LICHTBLICKER

Panela: Süßes aus dem Regenwald

Eva Danulat, unsere Projektpartnerin für unser Regenwald-Projekt in Ecuador, war vor kurzem in unserem Schutzgebiet. Neben Projekten zur Aufforstung hat sie sich auch ein kleines Projekt zur Zuckerherstellung im Regenwald angeschaut.

Wo kommt der Zucker her?

Wenn ich auf meinen Besuchen bei DECOIN-Direktor Carlos Zorrilla frühstücke, begeistern mich immer wieder aufs Neue die Pfannkuchen mit „Panela“. Der karamellfarbene Rohrzucker ist typisch für unsere Projektregion, duftet ebenso intensiv wie er schmeckt – ich mag wirklich alles daran! Umso größer meine Freude als Keith und Marisol Bunds, die Nachbarn von Carlos, uns einladen, bei der Produktion von Panela dabei zu sein.

Bis aus Zuckerrohr Panela wird, ist es e in langer Prozess, Foto: Eva Danulat
Bis aus Zuckerrohr Panela wird, ist es ein langer Prozess, Foto: Eva Danulat

Panela – gutes Einkommen für Kleinbauern

Auf dem 20-minütigen Fußweg füttert mich Carlos mit Fakten. Panela ist ein nicht-raffinierter Zucker, der vor allem im nördlichen Lateinamerika und in Indien hergestellt und gegessen wird. Im Vergleich zu dem Europa ganz überwiegend konsumierten weißen Kristallzucker, ist Panela viel gesünder; denn dessen mineralischer Anteil, bestehend aus Eisen, Kalium, Phosphor, Calcium, Magnesium und Selen, ist 50 Mal größer als bei weißem Zucker; auch viele Vitamine bleiben erhalten.

Meist sind es Kleinbauern, die Panela produzieren und sich so ein Einkommen erwirtschaften. Schätzungsweise 50.000 kleine Panela-Manufakturen halten in Lateinamerika die Wirtschaft im ländlichen Raum in Schwung und geben mehr als einer Million Menschen Arbeit. Allein in Kolumbien, nach Indien der zweitgrößte Produzent weltweit, sind 350.000 Menschen in der Panela-Produktion beschäftigt. Die Herstellung ist ohne großen technischen Aufwand möglich: Zuckerrohrsaft wird so lange eingekocht bis sich der Zucker herauskristallisiert. Das Aroma der süßen Köstlichkeit stammt von der Melasse, die in Panela erhalten bleibt.

Vom Zuckerrohr zur Panela

Als wir auf der Finca von Keith und Marisol eintreffen, erleben wir ein Kollektiv von zehn jungen Leuten unter einem Wellblechdach, das trotz schwerer körperlicher Arbeit und Gluthitze Spaß zu haben scheint. Zwei, drei Helfer stecken die auf der Finca geernteten Zuckerrohrstangen nacheinander in eine einfache, motorbetriebene Presse. Der süße, farblose Saft des Zuckerrohrs fließt unter den wachsamen Augen einer amerikanischen Freiwilligen über eine Holzrinne in einen riesigen Kessel unter dem ein mächtiges Feuer lodert. Dorthin müssen die getrockneten Überreste des Zuckerrohrs gebracht werden, die als Brennstoff dienen. Der Dampf aus den Kesseln treibt die Mittagstemperatur in schwindelerregende Höhen; gefühlt sind es 50 °C. Nach nur wenigen Minuten Aufenthalt sind auch wir Zuschauer in Schweiß gebadet.

Viele Arbeitsprozesse bis zur süßen Köstlichkeit

Zucker aus dem Regenwald: Mariasol stellt köstliche Panela her, Foto: Eva Danulat
Zucker aus dem Regenwald: Mariasol stellt köstliche Panela her, Foto: Eva Danulat

Immer weiter wird der Zuckerrohrsaft eingekocht bis er sich in sirup-ähnliche, zähe Melasse, verwandelt hat. Die Melasse wird in hölzerne Wannen gegossen, die meist aus alten, ausgehöhlten Baumstämmen bestehen. Kurz vor der Kristallisation, wird der Zuckerrohrdicksaft dann in Gießformen aus Holz gefüllt. Panela wird sehr hart, wenn es auskristallisiert und wechselt seine Farbe in ein intensives Braun. Nach dem Erkalten lösen sich Panela-Blöcke etwa von der Größe von Seifenstücken aus den Formen. In seiner natürlichen, harten Form, wird es von Bauern in Lateinamerika als schnelle Energiequelle geschätzt. Das sehr beliebte, streufähige Panela-Granulat ist aufwendiger in der Herstellung: Damit die Panela später gelöffelt werden kann, wird die zähe Rohzuckermasse zunächst in flache Holztröge gegossen. Während des Abkühlungsprozesses müssen starke Arme die Masse unablässig mit Schiebern in Bewegung halten, damit das Produkt am Ende schön krümelig ist.

Immerhin zwanzig Tonnen der süßen Köstlichkeit produziert das Team um Keith und Marisol in einem guten Jahr. Ich darf die eben abgekühlte Panela probieren – der Geschmack ist einfach großartig. Fünf Pfund davon schleppe ich in meinem Rucksack nach Hause. Und jedes Mal, wenn ich davon koste, denke ich daran, wie toll es war, bei der Herstellung zuzusehen.

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Die Berichte veröffentlichen wir regelmäßig hier auf unserer Internetseite.


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