LICHTBLICKER

Viva con Agua in St. Pauli

Seit Mitte 2011 werden die LichtBlicker in der Zentrale auf St. Pauli mit Wasser von Viva con Agua versorgt. Wir aus der LichtBlicker Unternehmenskommunikation haben Christian Wiebe von Viva con Agua ein paar Fragen gestellt, die uns unter den Nägeln brannten…

Viva con Agua jetzt auch für alle LichtBlicker, Foto: Vivca con Agua, ©747 studios
Viva con Agua jetzt auch für alle LichtBlicker, Foto: Vivca con Agua, ©747 studios

Was machen ihr hier – welche Ziele und Werte verfolgt ihr?
Viva con Agua hat einen gesellschaftlichen Auftrag: Wir wollen soziale Probleme lösen. Weltweit haben fast 1 Milliarde Menschen keinen oder schlechten Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,5 Milliarden keinen Zugang zu sanitärer Versorgung oder hygienischen Einrichtungen und Schulungen.
Einen Beitrag zu dieser Grundversorgung zu leisten, ist unser Auftrag und gleichzeitig auch eine große Herausforderung. Wir wollen etwas verändern und eine positive, aktivierende Stimmung verbreiten. „Viva con Agua“ verkörpert das: „Leben mit Wasser“.

Gesellschaftlicher Auftrag

Wie und wann kam es zur Gründung? Was bedeutet der Stadtteil St. Pauli für Viva con Agua?
2005 war der FC St. Pauli als erste westliche Sportmannschaft in einem Trainingslager auf Kuba. Beim offiziellen Programm haben die Spieler auch Sportinternate und Kitas besucht und wurden dort mit der mangelhaften Trinkwasserversorgung konfrontiert. Das eklatante Problem von kontaminiertem Wasser wird hier besonders deutlich, denn vor allem junge Menschen sind anfällig für Krankheiten.

Viva con Agua Team in Äthiopien (Quelle Viva con Agua, ©john broemstrup)
Viva con Agua Team in Äthiopien (Quelle Viva con Agua, ©john broemstrup)

Diese Besuche waren der Anstoß für Benny Adrion, um sich über den Fußball-Dunstkreis hinaus zu engagieren. Als sozial denkender und politisch interessierter Mensch wollte er die Popularität des FC St. Pauli nutzen, sich für eine gute Sache einsetzen und die Menschen in seinem Umfeld motivieren.
Unser Stadtteil hat uns hier Rückenwind gegeben: St. Pauli ist lebendig und aktiv – das überdurchschnittliche Engagement  vom FC St. Pauli und allgemein im Stadtteil haben uns geholfen, Projekte anzugehen und erfolgreich durchzuführen. Unser Thema ist WASH: Water, Sanitation, Hygiene. Konkret bedeutet das: Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung und Trinkwasserhygiene. Diese drei Komponenten versuchen wir in integrierten Projekten unseres Partners Welthungerhilfe miteinander zu vernetzen.

Was ist seit der Gründung so passiert?
2006 haben wir einen Verein gegründet. Die Weiterentwicklung ist auch überregional geschehen, so haben wir in ganz Deutschland so genannte Zellen und Local Crews, das sind die offiziellen Vertretungen und Ortsgruppen von VcA in mittlerweile fast 30 Städten. Seit 2009 ist mit VcA Schweiz die erste VcA-Organisation im Ausland gegründet worden, in 2011 kam VcA Spanien dazu und bald wird es Viva con Agua auch in Österreich geben. Derzeit sind allein in Deutschland mehr als 4.000 Ehrenamtliche und Supporter dabei…
2010 ist die Stiftung und Wasser GmbH als Social Business und neues Charity Modell gegründet worden. 60% des Gewinns aus dem Wasserverkauf fließen in Wasserprojekte.

Gestartet wird vor Ort in Hamburg

Wie sieht eure Arbeit konkret aus?
Wir organisieren viele unkonventionelle Spenden-Aktionen: Pfandbecher sammeln auf Festivals  zum Beispiel: 2013 sind knapp 100.000 Euro durch Plastikbecher zusammengekommen. Promis und Musiker treten für Viva con Agua auf oder initiieren und unterstützen Kunst- und Kulturprojekte wie die Kunstausstellung im Stadion des FC St. Pauli, die MILLERNTOR GALLERY.

