LICHTBLICKER

Unser Regenwaldprojekt: Vermessung von Waldflächen

Landvermessung ist im Regenwald nicht ganz einfach, Foto: Geo
Landvermessung ist im Regenwald nicht ganz einfach, Foto: Geo

Das ganze Jahr über bemüht sich die ecuadorianische Organisation DECOIN im Rahmen unseres Regenwaldprojekts darum zum Verkauf stehende Waldflächen zu identifizieren, diese zu verhandeln und zu vermessen und nach Erwerb schließlich beim staatlichen Sekretariat für Landbesitz beglaubigen und eintragen zu lassen. Wie dabei ganz konkret die Arbeit von DECOIN-Mitarbeiter Armando Almeida aussieht, davon handelt dieser Bericht:

„Ein außergewöhnlicher Wald mit spektakulären Wasserfällen“

Senor Vásquez ist am Verkauf einer Waldfläche interessiert, die demnächst das (noch) kleine Schutzgebiet der Intag-Gemeinde Peñaherrera erweitern könnte. Der Gemeindevorstand ist hocherfreut über diese Aussicht, zumal die offerierten Flächen zum letzten zusammenhängenden Wald im Gemeindegebiet gehören. Der Schutz der Waldflächen würde auch für künftige Generationen von Gemeindemitgliedern den Zugang zu Trinkwasser in guter Qualität und ausreichender Menge sichern. Da das Gebiet an das ökologische Schutzgebiet Cotacachi-Cayapas grenzt, sind in diesem Fall zusätzliche gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Mehrere Wochen war Armando mit dem GPS-Gerät im Waldgebiet unterwegs, um unzählige Daten aufzunehmen und um  so das Gebiet im Anschluss kartieren zu können. „Ein außergewöhnlicher, großartiger Wald mit spektakulären Wasserfällen“ so beschreibt Armando das Areal, von dem DECOIN hofft, es mit Unterstützung von LichtBlick für die Gemeinde erwerben zu können.

Zugewachsene Flussufer und dichter Primärwald

Schutzgebiet in der Intag-Gemeinde Peñaherrera
Schutzgebiet in der Intag-Gemeinde Peñaherrera

Die Aufnahme der GPS-Daten war mühsam und langwierig, vor allem da ein großer Teil des Geländes nur schwer begehbar ist. Für die Vermesser ging es entlang zugewachsener Flussufer und durch dichten Primärwald die Hänge hinauf. Oft stand Armando schon um halb vier morgens auf, um mit seinem Geländemotorrad auf befahrbaren Wegen und Pfaden so weit wie möglich in das Gebiet vorzudringen. Da er den Wald vor Einbruch der Dunkelheit verlassen musste, konnte er meist nur für drei oder vier Stunden Messdaten aufnehmen bis es Zeit war, zurückzukehren. Oft wurden er und sein Kompagnon Gustavo Piedra bei den Messarbeiten bis auf die Knochen nass; nicht selten verbrachten sie dann den ganzen Tag in nassen Stiefeln. “Das ist unvermeidbar bei dieser Art Arbeit“ sagt dazu Armando, der die Arbeit in der Natur über alles liebt und seinen Job gegen keinen anderen tauschen würde. „An einem Punkt war es besonders knifflig, Daten aufzunehmen: Als wir an einen großen Wasserfall kamen, mussten wir uns mithilfe von Lianen glitschige Felsen entlang hangeln.“

Hunde verschwinden spurlos

Häufig begleiteten zwei Hunde die Vermesser. Einmal liefen sie bis zum Fuß eines Wasserfalls vor, wo sie wohl irgendeine interessante Spur entdeckten und schließlich spurlos verschwanden. Irgendwann mussten Armando und sein Kollege die Suche nach ihnen aufgeben und kehrten deprimiert ohne die Tiere nach Hause zurück. Umso größer war ihre Überraschung und Erleichterung, als mitten in der Nacht beide Hunde am Haus auftauchten – sie hatten den Heimweg ganz alleine gefunden! Zu den unvergesslichen Entdeckungen im Verlauf der Messarbeiten zählen für Armando auch die so genannten Goldstrohfelder im oberen Teil des Waldgebiets. Goldstroh ähnelt Zuckerrohr. „Es ist wunderschön, aber besonders schwierig zu durchqueren, denn die Blattränder sind scharf wie Rasierklingen. Nach Vermessen dieses Areals waren meine Arme blutig von den feinen Schnitten der Blätter“ berichtet Armando.

Plötzlich aufziehende Nebel

Nicht selten zieht in den Bergen urplötzlich Nebel auf. Dann ist es besser, sich nicht dort oben aufzuhalten, denn man kann leicht verunglücken und kommt nur extrem langsam voran. Ein Mal als der Nebel  Armando überrascht hatte, überwog allerdings seine Freude: Er entdeckte tatsächlich die Höhle eines Brillenbärs! Nachdem endlich die Feldarbeit abgeschlossen war, übertrug Armando mit Unterstützung eines Experten die GPS-Daten auf eine Karte. Im Anschluss wurde die gesamte Kartierung im Umweltministerium geprüft, um jegliche Überlappung der zum Verkauf angebotenen Waldfläche mit der des Schutzgebiets Cotacachi-Cayapas auszuschließen. Eine spezielle Auflage bei diesem Landverkauf: Der unmittelbar an das Naturschutzgebiet liegende Waldstreifen von 50 Meter Breite ist unverkäuflich; keine gute Neuigkeit für Sr. Vásquez. Trotzdem hoffen Armando und die übrigen DECOIN-Teammitglieder, dass die Kaufverhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss kommen werden – weil dieser letzte große unberührte Wald der Gemeinde so einzigartig und so besonders schützenswert ist.

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Die Berichte veröffentlichen wir regelmäßig hier auf unserer Internetseite. Die Berichte werden meistens von der Co-Autorin der regionalen Intag-Zeitung Mary Ellen Fieweger, die in der Region lebt, verfasst. So auch der aktuelle Bericht, den sie uns vor einigen Tagen zu gesendet hat.


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