LICHTBLICKER

Die zwei Gesichter von Ecuador

Seit mehr als zehn Jahren schützt LichtBlick Regenwaldgebiete in Ecuador. Regelmäßig erhalten wir Berichte von Carlos Zorrilla, unserem Partner von der lokalen Organisation DECOIN. Diesmal geht es um die Wirtschaftsinteressen Ecuadors und dass diese nicht immer mit dem Umweltschutz einhergehen.

Am 10. Oktober 2017 trafen in Berlin Vertreter von Ecuador und Peru auf private Investoren aus Deutschland. Im Idealfall wäre am Ende des Treffens das Interesse der deutschen Geschäftsleute geweckt, in einem der Länder, oder in beiden, zu investieren. Das ist grundsätzlich nicht verwerflich. Doch darf der wirtschaftliche Erfolg nicht zu Lasten von Menschen, Umwelt und Natur gehen.

Das eine Ecuador

Der erste Teil der ecuadorianischen Präsentation fokussierte neben Informationen zur politischen und finanziellen Stabilität des Landes und seiner Wettbewerbsfähigkeit auch auf soziale Fortschritte, wie die Reduzierung von Armut und Ungleichheit sowie Investitionen in die Bildung, und so weiter…. Sogar die Naturschutzstrategien des Landes wurden vorgestellt, etwa das „Socio Bosque“-Programm, das landesweit – zumindest in der Theorie –, 1,5 Millionen Hektar Wald schützt. Die Präsentation beinhaltete auch auf Umweltprogramme, mit deren Hilfe zerstörte Flächen wieder instandgesetzt werden sollen. Der größte Teil des Vortrags bezog sich jedoch auf steuerliche und weitere finanzielle Vorteile für neue Geschäftspartner.

Das andere Ecuador

Rafael Correa kam 2007 an die Macht, indem er sich als Sozialist verkaufte, unablässig gegen den Kapitalismus wetterte und gegen jene neoliberalen Gesetze, die die Rolle des Staates in der Wirtschaft beschnitten hatten und es internationalen Investoren ermöglicht hatten, die natürlichen Ressourcen von Ecuador zu plündern. Er und die Anhänger seiner “Alianza País”-Partei nahmen sich auch vor, die Verfassung zu ändern, um der Natur und dem Volk mehr Rechte zu geben und die Rechte von Großunternehmen zu beschneiden. Ecuador hat tatsächlich die einzige Verfassung weltweit, die der Natur Rechte verleiht. Das brachte viele Menschen weltweit zum Staunen. Doch einige von uns hatten ihre Zweifel.

Correa ist nicht mehr an der Macht und sein Nachfolger zeigt, wie es um den Naturschutz wirklich gestellt ist. Ecuador hat bereits unter Correa den Bergbau drastisch dereguliert und neue Gesetze erlassen, um ausländische Bergbauunternehmen, koste es, was es wolle, anzulocken. Unter anderem zeigte Ecuador auf, wie leicht – und dabei steuerfrei – es ist, im Land Bergbau zu betreiben. Zum Beispiel kann ein Unternehmen, das in “Basis-Industrien” investiert, für zehn Jahre von Steuerzahlungen befreit werden. Zu diesen Industrien gehören auch Bergbau und Erdölindustrie.

Wirtschaftliches Wachstum und Umweltschutz - ist das in Ecuador zu vereinbaren?, Foto: Carlos Zorrilla
Wirtschaftliches Wachstum und Umweltschutz – ist das in Ecuador zu vereinbaren?, Foto: Carlos Zorrilla

Wälder und Artenvielfalt bedroht

Der Bergbau-Vortrag betonte, wie wenige Genehmigungen notwendig sind, um im Land nach Bodenschätzen zu schürfen. Er wies auch darauf hin, dass in den vergangenen 24 Monaten 237 neue Bergbaukonzessionen entstanden sind, und dass weitere 615 noch in Bearbeitung sind. Insgesamt überlappen diese mehr als zwei Millionen Hektar Konzessionsflächen mit Wäldern hoher Artenvielfalt, mit Hunderten von Wassereinzugsgebieten, mit unzähligen Quellen von Trinkwasser. Auch 11 Prozent des „Socio Bosque“-Waldes sowie 39 Schutzwälder (spezielle Schutzgebiete) sind davon betroffen. Hinzu kommt, dass vermutlich mehr als 1000 Gemeinden in den  Bergbaukonzessionen liegen3. Laut Aussagen indianischer Führungspersönlichkeiten und Menschenrechtsaktivisten wurden die Gemeinden hierzu nicht ausreichend konsultiert. Dies wäre ein Verstoß gegen das fundamentale, von der Verfassung zugesicherte Recht, dass Gemeinden vorab ihre Zustimmung erteilen müssen.

Hoffen auf eine nachhaltige Umweltpolitik

Es gibt die tragische Vermutung, dass sich die neue Regierung entschieden hat, die ausbeuterische Politik der Vorgängerregierung Correa weiterzuführen. Falls ja, so hat sie sich entschlossen, einen weitaus nachhaltigeren Weg zur Entwicklung des Landes außer Acht zu lassen – einen Weg, der auf der weisen Nutzung der natürlichen Ressourcen, darunter Wasser und Artenvielfalt, beruht. Die Zukunft wird es zeigen. Wir jedenfalls hoffen, dass jenes Ecuador gewinnt, das auf eine nachhaltige Umweltpolitik und soziale Gerechtigkeit setzt.

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu.


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