MEINUNG & POSITION

2017 – Rekordjahr für erneuerbare Energien

Gerade haben Union und SPD in der Sondierungsphase verkündet, dass sie nicht an den Klimazielen 2020 festhalten werden. Ja, die Ziele sind sehr wahrscheinlich nicht mehr zu erreichen. Doch ein einfaches Hinnehmen des Scheiterns ist das verkehrte Signal.

Vor allem Windenerige ist für das erfolgreiche Jahr der Erneuerbaren verantwortlich, Foto: WWF International
Vor allem Windenerige ist für das erfolgreiche Jahr der Erneuerbaren verantwortlich, Foto: WWF International

Erneuerbare übertreffen Erwartungen

Vor allem bei dem Ausbau der erneuerbaren Energien hat Deutschland viel erreicht. Noch 2005 gingen Studien davon aus, dass wir im Jahr 2030 einen Erneuerbaren-Anteil an der Bruttostromerzeugung von 26 Prozent haben werden. Die Zahl haben wir bereits 2014 erreicht. Heute liegt der Anteil der Erneuerbaren bei der Stromerzeugung schon bei mehr als 33 Prozent. Die Erneuerbaren zeigen, dass Erfolge möglich sind und Erwartungen sogar übertroffen werden. Die Erzeugung aus Wind und Sonne hatte 2017 nicht nur ein erfolgreiches Jahr, sondern ist auch mit einem besonderen Rekord ins neue Jahr gestartet. Am 1. Januar wurde die Stromversorgung in Deutschland morgens zu rund 90 Prozent aus Erneuerbaren gedeckt. Kritiker werden jetzt wieder sagen: Am Neujahrsmorgen hat kaum ein Mensch Strom verbraucht. Stimmt, aber hätte vor zehn Jahren überhaupt jemand gedacht, dass die Erneuerbaren jetzt schon zu bestimmten Zeiten die Energieversorgung sichern können?

Trotz grüner Energie viel CO2

Fakt ist aber auch, dass die Energiewende bislang hauptsächlich im Stromsektor stattfindet. Im Wärme- und Verkehrssektor hat sich in den vergangenen Jahren kaum etwas getan. Die

Erneuerbare sind stark wie nie - trotzdem sinken die CO2-Emissionen nicht, Foto: PantherMedia
Erneuerbare sind stark wie nie – trotzdem sinken die CO2-Emissionen nicht, Foto: PantherMedia

Emissionen im Privatverkehr sind bis 2015 nur um 2,2 Prozent im Vergleich zu 1990 zurückgegangen. 2016 wurden sogar mehr CO2 und andere Abgase ausgestoßen als 1990. Eine fatale Entwicklung, der, wie auch der Diesel-Skandal zeigte, anscheinend nur mit strengeren Vorgaben und Richtlinien entgegengetreten werden kann. Ähnlich sieht es bei den CO2-Emissionen durch Kohlekraftwerke aus. Die Kraftwerke emittieren jedes Jahr rund 300 Millionen Tonnen CO2 – vier der fünf dreckigsten Kohlekraftwerke Europas stehen in Deutschland. Um die Klimaziele noch einigermaßen einzuhalten, müssten die größten CO2-Verursacher schnellstmöglich vom Netz.

Neue Vorreiter beim Klimaschutz

Statt eines Weiter-so oder, wie es jetzt droht, eines Rückzugs von den Klimazielen müsste die neue Regierung noch stärker den Klimaschutz in den Fokus stellen. Dazu gehören ein durchdachter Ausstieg aus der Kohlekraft, echte Alternativen für Verkehr und Wärme. Denn Deutschland ist längst nicht mehr der Vorreiter in Sachen Energiewende und Klimaschutz. Andere Länder wie Frankreich, Großbritannien, Kalifornien, Norwegen oder die Niederlande machen mit Kohleausstieg und/oder Verboten von Verbrennungsmotoren ernst und setzen neue Maßstäbe.

 


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