LICHTBLICKER

Stoppt den RWE-Eon-Deal

Wenn sich zwei Unternehmen zusammenschließen, kann das viele Vorteile für den Kunden bringen: Die gemeinsame Entwicklung von Produkten und Innovationen, besserer Service und vielleicht auch Preisvorteile. Doch solche Übernahmen können auch nachteilig sein. Vor allem wenn die Konzerne anschließend so groß sind, dass sie eine Vormachtstellung auf dem Markt haben. Einer solcher Deal bahnt sich gerade bei den jetzt bereits großen Energie-Konzernen RWE und Eon an.

Die Eon und Innogy-Fusion bringt einen neuen Strom-Monopolisten zutage, Grafik: LichtBlick
Die Eon und Innogy-Fusion bringt einen neuen Strom-Monopolisten zutage, Grafik: LichtBlick

Worum geht es in dem RWE-Eon-Deal

Im März vergangenen Jahres gaben die Energie-Konzerne RWE und Eon bekannt, dass sie eine Neuordnung des Energiemarkt planen. Konkret bedeutet das: RWE konzentriert sich auf die Energieerzeugung und den -handel. Eon übernimmt das Kundengeschäft und den Netzbetrieb. RWE wird zudem künftig zu einem Sechstel an Eon beteiligt sein.

Was bedeutet das für den Verbraucher?

Was genau durch den RWE-Eon-Deal auf die Strom- und Gaskunden in Deutschland zukommt, lässt sich momentan noch nicht zu 100 Prozent sagen. Verbraucherschützer meinten kurz nach Bekanntgabe der Übernahmen, dass damit vielleicht sinkende Strompreise einhergehen könnten. Wir von LichtBlick haben mögliche Folgen des Deals genauer angeschaut.

  • Strom-Monopol

Wir müssen beim Strommarkt nicht nur Gesamt-Deutschland betrachten, sondern die lokalen Märkte – also welche Stromtarife gibt es in Hamburg, in Dresden, Gelsenkirchen oder Stuttgart. Nach der Übernahme der Kunden und Netze der RWE-Tochter Innogy wird die neue Eon auf zwei Drittel der Fläche Deutschlands zum größten Stromanbieter. In diesen Regionen liegt der Marktanteil des Megakonzerns dann bei über 70 Prozent der Kunden.  Das ist eine klare Monopol-Stellung und geht entgegen der Idee der Strommarktliberalisierung von vor 20 Jahren.

Mit dem Deal wird Eon zudem 16 Millionen Stromkunden haben und mit rund 160 Strom-Marken und 840 Tarifen auf dem deutschen Markt präsent sein.

  • Stromerzeuger RWE

So wie Eon eine Monopol-Stellung bei den Strom-Tarifen einnehmen kann, so steigt die Macht von RWE bei der Energieerzeugung. Mit der Übernahme der Eon-Kraftwerke könnte der Konzern zukünftig die Strompreise diktieren.

  • Einfluss bei der Strom-Anbietersuche

Wie haben Sie Ihren aktuellen Stromanbieter gefunden? Vielleicht über eines der Vergleichs-Portale, wie Verivox oder Check24? Das nutzen zumindest rund 60 Prozent Kunden, die auf der Suche nach einem neuen Stromanbieter sind – und hier ergibt sich der nächste Wettbewerbsvorteil für Eon. Da die Stromanbieter-Auswahl wie vorhin beschrieben lokal begrenzt ist und Eon an rund 300 lokalen Unternehmen beteiligt ist, wird das Unternehmen – in welcher Form auch immer – in vielen Regionen Deutschlands bei den Suchergebnissen stets sehr weit oben angezeigt werden. Eine echte Wahl-Freitheit sieht anders aus.

  • Platzhirsch bei Zukunftsmärkten

Die intelligenten Smart Meter werden ab diesem Jahr bei den ersten Kunden installiert. Mit den neuen Zählern verfügen die Betreiber über viele hilfreiche und eventuell gewinnbringende Daten ihrer Kunden. Eon wird nach dem Deal rund 20 Millionen Zähler kontrollieren, das sind rund 40 Prozent aller Zähler in Deutschland. Mit seiner Vormachtstellung sichert sich Eon auch den Zugang zu Smart Meter und dem Zugriff auf die Kundendaten. Der Konzern könnte nach unserer Analyse somit ein Google oder Amazon der Energiebranche werden.

