LICHTBLICKER

Im Namen der Armutsbekämpfung

Keine Seltenheit im Regenwald - verschmutzte Seen und Landschaften als Hinterlassenschaft von Bodenschatz-Abbau, Foto: Julien Gomba
Keine Seltenheit im Regenwald – verschmutzte Seen und Landschaften als Hinterlassenschaft von Bodenschatz-Abbau, Foto: Julien Gomba

Trotz der schlechten Erfahrungen in Lateinamerika und Afrika: Bei vielen der sich selbst als „fortschrittlich“ bezeichnenden Regierungen – zum Beispiel in Ecuador und Bolivien – ist der Abbau von Bodenschätzen nach wie vor die Methode der Wahl, um der Armut eine Ende zu bereiten. Die Ausbeutung von Bodenschätzen zum Teil im Regenwald ist förmlich zur magischen Formel dafür geworden, wie man die Armut bekämft, und jegliche Mittel, dieses Ziel zu erreichen, sind erlaubt. Was die Bodenschatzgewinnung in Wirklichkeit so attraktiv macht, ist das schnelle Geld.

Ausbeutung im Regenwald

In Ecuador, wo auch das LichtBlick-Regenwald-Projekt beheimatet ist, wurde Ende 2014 der so genannte ITT-Block im Yasuní Nationalpark, eines der weltweit herausragenden Schutzgebiete, für die Förderung von Erdöl geöffnet. Dies war der Beginn der Verhärtung der Fronten in der „Ausbeutung von natürlichen Ressourcen“. Großangelegte Proteste der Bevölkerung gegen Bergbauvorhaben und hohe Steuern sind Gründe für die verlangsamte Entwicklung vieler Minenprojekte.

Maßgeschneiderte Gesetze für die Bergbauunternehmen

Doch besonders in rohstoffabhängigen Ländern, zu denen auch Ecuador gehört, sind die Bergbaukonzerne gut darin, Überzeugungsarbeit bei den Regierungen zu leisten. Und dies tun sie so lange, bis schließlich ihre Pläne durchgesetzt sind. Seit dem neuen Bergbaugesetz, das 2009 von der Regierung von Rafael Correa erlassen worden ist, sind zahlreiche Gesetzesänderungen vorgenommen worden, die es für Bergbauunternehmen einfacher und billiger machen, Rohstoffe zu „plündern“. Die Gesetze brachten ihnen etwa die Befreiung von der Mehrwertsteuer, eine Steuer, die alle Bürger und alle normalen Firmen im Land zahlen müssen. Die ecuadorianische Regierung schaffte zudem viele Regularien und Genehmigungen ab, die die Unternehmen einhalten bzw. einholen mussten.
Die Folgen dieser Regierungsentscheidungen sind enorm. Sie sind noch Jahrzehnte später zu spüren, schaden Hunderttausenden Menschen, beeinträchtigen die Bürger- und Menschenrechte und verursachen albtraumhafte Umweltschäden, die Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte lang andauern können. Das passiert, wenn diese Form der „wirtschaftlichen Nutzung“ rücksichtslos durchgesetzt wird. Dann nämlich wird es plötzlich akzeptabel, Menschenrechtsverletzungen zu begehen, lokale Regierungen zu untergraben, Bürgerrechte zu missachten und Proteste von Menschen – die spüren, dass das Gemeinwohl, ihre Rechte und ihre Lebensgrundlage in Gefahr sind – zu kriminalisieren.

Probebohrungen in Junín mit spürbaren Folgen

Fast ein Jahr lang hat in unberührten Nebelwäldern der Intag-Region der chilenische Konzern CODELCO, der größte Kupferproduzent der Welt, für das Kupfertagebauprojekt von Junín Aufschlussbohrungen durchgeführt, mit voller Unterstützung der nationalen Regierung. Obwohl bislang nur die erste von drei Untersuchungsphasen abgeschlossen wurde, sind schon jetzt die Folgen spürbar. Uralte Bäume in unberührtem Regenwald wurden gefällt, um Zufahrtswege für die Bohrungen zu erschließen. Geschützte Waldgebiete wurden nach Belieben benutzt, Wanderwege des Gemeinde-Tourismusprojekts zerstört. Das aus den Bohrungen aufsteigende Wasser verunreinigt die Flüsse und Bäche. Und, wie in allen Bergbauprojekten, waren die sozialen Auswirkungen lange vor den Umweltproblemen spürbar. Trotzdem, und das bezeugt die Kraft der Gemeinden und Menschen in der Intag-Region, geht der Widerstand gegen dieses verheerende Projekt weiter. Junín liegt etwa eine Stunde Fahrzeit von den Regenwald-Schutzgebieten von LichtBlick entfernt.

Armut der künftigen Generation

Ohne Frage: Wirtschaftliche Armut ist furchtbar. Doch selbst wenn der Wunsch, diese auszurotten, gut gemeint ist, riskiert man eine noch schlimmere und nachhaltigere Armut. Dann nämlich, wenn die angewendeten Methoden rechtswidrig sind, wenn Menschenrechte verletzt und Bürger bedroht werden, wenn biologischen Juwelen geschadet wird und Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Diese neue Armut wird die künftigen Generationen heimsuchen.

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Die Berichte veröffentlichen wir regelmäßig hier auf unserer Internetseite. So ist auch dies ein Auszug aus dem aktuellen Bericht, den sie uns vor einigen Tagen zu gesendet hat.


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