LICHTBLICKER

Unterstützung aus Deutschland im Regenwald

Seit mehr als zehn Jahren schützen wir von LichtBlick gemeinsam mit unseren Kunden Regenwald-Gebiete in Ecuador. Regelmäßig erhalten wir Berichte von Carlos Zorrilla, der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN. Diesmal berichtet er über tatkräftige Unterstützung aus Deutschland.

Student Frederick bei der morgendlichen Besprechung mit Carlos - vor der Kulisse im Regenwald, Foto: Carlos Zorrilla
Student Frederik bei der morgendlichen Besprechung mit Carlos – vor der Kulisse im Regenwald, Foto: Carlos Zorrilla

Studentische Hilfe im Intag

An einem Sonntagmorgen – der einzige Wochentag, an dem das Büro von DECOIN in Apuela geöffnet hat – kommt ein blonder junger Mann auf mich zu, schüttelt meine Hand und stellt sich in ziemlich gutem Spanisch vor: “Hola, soy Frederik”. Monate zuvor hatte ich von Frederiks Wunsch gehört, sein Auslandspraktikum bei DECOIN zu absolvieren, und dann auch von seiner bevorstehenden Ankunft. Da jedoch sehr viele Dinge in Intag gleichzeitig passieren, hatte ich dies abgelegt in dem „nachher-darum-kümmern-Ordner“. Es war mir eine große Freude tatsächlich die Bekanntschaft von Frederik Buchholz zu machen.

Eva Danulat von GEO schützt den Regenwald hatte uns von “einem jungen Mann” berichtet, den nicht nur interessierte wie wir arbeiten, sondern der sich in “konkreter Naturschutzarbeit engagieren” wollte. Frederik fand an jenem Sonntag nur deshalb den Weg zu unserem Büro, weil er auf einem Vortrag von Eva im Rahmen eines Kurs an seiner Heimat-Universität über das Kooperationsprojekt erfahren hatte, in dem GEO und LichtBlick mit DECOIN zusammenarbeiten.

Vom Abstrakten zum schockierend Realen

Frederik ist 25 Jahre alt und hat sein Studium an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde fast abgeschlossen. Wie der Name der Hochschule vermuten lässt, vermitteln die Kurse Wissen zum Thema Bewahrung der biologischen Vielfalt.  Das ist auch der Hauptfokus der Arbeit von DECOIN. Frederik hatte vorab etliche Texte über Artenvielfalt gelesen. Doch einer der denkwürdigsten Momente während seines Intag-Aufenthalts war der, als er zum ersten Mal einen intakten Primär-Bergnebelwald betrat: „Erst als ich die überbordende Natur des Waldes hautnah erlebt habe, habe ich begonnen zu verstehen, was Artenvielfalt wirklich bedeutet”.

Beim Wandern die Schönheit des Waldes zu genießen ist wunderbar, doch Frederik hatte mehr Beweggründe nach Intag zu kommen. DECOIN ist mit vielen Themen beschäftigt. Zum Beispiel damit, eine Karte sämtlicher Schutzgebiete zu erstellen, deren Entstehung wir vorangetrieben haben. Und diesbezüglich hatten wir auf Frederiks Unterstützung gehofft. Doch manchmal passen die Fähigkeiten einfach nicht exakt zu den Bedürfnissen: Er ist nicht vertraut mit der Software, die in Ecuador für die Kartenerstellung benutzt wird. Stattdessen hat Frederik am Ende unserem Waldvermesser Armando geholfen, die Daten der letzten, noch nicht per GPS vermessenen Flächen aufzunehmen. Wichtiger aber ist, dass er Schwächen auf anderen unserer Arbeitsgebiete entdeckt hat – und gleich damit begonnen hat, diese zu beheben.

