LICHTBLICKER

Unser neuer Kunde: Das St. Pauli Museum

Eva Decker vor dem St.Pauli Museum, Foto: LichtBlick
Eva Decker vor dem St.Pauli Museum, Foto: LichtBlick

Seit Oktober 2011 beliefern wir das St. Pauli Museum mit Ökostrom. Diese Neuigkeit habe ich zum Anlass genommen ein Interview mit Eva Decker, angehende Historikerin und Wissenschaftliche Leiterin des St. Pauli Museums zu führen. Dabei habe ich erfahren, dass sich auf dem Gelände der LichtBlick-Zentrale früher Elefanten, Löwen und Akrobaten des Zirkus Busch und Renz tummelten. Daran erinnert heute nur noch unsere Adresse, denn wir sitzen ja im Zirkusweg 6.

Ein Nebeneinander verschiedener Welten

Frau Decker, was ist für Sie das Besondere am Stadtteil St. Pauli?

In St.Pauli gibt es, wie in kaum einen anderen Stadtteil, ein Nebeneinander völlig verschiedener Welten. Hier die Disco, daneben ein Theater, gegenüber ein Puff, dazwischen Bürogebäude. Darüber hinaus befindet sich der Stadtteil in einem ständigen Wandel. So wurde aus einer Bowlingbahn, das Bürogebäude „tanzende Türme“ oder aus einem renommierten Großvariete ein Pennymarkt. Auch der Ruf von St. Pauli hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv geändert. In den achtziger Jahren, als hier die sogenannten „Ludenkriege“ stattfanden, galt St. Pauli als sehr gefährlich, heute ist es salonfähig und hipp. Heute haben sich sogar große Unternehmen wie LichtBlick hier etabliert.

Seit wann gibt es das St. Pauli Museum?

Das St. Pauli Museum wurde vor 25 Jahren von Günther Zint gegründet. Günther Zint hatte als Fotograf eine Reportage über den Stadtteil gemacht. So begann er Informationen und Geschichten über St.Pauli zu sammeln. Daraus entstand dann bald ein Archiv und im Anschluss dann das Museum. Oktober letzten Jahres haben wir dann das Gebäude in der Davidstraße bezogen. Hier haben wir endlich Platz für eine ständige und parallel temporäre Ausstellungen.

Sammeln von Geschichten

Was ist Ihre Aufgabe im St.Pauli Museum?

Ich bin angehende Historikerin und bin damit beschäftigt das Material zu dokumentieren, Geschichten aus dem Viertel zu sammeln, das Archiv zu betreuen und ansonsten das offene Museum mit zu gestalten und einen wichtigen Teil der Hamburger Geschichte für Besucher zugänglich zu machen.

Was stellen Sie derzeit im Museum aus?

Unsere ständige Ausstellung zeigt einen historischen Abriss vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Denn die Geschichte von St. Pauli reicht sehr weit zurück. Unsere neue temporäre Ausstellung, die in diesen Tagen gestartet ist, heißt „Rotlicht in St. Pauli“. Die Ausstellung beinhaltet Interviews, die wir mit Prostituierten geführt haben und beleuchtet ihre Arbeitswelt. Außerdem geht es in der Ausstellung um rechtliche Fragen, wie zum Beispiel das Thema Prostitutionsgesetz.

Wer sind die Besucher des Museums?

Die Besucher gibt es nicht, denn das geht Querbeet. Aber besonders viele Touristen finden den Weg zu uns und alte St. Paulianer, die sich sehr darüber freuen, dass ihre Geschichte im St. Pauli Museum erzählt wird.

LichtBlick-Strom fürs St. Pauli Museum

Das St. Pauli Museum wird seit Oktober 2011 mit LichtBlick-Strom versorgt. Wie kam es dazu?

Wir sind als St. Pauli Museum natürlich sehr auf unser Stadtviertel bezogen, also haben wir uns beim Thema Energie auch zuerst in St. Pauli umgesehen. Das die LichtBlick-Zentrale nur einige Straßen von uns entfernt ist, fanden wir sehr sympathisch. Außerdem ist unser Gründer ein bekennender Atomkraftgegner. Das uns LichtBlick 100 Prozent Ökostrom liefert, kam ihm da sehr entgegen.

Welche Ausstellung wird es im St. Pauli Museum nie geben?

Das ist eine schwierige Frage. Wir werden jedenfalls nie etwas machen, was nicht den Anspruch hat objektiv zu sein. Es ist uns wichtig, dass der Besucher sich selbst ein Bild macht. Wir sammeln Geschichten. Der Claim des Museums ist ja auch „Aus Geschichten wird Geschichte“. Also sammeln, dokumentieren und sortieren wir und möchten dem Besucher dann die Chance geben seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.

Ein Buffet an Themen

Seit wann arbeiten Sie im St. Pauli Museum? Und warum arbeiten Sie hier? Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders viel Spaß?

Ich arbeite seit November 2009 hier. Davor habe ich Geschichte in Hamburg studiert und mich ehrenamtlich bei dem Projekt Stolpersteine in Hamburg engagiert. Die Stolpersteine sind kleine Gedenksteine, die bundesweit an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gedenken sollen. Durch Zufall habe ich dann einen Fernsehbericht über die Arbeit meiner Vorgängerin, der Tochter von Günther Zint, gesehen. Und war gleich angefixt. ich fand und finde täglich, dass St. Pauli ein unglaubliches Buffet an Themen bereithält. Da wird einem einfach nicht langweilig. Hier finden sich spannende Persönlichkeiten, Epochen, Mikrokosmen oder Unternehmen über die wir alle in Zukunft noch berichten können.


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1 Kommentar

  • Stefan sagt:

    Guten Abend Frau Königstein, vielen Dank für diesen Artikel. Für mich eine Erinnerung an einen der Orte in Hamburg, den ich immer schon mal besucht haben wollte. Viele Grüße, Stefan


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