben wir von Tschernobyl nichts gelernt?

25 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist in Japan geschehen, wovor Atomkritiker immer gewarnt haben. Haben wir nichts gelernt?

Die Risiken, die gegen die Kernenergie sprechen, sind seit langem bekannt. Und die Umfragen zeigen seit Jahren, dass in Deutschland eine große Mehrheit der Bevölkerung den Ausstieg wünscht. Tschernobyl hatte gezeigt, dass eben doch ein katastrophaler GAU in einem AKW passieren kann.

Und Fukushima hat gezeigt, dass es eben doch selbst in einem Industrieland mit hohen Sicherheitsstandards und in Standardreaktoren zu schweren Unfällen kommen kann. Und dass Ereignisse wie Erdbeben oder Überschwemmungen weit über die Sicherheitsauslegung zwar unwahrscheinlich sind, aber eben doch passieren können. Das sind bittere Lehren.

Energiewende und Klimaschutz funktionieren

Jetzt wird auch immer klarer, dass es neue Wege in der Energiegewinnung geben muss. Aber sind sie auch wirklich gangbar?

Wir haben mit der Energiewende bereits 1980 aufgezeigt, wie eine Energieversorgung „ohne Erdöl und Uran“ funktionieren kann. In aktuellen Studien haben wir gezeigt, dass das auch mit Klimaschutz geht. Die beiden wesentlichen Säulen sind Energieeffizienz zur Reduktion der Energienachfrage und Deckung des verbleibenden Energiebedarfs durch  Erneuerbare Energien. Leider wird die Energieeffizienz zu sehr vernachlässigt, auch im privaten Bereich. Man sollte nicht nur Ökostrom beziehen, sondern auch den Stromverbrauch verringern. Eine Durchschnittshaushalt – das ist statistisch ein Zwei-Personen-Haushalt verbraucht rund 3.600 kWh pro Jahr. Da kann man mit wenigen Maßnahmen  und in kurzer Zeit mindestens 1.000 kWh Strom und auch noch viel Geld sparen.

Ausstieg bis 2020 möglich

Ist ein Ausstieg aus der Kernenergie denn realistisch?

Unsere Studien zeigen: Wir können bis spätestens 2020 aus der Kernenergie in Deutschland aussteigen, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden, ohne Abstriche beim Klimaschutz und mit nur geringen Effekten auf den Strompreis. Unsere jüngste Studie weist außerdem klar nach: Wir müssen dazu keinen Atomstrom aus dem Ausland importieren.

Hintergrundinformationen des Öko-Instituts zum Unfall in Tschernobyl vor 25 Jahren, sowie zu alternativen Wegen der Energienutzung finden Sie auf www.oeko.de


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1 Kommentar

  • Michael Hartmann sagt:

    Da wäre dann aber auch noch das Thema neue Leitungen, am Besten unterirdisch, um den Strom der zig Windkraftanlagen aus Norddeutschland weiter in den Süden zu transportieren. Laut TV ist das auch abseits der Kosten nicht so einfach, weil die Netzbetreiber keinen Zeitdrang sehen. So haben sich schon mehrere private Windkraftbetreiber zusammengetan und selbst Leitungen unterirdisch verlegt.


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