Umweltorganisationen wollen die Ölförderung im Yasuni Nationalpark verhindern, Foto: DECOIN

LICHTBLICKER

Umweltschutz vs. Armutsbekämpfung

Umweltorganisationen wollen die Ölförderung im Yasuni Nationalpark verhindern, Foto: DECOIN
Umweltorganisationen wollen die Ölförderung im Yasuni Nationalpark verhindern, Foto: DECOIN

Weniger als 1 Prozent des Yasuní Nationalparks wird zerstört, dafür erhält Ecuador 18 Milliarden USD, um die Armut im Land zu bekämpfen. So lautet der Entschluss von Präsident Rafael Correa als im August 2013 die Yasuní-ITT-Initiative scheitert. Mit Entsetzen betrachten die LichtBlick-Projektpartner „Geo schützt den Regenwald“ und DECOIN vor Ort die drohenden Gefahren für den Nationalpark. Als im Juni bekannt wird, dass es bereits eine Straße gibt, die bis ins Herz des Yasuní reicht, rückt der Traum, den Nationalpark zu retten ein Stückchen weiter in die Ferne…

Yasuní: Ein Pionierprojekt für den Umweltschutz?

Im Jahr 2007 präsentiert die ecuadorianische Regierung die Yasuní-ITT-Initiative als Pionierprojekt für den Umweltschutz. Das Erdöl in der Region soll nicht angerührt werden, wenn die Weltgemeinschaft dafür 50 Prozent der potentiellen Öleinnahmen erstattet. Doch die Welt enttäuscht Ecuador, anstelle der erwarteten 3,6 Milliarden USD werden nur 10 Millionen USD zugesagt. Correa beschließt daraufhin, die Förderung der Ölressourcen zu beginnen.

Nicht nur die Natur, auch die indigene Bevölkerung steht auf dem Spiel

Verschiedene Organisationen und Aktivisten beklagen neben den Bedrohungen für die Umwelt auch die Zerstörung des Lebensraums von verschiedenen indigenen Völkern. Diese leben bislang im Yasuní-Park in freiwilliger Isolation. Das Argument mit Öleinnahmen die Armut zu bekämpfen wird von der Regierung jedoch instrumentalisiert und zum Mittelpunkt einer großen Kampagne. Laut Carlos Zorrilla von DECOIN wird diese eingesetzt, um die Gegner der Ölförderung zu diskreditieren.

Der Volksentscheid droht zu scheitern

Umfragen bestätigen, dass 78 bis 90 Prozent [1] der Ecuadorianer gegen die Förderung im Yasuní sind. Fast 800.000 Unterschriften der Bevölkerung werden für den Antrag auf Volksentscheid gesammelt, wobei nur 584.000 erforderlich waren. Im Mai 2014 werden jedoch knapp 55 Prozent dieser für ungültig erklärt. Viele Gründe hierfür erscheinen trivial und beziehen sich auf Formalitäten wie die Größe des Papiers auf dem die Unterschriften gesammelt wurden. Umweltorganisationen sind entrüstet und drohen damit, die Angelegenheit bis zu internationalen Schiedsstellen zu tragen. Die letzte Entscheidung ist also noch nicht gefallen.

Der Weg für die Förderung im Yasuní wird geebnet

Ecuadors Regierung beginnt jedoch bereits mit dem kostspieligem Bau einer Raffinerie, die nur dann von Nutzen ist, wenn demnächst Öl aus dem Yasuní-Nationalpark gefördert wird. Finanziert wird der Bau von einer chinesischen Bank. Zur gleichen Zeit hat die staatliche Ölfirma PetroAmazonas heimlich eine bis zu 60 Meter breite Straße gebaut, die bis ins Herz des Nationalparks führt. Dabei hatte das Umweltministerium bisher nur einen „ökologischen Pfad“ erlaubt. Experten gehen davon aus, dass der Schaden an der Umwelt 20 bis 30 Mal größer als angenommen sein wird, sobald Straßen einen breiten Zugang schaffen[1].

Als im Juli 2014 Mitglieder der Organisation YASunidos Richtung Yasuní aufbrechen, um sich von der Größe der Straße selbst zu überzeugen, werden sie vom Militär aufgehalten. Der Durchgang zur Straße wird ihnen untersagt. Ein genaues Bild können sie sich nicht machen, aber es lässt erahnen, was dies für die Zukunft des Yasuní bedeutet.

Weitere Hintergrundinformationen zu dem Thema finden Sie in unserem Blogbeitrag Der Yasuní Nationalpark soll gerettet werden.

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Die Berichte veröffentlichen wir regelmäßig hier auf unserer Internetseite. So ist auch dies ein Auszug aus dem aktuellen Bericht, den sie uns vor einigen Tagen zu gesendet hat.

 

 


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