“Ich möchte einen Beitrag leisten, mich nützlich fühlen”

Milton berichtet Frederik alles zum Thema Wiederaufforstung im Regenwald, Foto: Carlos Zorrilla
Milton berichtet Frederik alles zum Thema Wiederaufforstung im Regenwald, Foto: Carlos Zorrilla

Wir kaufen nicht nur Waldgebiete für Gemeinden, sondern wir besuchen auch Schulen, um dort Kindern und Jugendlichen die Grundlagen des Naturschutzes zu vermitteln. Wir sind davon überzeugt, dass Naturschutzarbeit ohne engagierte Bildungsarbeit keinen Erfolg haben kann, verschwendetes Geld ist. Also hat Frederik mit unseren beiden “Umweltlehrern” geholfen, die Lehrinhalte für die Kinder zu verbessern und auch neue Unterrichtsmaterialien zu entwickeln. Außerdem erarbeitet Frederik gerade Wege, die Gemeinden sensibler für Naturschutzangelegenheiten zu machen. Seine Initiative und seine Engagement bezeugen, dass er es ernst meint, wenn er sagt, dass Praktikanten nicht nur neue Erfahrungen sammeln, sondern auch etwas von Wert hinterlassen sollten.

Der Schock des Extraktivismus

Während des Interviews frage ich Frederik, was ihn bei seinem Intag-Aufenthalt am meisten beeindruckt hat. Auf der Stelle antwortet er: „Wie schwer es ist, den Extraktivismus zu bekämpfen!“ Dieses Thema ist uns sehr vertraut, schließlich haben wir in den vergangenen 23 Jahren aktiv Widerstand gegen ein großes Kupferbergbauprojekt geleistet. Bei meiner Frage nach einer speziellen Begebenheit, erzählt er von einem Workshop, an dem er in Quito als Vertreter von DECOIN teilgenommen hat. Dort nahm auch ein Kolumbianer vom Volk der Awá teil. Während des Treffens sollte jeder etwas dazu sagen, wie der Extraktivismus sein Leben oder seine Kultur beeinflusst hatte. Frederik wird nie vergessen, was der junge Mann sagte: “Der Extraktivismus zerstört unsere Identität”. Wirklich zu verstehen, was Artenvielfalt bedeutet und die Lehrstunde mit dem Kolumbianer sind zwei starke Erfahrungen, die man wohl nur in Ländern wie Ecuador machen kann.

Sinnvolle Freiwilligenarbeit

Freiwilligenarbeit, wenn sie gut organisiert wird, kann eine starke Kraft sein, die unsere Welt ein bisschen besser macht. Die goldene Regel, damit es funktioniert: Die Arbeit muss gleichermaßen dem ehrenamtlichen Unterstützer und der Organisation nützen. In vielen Fällen profitiert allerdings der Freiwillige deutlich mehr von seiner/ihrer Erfahrung – davon, eine neue Sprache zu lernen, in eine völlig andere Kultur einzutauchen, neue Techniken zu lernen und Kenntnisse auf dem Studiengebiet zu vertiefen… Im Fall von Frederik, der Intag nach sechs Monaten Aufenthalt verlassen wird, glauben wir, dass beide Seiten gleichermaßen profitieren, und hoffen künftig weitere ehrenamtliche Unterstützer begrüßen zu können, die genauso engagiert und integer sind wie er. Wir werden ihn vermissen!

Extraktivismus bedeutet übrigens, dass die Rohstoffe eines Landes ausgebeutet und exportiert werden. Überwiegend passiert dies in Entwicklungsländern.

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Mehr zum LichtBlick Regenwald-Projekt finden Sie auf unserer Webseite.

 


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1 Kommentar

  • Gregor sagt:

    Mit solch tollen Beiträgen wird für die Freiwilligenarbeit motiviert. Danke.

    Ich lade euch herzlich ein, mittels Gratis-Profil auf der neuen Sozialen Plattform der Freiwilligenarbeit den Verein und Eure Aktivitäten vorzustellen.
    Freundschaftliche Grüsse
    Gregor Speck, Initator von http://www.qudos.club


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