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LichtBlick-Regenwald: Bedrohung durch Bergbau

Seit mehr als dreizehn Jahren schützen wir Regenwaldflächen in Ecuador – pro Kunde und Monat stellen wir einen Quadratmeter Regenwald unter Schutz. Regelmäßig berichten wir über Aktuelles aus der Intag-Region. Im Juni war Eva Danulat, die Geschäftsführerin unserer Partnerorganisation „GEO schützt den Regenwald“, vor Ort. Sie berichtet, wie Bergbau-Vorhaben immer näher rücken.

Nein zum Bergbau im Regenwald. Die Bewohner vom Intag wehren sich gegen die Bergbau-Pläne, Foto: Eva Danulat
Nein zum Bergbau im Regenwald. Die Bewohner vom Intag wehren sich gegen die Bergbau-Pläne, Foto: Eva Danulat

Nein zum Bergbau

An der Bushaltestelle von Santa Rosa wartet schon Roberto, der Nachbar von DECOIN-Direktor Carlos Zorrilla auf mich. Er ist im Wagen da, so muss ich mein Gepäck nur die letzten ein, zwei Kilometer Fußweg durch den Wald tragen. Was gibt’s Neues? Roberto braucht nicht zu überlegen: Vor ein paar Wochen traf er auf seinem Grundstück auf zwei Unbekannte, die sich sehr merkwürdig verhielten. Wie er schnell herausfand, waren sie Vertreter des Rohstoffriesens BHP. Sie wollten herausfinden, was die Bewohner von Santa Rosa von Bergbau halten. „Ich hab ihnen klar gemacht, dass sie bei uns nichts zu suchen haben. Ich hab sie auf der Stelle zu ihrem Wagen zurückbegleitet!“, schimpft Roberto. Wenn er sich an die unerwünschten Besucher erinnert, packt ihn noch immer die Wut. BHP Billiton ist ein australisch-britischer Rohstoffkonzern und gehört mit Vale und Rio Tinto Group zu den drei weltgrößten Bergbauunternehmen. In Santa Rosa sind die Nachbarn einhellig gegen Bergbau. Und so prangt nun auf einem riesengroßen Schild an der Schule des Ortes in roten Lettern: „NO A LA MINERÍA!„.

Bergbaufirmen suchen Befürworter

Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Angst der Intag-Bewohner vor Bergbauaktivitäten spürbar angewachsen. Gleich nach meiner Ankunft bei Carlos erfahre ich, warum. Seit einigen Monaten machen immer mehr Bewohner des Intag-Tals ähnliche Erfahrungen wie Roberto. Abgesandte von inzwischen drei Firmen mit Bergbaukonzessionen – BHP, Cornerstone und CODELCO – spionieren selbst in kleinsten Gemeinden wie Santa Rosa oder Cazarpamba die Bevölkerung aus. Sie sind auf der Suche nach Gebieten, in denen mit dem geringsten Widerstand gegen Bergbau zu rechnen ist. Für große Teile des Intag-Tals gibt es seit vielen Jahren Kupfer-Konzessionen.

Wirtschaft vs Umwelt

Das ist gegen die Verfassung, denn keine der Gemeinden wurde vorab gefragt, ob sie mit Erzabbau auf ihrem Gebiet einverstanden ist. Dass die Möglichkeit von Bergbauaktivitäten jetzt näher rückt und die Bedrohung damit realer wird, liegt auch an den hohen Staatsschulden. Obwohl ein Ende der Wirtschaftskrise nicht in Sicht ist, wächst der Widerstand gegen Bergbauvorhaben. Immer mehr Bewohner sind sich über die verheerenden Folgen im Klaren, die der geplante Kupfertagebau für Umwelt und das soziale Miteinander in Intag hätte. Denn ganz in ihrer Nähe, auf der anderen Seite der Berge, die ihr friedliches Tal umgeben, sind in diesem Jahr die schlimmsten Schreckensvisionen Realität geworden.

Goldrausch mit verheerenden Folgen

Ende 2017 sind Arbeiter nahe der Ortschaft La Merced de Buenos Aires, an der Grenze zum Cotacachi-Cayapas-Naturreservat, auf goldhaltiges Gestein gestoßen. Die Meldung löste in ganz Ecuador und selbst über dessen Grenzen hinaus einen Goldrausch aus. In der Hoffnung auf ihr Glück stürmten innerhalb weniger Wochen Tausende in die abgelegene Hochgebirgsregion. Seither ist dort nichts mehr wie es war. Ruhe und Frieden gibt es nicht mehr. Mit Piken und Schaufeln rissen die Goldsucher die Erde auf. Sie durchlöcherten die ganze Landschaft mit Tunneln, um an das kostbare Gestein heranzukommen. Ihre Arbeit ist gefährlich und kräftezehrend. Hinzu kommen der Regen und die Kälte. Auf fast 4.000 Meter Höhe haben die Schürfer, darunter wenige Frauen, ein notdürftiges Camp, eine Stadt aus Plastik, errichtet.

Staat ist machtlos

Seit Jahresbeginn herrschen auf dem immer weiter wuchernden Schürfgelände und im Camp Gesetzlosigkeit und Chaos. Von täglichen gewalttätigen Auseinandersetzungen bis hin zu Mord und Totschlag berichten Aussteiger von etlichen Männern, die in einstürzenden Tunneln lebendig begraben worden sind. sie erzählen von Prostitution, Raub und Diebstahl und von lebensbedrohlichen Krankheiten bedingt durch Dreck, mangelnde Hygiene und Kälte im Camp. Staatliche Behörden, Polizei und Militär, waren bislang noch nicht vor Ort, um die illegalen Aktivitäten zu stoppen, sagt Carlos. Zu hoch sei die Zahl der Männer, zu groß ihr Gewaltpotential, zu schwierig das Gelände.

Weiter für den Regenwald-Schutz kämpfen

Dass angesichts dieser Berichte immer mehr Intag-Bewohner den großflächigen Tagebau, wie er in ihrer Region anvisiert ist, auf jeden Fall verhindern möchten, ist leicht nachzuvollziehen. Carlos Zorrilla und seine Mitstreiter führen die Aufklärungsarbeit von DECOIN fort, veranstalten Meetings, verteilen Info-Material und Dokumentarfilme über Bergbauaktivitäten. Carlos‘ Söhne Martín und Joel haben über die Aktivitäten von BHP in Intag eine Webseite erstellt. Sie, wie auch viele Bewohner des Intag, kämpfen weiter dafür, dass ihre Heimat, in der auch der LichtBlick-Regenwald ist, bewahrt bleiben.

Mich macht das unverfrorene Vorgehen der „Bergbau-Spione“ in Intag eher wütend als ängstlich. Trotzdem bin ich froh, dass die Gegner von Kupferbergbau in der Region mit DECOIN einen sehr starken Partner an ihrer Seite haben. Die Organisation ist ein Partner, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits drei internationale Unternehmen zur Aufgabe ihrer Pläne gezwungen hat.

 

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Mehr zum LichtBlick Regenwald-Projekt finden Sie auf unserer Webseite.

 

 


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