RWE-Eon-Deal unterbinden

Unsere Analysen zeigen, dass sich mit dem Deal neue Monopole in einem eigentlich liberalisierten Markt entwickeln könnten – mit massiven Nachteilen für kleinere Energiekonzerne und unabhängige Anbieter wie LichtBlick, aber auch für Verbraucher, auf die eventuell steigende Energiekosten zukommen.

Wir von LichtBlick fordern daher, dass die EU-Kommission und das Bundeskartellamt den RWE-Eon-Deal unterbinden – im Sinne des fairen Wettbewerbs und der Verbraucher.

 


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7 Kommentare

  • DieterHein sagt:

    Kundenportal Neuanlage erbeten


    • Anke Blacha sagt:

      Hallo Herr Hein,

      könnten Sie uns bitte etwas genauer sagen, was Sie möchten? Geht es um das LichtBlick-Kundenportal „Mein LichtBlick“?

      Danke und viele Grüße
      Anke Blacha


  • Michael sagt:

    Hallo Frau Blacha,

    dass die Vergleichsportale (nicht nur für Strom) käuflich sind, sollte sich größtenteils rumgesprochen haben. Aber wohl noch nicht überall. Schon allein wenn die sich Fernsehwerbung leisten können, müssen die ja ne Menge Schmiergeld bekommen. Hab schon von Handwerkern gehört, dass die so ne leichte Erpressung bekommen haben wenn sie nicht zahlen, werden sie in der „noch so gefragten“ Seite nicht gelistet.

    Wie wär’s mal mit den anderen Öko-Anbietern gemeinsame Sache zu machen und ein Öko-Vergleichsportal auf die Beine zu stellen? Dort können dann ja auch Unterschiede herausgehoben werden, wie der eine setzt mehr auf Wasserkraft, der andere mehr auf Wind usw. Und alle machen gemeinsam Reklame für dieses Vergleichsportal um speziell die potentiellen Kunden zu werben, die sich für einen richtigen Öko-Anbieter interessieren, der nicht nur mehr schein als sein Ökostrom hat mit komischen Umweltzertifikaten aber der Strom kommt in Wirklichkeit doch vom Kohle- oder Atomkraftwerk.

    Und Smart Meter über LAN dürfte nicht klappen, erst recht bei alten Leuten ohne Internet. Und bei mir wären dann mehr Ausfälle als bestehende Verbindung, da ich nicht 24/7 im Netz bin. Über Mobilfunk im Keller sicher auch nicht überall. Und Energieverhalten hoffe ich mal, dass solch ein Zähler nicht unterscheiden kann, ob ich meinen Computer an habe, ich am fernsehen bin, oder Kühl- und Eisschrank gerade aktiv sind. Oder auch die vorprogrammierte Waschmaschine. Und Powerline soll doch angeblich nach draußen nicht funktionieren, sonst wären RWE & Co doch schon als Provider tätig wie es vor Jahren mal angekündigt wurde. Hatte das mal zu Hause von einem Raum zum nächsten. Erst ging’s. Ca. 2 Stunden später ging die Verbindungsgeschwindigkeit in den Keller, ohne dass ich etwa verändert hatte. Als ich dann per Kabel angeschlossen hatte, war die Geschwindigkeit wieder OK. Ich vermute, da hatte der Nachbar (getrennter Zähler) seine Waschmaschine eingeschaltet oder sonst was hat die Störungen verursacht.

    Viele Grüße
    Michael


    • Anke Blacha sagt:

      Hallo Michael,

      ich habe nun einige Infos zu Smart Meter zusammen.

      Zur Übertragung der Daten: Wie im Text beschrieben kann die Datenübertragung über Powerline, LAN oder das WLAN des Anschlussnutzers erfolgen. Aber besser eignen sich anscheinend Übertragungsmöglichkeiten wie beispielsweise Long Range (LoRa). Das ist der Standard, der auch für das Internet der Dinge genutzt werden soll. Dieser ist unabhängig von den lokalen Onlineverfügbarkeiten oder der Nutzung des Computers des Nutzers. Auch Störungen durch andere Geräte spielen hier keine Rolle.

      Mit Smart Meter könnte tatsächlich erkannt werden, welches Gerät Sie gerade nutzen – und wie hoch der Stromverbrauch ist. Gegebenenfalls werden Ihnen dadurch auch Einsparpotenziale aufgezeigt. Grundsätzlich gilt aber immer die Datenschutzverordnung und der Dienstleister kann nur das analysiert werden, was Sie freigeben.

