LICHTBLICKER

Zu Besuch bei unserem Regenwaldprojekt in Ecuador

Beitrag geschrieben von Sylke Hausmann, Sondervertragskundenbereich LichtBlick

Auf dem Weg ins Intag-Valley

Im Juli dieses Jahres verbrachte ich meinen Urlaub in Ecuador und besuchte dort das Intag-Valley im Norden des Landes, in dem LichtBlick mit „Geo schützt den Regenwald“ ein Schutzgebiet unterstützt. Anfang Juli  machten mein Freund und ich uns auf den Weg von der Hauptstadt Quito über Otavalo nach Apuela, ins Herz des Intag-Valleys. Die Fahrt mit dem Bus von Otavalo war bereits ein echtes Abenteuer. Mal abgesehen vom Zustand des Busses, der aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts zu kommen schien, und der Tatsache, dass sich der Busfahrer erst einmal bekreuzigte bevor er losfuhr, haben wir uns eigentlich sehr geborgen gefühlt.

Die Fahrt ging durch eine atemberaubende Landschaft über Schotterpisten mit Schlaglöchern, die einen immer wieder von der Sitzfläche rissen. Wir fuhren die grünen Berge hinauf und wenn man sich auf die weite Landschaft und nicht auf die hunderte von Metern tiefen Abgründe konzentrierte, konnte man die Fahrt genießen. Schließlich waren wir auf einer Höhe mit den Wolken und wir fuhren mitten hinein in den dichten Nebel. Man sah nichts mehr. Aber wir vertrauten ja auf die Erfahrung des Busfahrers und seine Beziehungen zu höheren Mächten.

„Wir fühlten uns tatsächlich ein bisschen wie in einem Paradies“

Nach ca. vier Stunden erreichten wir dann Apuela, ein kleines Dorf inmitten des Intag-Valleys. Im strömenden Regen liefen wir zu Fuß die Straße zu unserer Unterkunft entlang. Es wurde schon dunkel und es regnete immer noch. Ein älteres Paar in ihrem Pickup hielt an und ließ uns hinten aufspringen. Bei unseren cabanas (kleinen Blockhütten) angekommen, servierte uns die Besitzerin noch ein ecuadorianisches Abendessen aus Hühnchen, Reis und gebratenen Kochbananen. Natürlich mit Vorsuppe. Lecker! Bei Sonnenuntergang blickten wir auf die herumliegenden Berge, die von sattem grünen Wald bedeckt sind, wie man ihn selten zu sehen bekommt. Sogar Thermalquellen gibt es hier. Wir fühlten uns tatsächlich ein bisschen wie in einem Paradies.

Das Halbfinale-Spiel im Regenwald

Am nächsten Tag hatten wir vor, die Präsidentin von DECOIN zu treffen. Was wir allerdings nicht wussten war, dass es so weit in den Bergen keinen Handyempfang gibt, mit der Internetverbindung es nicht weit her ist und bei starkem Regen das Festnetz auch nicht funktioniert. Also blieb uns nichts anderes übrig, als ins 5km entfernte Apuela zu laufen, um in dem Büro von DECOIN ein Treffen zu arrangieren. Auf dem Weg dorthin sind uns bei schönstem Wetter so einige Menschen begegnet, die uns immer freundlich begrüßten, zum Teil sogar mit Handschlag und uns in ein Gespräch verwickelten. („Woher kommt ihr? Oh, Deutschland? Ihr habt eine super Fussballmannschaft!“) Es scheinen dort nicht so viele Touristen herumzulaufen.
Die Pflanzen- und Tierwelt ist atemberaubend. Man sieht Bananenstauden, Orangenbäume und andere exotische Früchte einfach an der Strasse wachsen. Aus dem Intag-Valley kommt auch der berühmte ecuadorianische Kaffee. Pflanzen, die wir in Deutschland nur als kleine Zimmerpflanzen  kennen (Gummibaum, Benjamini), wachsen hier in Baumgröße. Außerdem fliegen Kolibris, Adler und wunderschöne bunte Schmetterlinge durch die Luft. Auf der Straße begegneten uns die Haustiere der Anwohner – Hühner, Schweine, Kühe und natürlich Hunde –  welche direkt an bzw. in den Häusern leben. Im Büro von DECOIN angekommen, lernten wir zwei Mitarbeiter von DECOIN kennen: William und Milton. Da an diesem Tag das Halbfinale Deutschland-Spanien lief und wir in Panik nicht wussten, wo wir an diesem Ende der Welt das Spiel schauen sollten, luden uns die beiden ein, es einfach im Büro mit ihnen zu sehen. Sehr lustig und „traurig“ zugleich.

