LICHTBLICKER

Unvergesslicher Projektbesuch im Regenwald

Seit mehr als zehn Jahren stellt LichtBlick Regenwald-Gebiete in Ecuador unter Schutz. Regelmäßig berichtet Carlos Zorrilla, unser Ansprechpartner der Organisation DECOIN aus dem Regenwald. Doch diesen Monat berichtet Eva Danulat von „GEO schützt den Regenwald e.V.“ von ihrem Projektbesuch und einem unvergesslichen Ausflug auf über 3.600 Meter über dem Meeresspiegel.

Mit dem Pferd ging es auf rund 3.600 Meter - in den Páramo, Foto: Eva Danulat
Mit dem Pferd ging es auf rund 3.600 Meter – in den Páramo, Foto: Eva Danulat

Ausflug durch den Páramo

Wäre alles wie immer, würde mich von Otavalo aus ein überfüllter Bus in das Intag-Tal bringen. DECOIN-Mitarbeiter Milton Arcos schlägt mir allerdings eine alternative Route vor, denn in diesem Jahr möchte er mir endlich den „Páramo“ zeigen. Der Páramo ist eine Vegetationsform in den Hoch-Anden und liegt jenseits der Baumgrenze; sein Erhalt ist ähnlich stark gefährdet wie der des Bergnebelwaldes. Obwohl ich nicht weiß, ob ich höhenkrank werde, willige ich ein. Der Plan: Von der Andengemeinde Piñán aus gut 30 Kilometer zu Pferd und zu Fuß durch den Páramo und das Waldschutzgebiet von Cuellaje bis nach El Rosario, Intag!

Den Regenwald zu Füßen

Auf 3.100 Meter über dem Meeresspiegel, vor unserer Herberge in Piñán, besteigen am nächsten Morgen Milton, unser Guide Ivan und ich die Pferde. Auf unsichtbaren Pfaden, zwei Hufe breit, bewegen wir uns im Schritttempo immer weiter hinauf in die Berge, lassen den Morgennebel hinter uns. Nach zwei Stunden haben wir 3.600 Meter erreicht, den höchsten Punkt unseres Trecks. Zum Glück bereitet mir die dünne Höhenluft keine Probleme. Ich genieße die Berge aus der Vogelperspektive. Was für ein Privileg hier zu sein! In der Landschaft um uns herum hat der Mensch noch keine Spuren hinterlassen. In einem Hochtal leuchten zwei Lagunen. Soweit das Auge reicht, sind die Hänge und Täler ansonsten mit riesenhaften Horstgräsern bedeckt. Im Wechselspiel von Wolken und Licht erscheint die karge Páramo-Vegetation, mal strohgelb, mal blassgrün und fast unwirklich. Nur in Spalten oder Mulden zeigt sich Dunkelgrün; ein spezielles Mikroklima ermöglicht Büschen oder baumartigen Gewächsen dort das Überleben. Beim genauen Hinschauen entdecke ich auch zahlreiche Moosarten und die kleinen Farbtupfer von Blüten zwischen den Grashalmen. Die Artenvielfalt ist größer als es auf den ersten Blick schein. Der Brillenbär, der zwischen Páramo und angrenzendem Wald hin und her streift, zählt ebenso zur Fauna wie der Condor.

Auch jenseits der Baumgrenze gibt es eine atemberaubende Natur-Vielfalt, Foto: Eva Danulat
Auch jenseits der Baumgrenze gibt es eine atemberaubende Natur-Vielfalt, Foto: Eva Danulat

Von der Stille zurück ins Regenwald-Gewusel

Wie ein Schwamm speichert der Páramo die Niederschläge und gibt sie in Trockenphasen wieder ab. Für die Trinkwasserversorgung in den Tälern ist er genauso wichtig wie der Nebelwald, sagt Milton, auch wenn seine ökologische Bedeutung viel weniger bekannt ist. Langsam schlängeln wir uns bergab, Richtung Baumgrenze. Der Wechsel von der Graslandschaft zum Bergwald erfolgt nicht allmählich, sondern auf einen Schlag: Innerhalb weniger Meter sind wir von der ungeheuren Artenvielfalt des Nebelwaldes umgeben. Wir haben das Waldschutzgebiet Cuellaje erreicht, das in den vergangenen zwölf Jahren dank des LichtBlick-Projekts entstanden ist. Vögel zwitschern in den Bäumen, unzählige Insekten schwirren durch die Luft. Der frische, makellose Abdruck seiner Tatze im Lehmboden erinnert mich daran, dass hier auch der Puma zuhause ist. Uns trennen noch 1.000 Höhenmeter und rund 15 Kilometer vom Ziel. Vor uns ein schier endloser, angsteinflößender Steilhang: Der von den ausgiebigen Regenfällen der vergangenen Tage aufgeweichte Boden ist von Wurzeln und Löchern übersät und extrem rutschig. Den Stock fest im Griff, setze ich einen Fuß vor den anderen, den Blick immer auf den Boden gerichtet. Selbst ein verstauchtes Fußgelenk könnte uns hier große Probleme bringen.

Schnell sind wir vom stillen Páramo im wuseligen Regenwald, Foto: Eva Danulat
Schnell sind wir vom stillen Páramo im wuseligen Regenwald, Foto: Eva Danulat

Wiederaufforstung mit großem Erfolg

Doch alles geht gut, und nach einigen Stunden erreichen wir das Gebiet, wo „GEO schützt den Regenwald“ und DECOIN begonnen haben, eine Lücke im Schutzwalds aufzuforsten. Die üppigen Niederschläge haben den Pflanzungen gutgetan. Seit meinem Vorjahresbesuch sind besonders die Drachenblutbäume stark gewachsen; teils mannshoch, überragen sie das Gras der früheren Weide. Nach einer kurzen Picknickpause reiten wir weiter, talwärts am Wald entlang. Immer wieder queren Bachläufe unseren Weg, und alle führen viel mehr Wasser als sonst, Ende Juni. Die Spannung steigt, wir wissen, dass wir noch eine letzte Hürde überwinden müssen: den Fluss Cristopamba, nach dem das Wassereinzugsgebiet benannt ist. Die „Weihnachtsspende 2016“ von LichtBlick finanziert dort den Bau einer Hängebrücke, die eigentlich bereits fertig sein sollte – wenn es nur so wäre! Wegen des Regens und des Zustands der Wege war es allerdings bisher nicht möglich, auch nur die Baumaterialien zum Fluss zu transportieren. Beim Anblick der Wassermassen, die selbst die Felsen in der Flussmitte überspülen, scheuen die Pferde. Erst nach einigen Versuchen kann ich mein Pferd dazu bringen, sich einen Weg über die glitschigen Steine im Flussbett zu suchen. Irgendwann sind auch die letzten Kilometer geschafft! Neun spannende Stunden nachdem wir aufgebrochen sind, kommen wir heil in El Rosario an. Dieser Tag, an dem ich den Páramo kennenlernen und den Regenwald durchqueren durfte, wird mir ewig in Erinnerung bleiben.

 

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu.


Zurück zur Übersicht »

Artikel kommentieren


Ich habe die Datenschutzhinweise von LichtBlick, insbesondere die Hinweise zur Kommentarfunktion und dem dort erläuterten Zweck der Datenverarbeitung gelesen und bin damit einverstanden, dass meine Daten zu diesem Zweck gemäß der Datenschutzerklärung verarbeitet werden. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Bei Fragen zum Datenschutz wenden Sie sich bitte an datenschutz@lichtblick.de.