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HidroIntag: Wasserkraft im Regenwald

Neue Wasserkraftprojekte gelten oftmals als nicht-umweltfreundlich, da sie mit großen Staudämmen in sensible Ökosysteme eingreifen. Carlos Zorrilla, unser Partner beim Regenwald-Schutzprojekt, berichtet nun von Wasserkraft-Anlagen, die im Intag entstehen sollen und ökologisch sowie ökonomisch Vorteile bringt. Auch die von LichtBlick geschützten Regenwaldflächen spielen eine Rolle.

Viele Wasserläufe prägen die Landschaft im Regenwald - Wasser soll jetzt als Energie genutzt werden, Foto: Eva Danulat
Viele Wasserläufe prägen die Landschaft im Regenwald – Wasser soll jetzt als Energie genutzt werden, Foto: Eva Danulat

Wasserkraft als Alternative für Bergbau

Regelmäßige Leser meiner Berichte wissen, dass die Intag-Region trotz ihrer enormen Artenvielfalt Schauplatz eines zerstörerischen Bergbauvorhabens ist, das die Gemeinden und Umweltschutzorganisationen seit 1995 erfolgreich blockiert haben. Um diese Bedrohung dauerhaft abzuwenden, müssen wirtschaftliche Alternativen zum Bergbau entwickelt werden, etwa Kaffeevermarktung und gemeindebasierter Ökotourismus. Daneben verfolgt Corporación Toisan den ehrgeizigen Plan, mithilfe von Wasserkraftwerken in der Region Elektrizität zu erzeugen. Dahinter steht das Ziel der lokalen Bevölkerung, die furchtbaren sozialen und ökologischen Auswirkungen von Bergbau zu verhindern.

HidroIntag

HidroIntag ist der Name der Initiative, die saubere Energie mittels der Intag-Flüsse erzeugen möchte. Insgesamt sollen unter der Beteiligung und Führung lokaler Organisationen und Gemeinden am Ende 100 Megawatt Elektrizität produziert werden, ohne dass hierfür Staudämme gebaut werden müssen. Das Projekt wird sowohl durch die Provinz Imbabura als auch die Regionalbehörden in Cotacachi unterstützt. Letztere sind für die 1.500 Quadratkilometer und 15.000 Bewohner der Intag-Region zuständig. Läuft alles nach Plan, werden die zehn geplanten Wasserkraftwerke zusammen 120.000 Haushalte mit sauberer Energie versorgen können, Arbeitsplätze schaffen und für Gemeinden und lokale Regierungen Einkommen generieren.

Warum Wasserkraft?

Es gibt viele Faktoren, die für dieses Vorhaben sprechen. Einer der wichtigsten Punkte ist sicher, dass es zum Ziel hat, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen und die Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten. Das wird in erster Linie durch den Verzicht auf den Bau von Staudämmen erreicht – die größte Umweltsünde bei Wasserkraft-Projekten. Nach mehrjährigen Untersuchungen durch kubanische, ecuadorianische und französische Experten, die etwa das Wasservolumen, die Fließgeschwindigkeit und die damit verbundene Kapazität zur Energieproduktion ermittelten, setzt HidroIntag nun auf ein System, welches das Wasser über Fallleitungen transportiert, die das steile Gefälle des bergigen Geländes nutzen.

Die Kernpunkte – Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung

So soll grüne Energie mit HidroIntag erzeugt werden, Grafik: Carlos Zorrilla
So soll grüne Energie mit HidroIntag erzeugt werden, Grafik: Carlos Zorrilla

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der für dieses Projekt spricht ist, dass es Einkommen für lokale wirtschaftliche Initiativen und soziale Projekte schafft. Außerdem hat das Vorhaben zum Ziel, insgesamt 440 Quadratkilometer Wald und landwirtschaftliche Brachflächen dauerhaft zu schützen; das entspricht der Gesamtfläche der Wassereinzugsgebiete, die das Wasser für die zehn Kraftwerke liefern sollen. Glücklicherweise ist ein beachtlicher Teil der Fläche bereits unter Schutz gestellt: Die Unterstützung durch das LichtBlick-Projekt ermöglichte DECOIN in den vergangenen zwölf Jahren, 41 Gemeinde-Waldschutzgebiete ins Leben zu rufen. Und tatsächlich war für etliche Investoren die Umweltschutzarbeit von DECOIN ausschlaggebend, sich in dem Vorhaben zu engagieren.

Aufgabenverteilung – wer macht was?

Die Gelder werden durch eine rechtmäßige Treuhandgesellschaft verwaltet, bestehend aus den Vertretern von vier Gemeinden, vier im Wassereinzugsgebiet aktiven Organisationen sowie drei Kommunalverwaltungen. Bei Abstimmungen sind alle Mitglieder gleichberechtigt: Je Mitglied eine Stimme. In den Wassereinzugsgebieten ist jeweils eine eigene Ratsversammlung für die Planung von Bauarbeiten und Umweltschutz zuständig. Diese Räte werden sich aus Vertretern des jeweiligen Gemeinde-Wasserrats und Repräsentanten der zuständigen Behörden auf Bezirksebene zusammensetzen.
Das Vorhaben befindet sich jetzt im finalen Prozess zur Finanzierung der ersten drei Anlagen, die nach Fertigstellung 14 Megawatt Leistung erbringen sollen. Die Bauarbeiten des ersten Wasserkraftwerks, „Hidronangulví“, sollen 2018 beginnen. In der Zwischenzeit treibt HidroIntag den Plan voran, rund 100 Intag-Bewohner technisch aus- und weiterzubilden. Denn während und nach dem Bau der Anlagen werden zum Beispiel Elektriker benötigt, Motorrad- Mechaniker sowie Menschen, die den Umgang mit GPS und Programmen zur Flächenplanung beherrschen.

 

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu.


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