      Ich hoffe, wir konnten Ihnen damit weiterhelfen.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


    • Anke Blacha sagt:

      Hallo Michael,

      Danke für Deinen Kommentar. Es gibt tatsächlich einige Seiten, auf denen nur Ökostrom-Anbieter abgebildet sind, beispielsweise Revolution Energy (https://revolution-energy.com/). Allerdings haben die Seiten nicht die Bekanntheit/die finanziellen Mittel, um lauter zu sein als die etablierten Vergleichsportale.

      Ihre Anmerkungen zu den Smart Meter kann ich so auf die Schnelle leider nicht kommentieren, da mir das Wissen dazu fehlt. Ich gebe das aber gerne an die Kolleginnen und Kollegen weiter und melde mich, sobald ich mehr Infos habe.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


  • Michael sagt:

    Was Verivox usw angeht: Entweder man will nen günstigen Anbieter mit egal wo der Strom her kommt, dann ist Lichtblick so oder so unten durch. Vermute ich jetzt mal, so war es zumindest früher, da Öko teurer war als Kohle usw.
    Und wer Öko will, der sucht gezielt nach Öko und da taucht auch Lichtblick und die 3 weiteren mit auf. Wären noch die grünwäscher, also herkömmlicher Anbieter mit Öko-Tarif. Aber dafür gibt es schon die örtlichen Stadtwerke.

    Was EON aber macht ist Klinkenputzer die eigentlich für die Telekom hausieren, anstiften dem Opfer gleich noch nen EON-Vertrag unterzujubeln, auch wenn die sich eigentlich nur für den rosanen Platzhirschen haben breitschlagen lassen. Wenn man schon am unterschreiben ist, kann’s ja auch gleich ne Unterschrift mehr sein. Ist nem Bekannten von mir passiert.

    Und was die Smartmeter angeht, die haben doch nicht etwa Kamera oder Mikrofon eingebaut, oder? Und selbst wenn, mein Zähler ist im Keller. Erwarten die auch, dass man denen Internet zur Verfügung stellt, oder funken die aus dem Keller mit Anbieter-eigener SIM-Karte nach draußen?

    Aber zum Thema fast-Monopol: Sind nicht nach wie vor alle Anbieter vor Ort verpflichtet, andere Anbieter zu den Steckdosen der Kunden weiterzuleiten? Also egal wie viele große es gibt. Wenn sich 2 große zusammen tun und die Regel bleibt, sollten doch nach wie vor alle Lichtblickkunden diese auch bleiben können und auch Neukunden hinzu kommen können. Oder hab ich da was verpasst?


    • Anke Blacha sagt:

      Hallo Michael,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Unsere Kritik bezieht sich vor allem darauf, dass Eon die lokalen Strommärkte beherrschen könnte. Unter lokalen Märkten verstehen wir Postleitzahl-genaue Gebiete. Denn es ist nun mal so, dass viele Verbraucher ihren Stromanbieter über Vergleichsportale suchen. Hier müssen Sie Ihre Postleitzahl angeben und bekommen nur für das Gebiet Angebote. Wenn Eon in zwei Drittel der Fläche Deutschlands eine Marktbeherrschung von 70 Prozent hat, werden Ihnen sehr wahrscheinlich unter den ersten 10 Treffern überwiegend Eon-Tarife bzw. Marken, an denen Eon beteiligt ist (ohne dass Ihnen das evtl. bewusst ist), angezeigt werden. Hinzu kommt, dass bei den Vergleichsportalen bei weitem nicht alle Anbieter/Tarife abgebildet werden. Selbstverständlich liefern wir deutschlandweit unseren Strom – doch wenn Sie das LichtBlick-Angebot nicht kennen, werden Sie nicht zu uns wechseln 😊

      Wir haben uns übrigens vor einiger Zeit aus den Vergleichsportalen zurückgezogen, da die Portale aus unserer Sicht nicht transparent und verbraucherfreundlich handeln. Mehr dazu können Sie beispielswiese auch hier nachlesen: https://www.mdr.de/nachrichten/ratgeber/kartellamt-kritik-online-vergleichsportale-100.html.

      Noch zum Thema Smart Meter: Soweit ich weiß, werden dort keine Kameras oder Mikrofone installiert sein. Dennoch erfahren die Betreiber von Smart Meter viel über Ihr Energie-Verhalten. Wenn ich das richtig gesehen habe, werden die Smart Meter Gateways verschiedene Möglichkeiten haben, zu kommunizieren – ob über LAN, Mobilfunknetz oder mittels Powerline Communication. Da erfolgt die Datenübertragung über das Stromnetz.

      Bei weiteren Fragen können Sie sich gerne bei uns melden.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


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