LICHTBLICKER

Sauberes Wasser im Regenwald

Seit mehr als zehn Jahren schützt LichtBlick Regenwald in Ecuador. Regelmäßig erhalten wir von Carlos Zorrilla, dem Leiter unserer Partnerorganisation DECOIN, Berichte aus dem Regenwald. Aus Anlass des UN-Weltwassertags hat er uns beschrieben, wie eigentlich die Wasserversorgung im Intag-Gebiet ist.

Wasserqualität – unbekannt

Vor fast 40 Jahren, 1978, als ich mich in Intag niederließ, erhielten die rund 16.000 Bewohner der Region ihr Wasser aus ungeschützten Flüssen und Bächen. Das Wasser wurde nicht mit Chlor desinfiziert. Tausende tranken somit Wasser, das über Viehweiden oder Ackerflächen geflossen war, verschmutzt mit Tierexkrementen oder Pestiziden aus der Landwirtschaft. Der Großteil der Bevölkerung war geradezu haarsträubend desinteressiert, wo ihr Wasser herkam, selbst die lokalen Regierungen zeigten kein echtes Interesse, die Bewohner mit sauberem Trinkwasser zu versorgen.

Möchte jemand Wasser mit Schaum?

Einmal erklärte mir jemand, das Leitungswasser in Apuela sei schaumig, weil der Besitzer des Landes, wo das Wasser herstammt, gerade Sisalfasern waschen würde. Die Sisalpflanze enthält Saponine, natürliche Giftstoffe! Ich konnte es nicht fassen, dass niemand den Landbesitzer zur Rechenschaft zog. „Es ist sein Land, was können wir schon dagegen unternehmen!”, das war die Reaktion der meisten meiner Mitmenschen, als ich meine Wut zeigte. Ich erinnere mich auch noch genau an den Du-musst-verrückt-sein-Gesichtsausdruck als ich mich zum ersten Mal danach erkundigte, ob ich das Leitungswasser problemlos trinken könne. „Aber nein, du musst das Wasser vorher 15 Minuten lang kochen!”, war die Antwort – das war damals die Standardempfehlung der Gesundheitsberater an die Gemeinden. Genug Menschen sind dem Rat nicht immer gefolgt, oder sie hatten nicht immer genug Zeit, um es zu tun. Die Folge: Bei Kindern war Parasitenbefall die häufigste Krankheitsursache. Ein Problem, das auch viele andere Länder, in weniger entwickelten Regionen der Welt kennen.
Doch schmutziges Trinkwasser war nicht das einzige Wasserproblem in Intag. Schon damals litten viele Gemeinden jedes Jahr unter Wasserknappheit – während der drei bis vier Monate andauernden Trockenzeit. Das Bevölkerungswachstum erhöhte den Druck auf die Wasserquellen, vor allem aber fehlte es an Wissen über die Verbindung zwischen Abholzung und schlechter Wasserversorgung. Kurz gesagt: Die Menschen beschwerten sich über den Mangel an Wasser in der Trockenzeit, während sie in den Wassereinzugsgebieten ihrer Gemeinde selbst zur Abholzung beitrugen.

Auch im Intag Regenwald wächst das Bewusstsein für sauberes Wasser, Foto: Eva Danulat
Auch im Intag Regenwald wächst das Bewusstsein für sauberes Wasser, Foto: Eva Danulat

Die Vereinten Nationen mischen sich ein

1993 erklärten die Vereinten Nationen den 22. März zum “Weltwassertag”, um die Aufmerksamkeit der Welt auf jene Probleme zu lenken, mit denen Intag und die meisten Länder der Welt zu kämpfen hatte. Obwohl seither wirklich bedeutende Fortschritte gemacht worden sind, sterben jeden Tag noch immer 1.800 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, die auf verschmutztes Wasser zurückgehen.

Intag auf dem Weg zum Vorbild

Im Jahr 1995 half ich mit, DECOIN zu gründen, die Bürgerinitiative, die hier in Intag aktiv ist, um die bedrängten Wälder und ihre bedrohten Bewohner zu schützen. Und obwohl unser wichtigster Feind der Kupfer-Bergbau war – eine Gefahr, die bis heute Intag zu entwalden droht und die Flüsse und Bäche mit Schwermetallen verseuchen würde – haben wir uns auch um die Trinkwasserversorgung gekümmert. Wohl wissend, dass wir ohne die Bewahrung der Wälder in Intag auch für die Sicherung des Trinkwassers keine dauerhafte Lösung finden würden. Im Jahr 1997 begann schließlich das Projekt zur Schaffung von Gemeindewäldern und den Schutz der Wassereinzugsgebiete. Dank dieser Initiative haben nun die meisten Intag-Bewohner sicheres Trinkwasser zur Verfügung, zudem besitzen und schützen 41 Gemeinden 12.000 Hektar Wald und Wassereinzugsgebiete, aus denen das jetzt sichere Trinkwasser stammt. Gleichzeitig sind diese Waldflächen Rückzugsgebiet für Dutzende Pflanzen- und Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Die beiden Initiativen für Wald- und Wasserschutz sind eng miteinander verquickt. Und dank unserer Umweltbildungsprogramme verstehen die meisten Menschen in Intag inzwischen den Zusammenhang zwischen Wald- und Wasserschutz.
Intags Antwort auf die Wasserkrise geht über die Versorgung mit sicherem Trinkwasser und den Schutz bedrohter Arten hinaus. Vielleicht der wichtigste Aspekt der Zusammenarbeit mit Projektpartnern wie LichtBlick und “GEO schützt den Regenwald” ist, dass wir zum Vorbild für andere Teile der Welt geworden sind, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. An diesem 22. März wünschen wir uns nichts sehnlicher, als dass weitere Gemeinden weltweit unserem Beispiel folgen – um das Leben von Kindern zu retten.

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Die Berichte veröffentlichen wir regelmäßig hier auf unserer Internetseite.


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