MEINUNG & POSITION

100% Erneuerbare sind möglich – und nötig

In Deutschland erzeugen erneuerbare Energien rund 38 Prozent des Strombedarfs – doch nur 17 Prozent des gesamten Energiebedarfs. Bis 2020 soll der Anteil auf 18 Prozent steigen, bis 2030 auf 30 Prozent. Im Jahr 2050 sollen Wind- und Sonnenenergie bereits 60 Prozent aller benötigten Energie – also für Strom, Wärme und Verkehr – erzeugen. Einen Schritt weiter geht nun die Energy Watch Group: Sie sagen, dass bis 2050 die erneuerbaren Energien weltweit zu 100 Prozent die benötigte Energie erzeugen können. Wie soll das möglich sein?

100% Erneuerbare bis 2050 - wie es möglich ist, zeigt Studie der Energy Watch Group, Foto: PantherMedia
100% Erneuerbare bis 2050 – wie es möglich ist, zeigt Studie der Energy Watch Group, Foto: PantherMedia

100% Erneuerbare fürs 1,5 Grad-Ziel

Die Energy Watch Group ist ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Politikern, das unabhängig von Konzernen Studien und Analyse zur zukünftigen Energieentwicklung erstellt. Nun haben sie ihre neueste Studie vorgestellt: „Globales Energiesystem mit 100% Erneuerbaren Energien“. Im Kern sagt die Studie, dass die Energieversorgung komplett durch Wind, Sonne & Co gedeckt werden kann. Dadurch könnten nicht nur die CO2-Emissionen deutlich reduziert werden, sondern auch das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden. Wirklichkeit werden kann dies, indem Sektorenkopplung – also die Verbindung von Strom, Wärme und Verkehr – gefördert wird, private Investitionen attraktiv werden und es Steuervergünstigungen sowie rechtliche Privilegien für Erneuerbare gibt bei gleichzeitiger Einstellung von Subventionen für Kohle und fossile Brennstoffe.

Und was kostet das?

Und was soll das ganze kosten?  Hier ist sich die Energy Watch Group sicher, dass es preiswerter ist, jetzt auf die Erneuerbaren umzusteigen, statt weiter auf die fossilen Brennstoffe zu setzen. Die Energiekosten für ein vollständig nachhaltiges Energiesystem werden laut Studie von 54€/MWh 2015 auf 53 €/MWh 2050 sinken.

Hinzu kommt, dass ein zu 100 Prozent erneuerbares Stromsystem weltweit 35 Millionen Menschen beschäftigen wird – so prognostizieren es die Wissenschaftler. Natürlich werden die rund neun Millionen Arbeitsplätze im weltweiten Kohlebergbau wegfallen. Doch dafür sollen 15 Millionen neue Stellen im Bereich erneuerbare Energien entstehen. So werden wesentlich mehr Plätze geschaffen als abgebaut werden.

Die Zeit drängt

Wir brauchen ein erneuerbares Energiesystem, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, Foto: PantherMedia
Wir brauchen ein erneuerbares Energiesystem, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, Foto: PantherMedia

Warum eine Energieversorgung zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien notwendig ist, zeigen die immer mehr sicht- und spürbaren Auswirkungen des Klimawandels. So ist es nach dem Hitzesommer 2018 immer noch viel zu trocken in vielen Regionen Deutschlands. Studien wie von der Energy Watch Group zeigen, dass eine CO2-freie Energieversorgung machbar ist – auch mit den bestehenden technischen Möglichkeiten. Es muss nur gewollt und umgesetzt werden.

 


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2 Kommentare

  • Michael Hartmann sagt:

    „Es muss nur gewollt und umgesetzt werden.“

    Und da liegt der Knackpunkt. Die Politiker haben keine Ahnung von gar nix und verlassen sich auf ihre Lobbyisten. Und wer da viele von in Berlin sitzen hat, hat das Sagen. Einzige Ausnahme: Knall in Japan oder halb DE redet davon, dass sich etwas ändern soll. Und zur Not tut es das Zauberwort oder der Joker „Arbeitsplatzverlust“. Oben steht zwar was von einer Verlagerung aber sofern kein Lobbyist da ist, der den Politikern das näher bringt, kommt bei denen nix an.

    Wie wäre es mal mit Lobbyisten der Öko-Befürworter, u. a. Lichtblick für Berlin? Vielleicht tut sich dann schon früher etwas als erst, wenn in den Läden für Otto-Normalverbraucher sauberer Sauerstoff als Ware verkauft wird weil es den draußen nur noch verschmutzt gibt.


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Herr Hartmann,

      ich würde das nicht allen Politiker vorwerfen, aber ich kann Ihre Kritik verstehen. Und wir müssen ehrlich sagen: Auch wir haben einen Kollegen in Berlin vor Ort, um unsere politischen Interessen zu vertreten. Allerdings ist unser „Einfluss“ im Vergleich zu den großen Konzernen meist sehr gering. Wobei wir beispielsweise beim Mieterstrom erheblich für Verbesserungen gekämpft haben.

      Neben den Einfluss von Lobbyisten bin ich mir sicher, dass Bewegungen wie #FridaysForFuture einiges bewegen können. Sie brauchen sicher einen langen Atem und Unterstützung, aber ich finde es großartig, wie die Jugendlichen das Thema Klimaschutz wieder auf die Agenda gebracht haben.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


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