Spendenlauf Hoheluft (Quelle Viva con Agua, Miriam Boettner)
Spendenlauf Hoheluft (Quelle Viva con Agua, Miriam Boettner)

Neben dem internationalen Engagement steht natürlich die eigene Vereinsarbeit mit Inlandsprojekten. Wir initiieren Bildungsprojekte und Seminare von Wasserworkshops bis zur Kita- und Hochschulbildung. Eine Vielzahl von Kooperationen unterstützt unsere Arbeit und verbreitert den Wirkungsgrad.
Die andere Seite der Medaille ist die Aktivierung von Lehrern und Eltern, Schüler- oder Studierendenschaft. Nach der Sensibilisierung kommt die Aktivierung: Spendenläufe oder andere Aktionen zugunsten von Viva con Agua-Projekten. Kurz gesagt wollen wir durch Kunst, Musik, Kultur, Sport u.v.m. die Menschen sensibilisieren, aktivieren und zum Teilnehmen motivieren.
Außerdem bedeutet unsere Arbeit auch Netzwerkbetreuung. Freiwilligen-Management in Deutschland und anderen Ländern, die Zellen regelmäßig updaten und briefen,  Netzwerkkongresse und Weiterbildungsangebote für die Supporter organisieren…

Was ist das besondere an St. Pauli? Gibt es Anekdoten aus der Nachbarschaft, an denen ihr uns teilhaben lasst?
Die Verbindung zwischen Verein, Fankultur und Viva con Agua ist einzigartig und bei Spielen bekommen wir im Stadion immer wieder großartigen Support. 2008 gab es eine legendäre Halbzeitaktion. Der Start des Wassermarsches – einer Spendenwanderung von HH nach Basel – wurde von den Fans im Stadion begleitet: Zwischen der Südkurve und der Gegengrade gab es langanhaltende und kräftige Wechselgesänge „Wasser“ – „Marsch“, Wasser“ – „Marsch“,…
Dieses Erlebnis, so emotional und ehrlich Unterstützung für die Viva con Agua-Idee zu bekommen, war unglaublich und unvergesslich! Es ist nicht mess- oder  bewertbar, sondern einzigartig.

„Die einzige Möglichkeit“

Wie setzt ihr euch für den Stadtteil ein? Wie können wir alle dazu beitragen? Warum lohnt es sich, sich zu engagieren?
Viva con Agua ist eines der ersten Projekte von KIEZHELDEN und darüber hinaus teilen wir gerne  für und in unserem Stadtteil. Pfandbechersammlungen führen wir auch im Millerntor durch: Gemäß der Philosophie des offenen Netzwerks haben wir bspw. bis zur vergangenen Saison auch für Fanräume e.V. gesammelt, der Spenden-Erlös wurde geteilt. Aktuell teilen wir uns mit dem neuen Museums-Verein die Spenden.
Jeder kann mitmachen und als Supporter bei dem vielfältigen Angebot von Viva con Agua dabei sein oder eben das richtige Wasser trinken!
Auf der ökologischen Schiene vertreten wir die Ansicht: Wasserversorgung und Gewässerschutz gehören unbedingt zusammen. Beim „BIG JUMP“ zum europäischen Flussbadetag haben wir  auf die schlechte Wasserqualität in deutschen Flüssen und Seen aufmerksam gemacht.
Auch als Social Business gibt’s Knackpunkte. Wir sind uns der Herausforderung von abgefülltem Wasser bewusst und achten deshalb auf kurze Transportwege: Unser Wasser kommt aus dem nahegelegenen Husum und eben nicht aus den Alpen!

Viva con Agua Netzwerk Millerntor (Quelle Viva con Agua, ©Thomas Koch)
Viva con Agua Netzwerk Millerntor (Quelle Viva con Agua, ©Thomas Koch)

Wo steht ihr in 5 Jahren?
2018…werden wir uns über ein gut funktionierendes dezentrales Netzwerk im deutschsprachigen Raum freuen. Die derzeitigen Ansätze, Viva con Agua Strukturen auch in den so genannten Entwicklungsländern zu initiieren, sind gut angelaufen: Die junge, mittelständische Schicht wird zu sozialem Engagement motiviert und die Viva con Agua Philosophie wird weitergelebt  im Engagement für die eigenen Leute im Land.

St. Pauli ist…
… die einzige Möglichkeit!

Welches ist euer schlagendstes Argument für LichtBlick-Strom bzw. Ökostrom?
Jeder Bezieher von Ökostrom von LichtBlick investiert in eine wirklich nachhaltige und sichere Energieversorgung.

Und zu guter Letzt: Möchtet ihr sonst noch was loswerden?
Alle für Wasser  – Wasser für Alle!

Die Fragen stellte Laura Welle aus der Unternehmenskommunikation von LichtBlick.

Einen Steinwurf von der Reeperbahn entfernt befindet sich die Zentrale von LichtBlick. Wir berichten in unserer Blog-Serie regelmäßig Wissenswertes aus dem Kiez.

 


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