Zu Besuch bei unserer Partnerorganisation DECOIN

Am nächsten Tag wurden wir von einem Fahrer abgeholt und zum  Haus der Präsidentin von DECOIN, Silvia, gefahren. Dieses liegt noch etwas weiter außerhalb und noch ein paar Höhenmeter höher als unsere cabanas. Von ihrem Haus aus hat man einen umwerfenden Blick auf das Tal. Wir saßen in ihrem offenen Wohnzimmer und unterhielten uns, während ihre Kinder herumschwirrten und spielten. Silvia zeigte uns auf einer Karte wo genau die Region liegt, die durch die Unterstützung der Kunden von LichtBlick angeschafft werden konnte. Diese liegt noch weiter in den höheren Bergregionen, wo die Landwirtschaft die ursprünglichen Wälder noch nicht zerstört hat. Das war schon beeindruckend. Weiterhin erzählte sie von ihrem unermüdlichen Kampf gegen die Minenfirma, welche mit allen Mitteln versucht, dort Kupfer abzubauen und die Wälder somit zu zerstören.

Man kann sich nicht vorstellen, was dieser Kampf gegen mächtige Unternehmen in solch einem Land bedeutet: Bedrohungen der eigenen Person und der Familie, strafrechtliche Verfolgung usw. Wenn man das so hört und diese kleine aber unheimlich starke Person vor sich sieht, kann man nur ganz ganz viel Respekt empfinden.

Besichtigung der Forellenzucht

Schließlich lud Silvia uns ein, am nächsten Tag mit ihr, ihrem Mann und ihrer ältesten Tochter zu der Forellenzucht „San Antonio“ zu fahren. Diese Farm ist auch ein Projekt von DECOIN und wird von LichtBlick unterstützt. Die Forellenfarm ermöglicht es den Menschen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu  wirtschaften.

Am nächsten Morgen ging’s los. Nahmen wir an, dass die Busfahrt ein Abenteuer war, ging es jetzt erst richtig los. Zum Glück fuhr Silvias Mann Pablo einen geländefähigen Jeep, ansonsten hätten wir es durch die riesigen Schlaglöcher und durch die Flüsse nicht geschafft.

Die Farm liegt – wieder einmal –  sehr weit ab in den Bergen und ist umgeben von wunderschöner, unberührter Landschaft. Auf dem Weg dorthin begegneten uns immer wieder Bauern, die in der Gegend Bananen anbauen und/oder Viehzucht betreiben. Die Forellenzucht ist eine wirklich tolle Sache. Das saubere Wasser der Umgebung kann genutzt werden, um die Fische laufend mit frischem Wasser zu versorgen. Leute aus der Region kümmern sich um die Fütterung der Fische und die Instandhaltung der Becken und Zuläufe sowie den Verkauf der Fische. Leider gab es im letzten Jahr eine durch starke Regenfälle verursachte Überschwemmung der Becken, durch die sie den Großteil des Fischbestandes verloren haben. Bei unserem Besuch, hatten sie jedoch einen Großteil des Bestandes bereits wieder nachgezüchtet. Dennoch wären hier weitere Investitionen notwendig, um auf den ursprünglichen Stand der Anlage vor dem Hochwasser zurückzukommen.

Abends zurück in unserer cabana genossen wir den Regen draußen im Hotpool und ließen dieses Paradies noch einmal auf uns wirken.
Es war ein gutes Gefühl zu wissen, dass LichtBlick zumindest ein Stück weit am Erhalt dieser Region beteiligt ist und die Mittel des Unternehmens und unserer Kunden sehr gut investiert sind.


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2 Kommentare


  • Michael Hartmann sagt:

    Klingt ja richtig schön, dass es solche „Märchengegenden“ noch gibt. Nur schade, dass auch da die Geldgierigen am liebsten alles Platt machen würden.

    Haben Sie noch ein paar mehr Fotos?


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