LICHTBLICKER

Kampf für den Regenwald: Ein Leben als Umweltaktivist

Seit mehr als dreizehn Jahren schützen wir Regenwald in Ecuador – pro Kunde und Monat stellen wir einen Quadratmeter Regenwald unter Schutz. Regelmäßig berichtet Carlos Zorrilla von DECOIN, unserem Partner vor Ort, über Aktuelles aus der Intag-Region. Dieses Mal geht es um ein sehr persönliches Thema – er berichtet über sein Leben, das er voll und ganz dem Umweltschutz verschrieben hat.

Carlos Zorrilla von DECOIN (2. von rechts) hat sich sein Leben für den Umweltschutz verschrieben, Foto: Carlos Zorrilla
Carlos Zorrilla von DECOIN (2. von rechts) widmet sein Leben für den Umweltschutz, Foto: Carlos Zorrilla

Seit 24 Jahren im Einsatz für den Regenwald

Gelegentlich werde ich gefragt, wie es sich anfühlt, ein Umweltaktivist zu sein. Die Antwort ist nicht einfach, sie variiert auch je nach dem Gemütszustand, in dem ich mich gerade befinde. Seit nunmehr 24 Jahren setze ich mich für die Wälder, die Flüsse und die Artenvielfalt in der Intag-Region ein. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich mein „Aktionismus“ auch auf viele Bereiche in meinem Leben auswirkt.

Seit 40 Jahren lebe ich in Intag. Vierundzwanzig Jahre davon habe ich komplett einer Kampagne gewidmet, deren Ziel es ist, die geplante Umsetzung von großräumigem Kupfer-Tagebau zu stoppen. Der Tagebau verwüstet laut Experten nicht nur die Wälder, Flüsse und Artenvielfalt unserer Region, sondern würde auch soziales Chaos mit sich bringen.

Dieser Umweltkonflikt ist kein weit entfernter Konflikt, für den ich ab und zu Briefe zur Unterstützung schreibe oder 100-Dollar-Schecks versende. Der Konflikt, der eines der wahrhaftigen biologischen Juwelen unseres Planeten zerstören kann, ereignet sich direkt vor meiner Haustür, in weniger als 20 Kilometer Entfernung. Er betrifft Freunde und Nachbarn ganz unmittelbar und er zerstört die soziale und die biologische Gemeinschaft.

Die Kosten des Engagements für den Umweltschutz

Der am meisten betroffene Teil meines Lebens ist das Leben selbst. Das ist die Zeit, die ich für die Bekämpfung der Bergbauunternehmen und der Regierung aufwenden muss, die Kupfer-Minen um jeden Preis durchsetzen wollen. Ich spreche von Tausenden von Stunden, die der Geldbeschaffung, der Pflege von Web- und Social-Media-Seiten, der Vorbereitung und Durchführung von Hunderten von Gesprächen, dem Verhandeln mit Anwälten, den Treffen mit Gemeinden und Organisationen gewidmet sind. Die Liste ist sehr lang, speziell für Aktivisten wie mich, die sich als untrennbarer Teil eines Landes und der Menschen fühlen, die bedroht sind. Diese Art von Arbeit kann aber zudem noch gefährlich sein. Im Jahr 2017 beispielsweise kamen weltweit 197 Land- und Umweltaktivisten als Folge der Ausübung ihrer Tätigkeit um.

Was die Arbeit mental mit dir macht, ist schwer zu beschreiben. Es beinhaltet ein großes Gefühl von Verlust. Ein sehr schwieriger Aspekt ist es, mit dem Gefühl der Verzweiflung umzugehen, wenn man darüber nachdenkt, gegen wen, und gegen was genau, wir kämpfen. Und das trotz der Tatsache, dass durch unser Engagement in Intag zwei Versuche von Bergbauunternehmen für ein Minenprojekt verhindert wurden.

Ist ein Ende abzusehen?

Unser Engagement unterscheidet sich von vielen anderen dadurch, dass viele Aktivitäten nur für eine kurze Zeit und bis zum Erreichen eines bestimmten Zieles durchgeführt werden – etwa bis ein bestimmtes Gesetz verabschiedet wird. Sobald dieses Ziel erreicht ist, kann man sich freuen und ein Gefühl des Erfolgs spüren. Unser Umwelt-Engagement ist seit 24 Jahren aktiv, und noch ist kein Ende in Sicht. So stehen wir jetzt vor dem dritten Versuch der ecuadorianischen Regierung und von Unternehmen, dieses Bergbauprojekt mitten in den Wäldern Intags, an unberührten Flüssen und Bächen zu realisieren. Aller Voraussicht hätte dies zur Folge, dass Hunderte von Familien aus ihren Gemeinden vertrieben würden.

Trotz der Macht und Gier unserer Gegner und unserer persönlichen Nöte, wollen wir nicht aufgeben. Denn dies ist unser Land und unsere Zukunft. Die Mine ist noch nicht eröffnet und so geht der Kampf um Leben und Menschenrechte weiter. Damit wir weitermachen können, ist es von großer Bedeutung, dass wir weiterhin auf die Unterstützung von Organisationen und Einzelpersonen zählen können – wie LichtBlick., Sie helfen uns, jene rund 13.000 Hektar Gemeindewald zu schützen, und all die bedrohten Arten, die er beherbergt. Durch die Unterstützung konnten wir ein Modell zur Erhaltung der Wälder und zur wirtschaftlichen Entwicklung entwickeln, das viele Gemeinden in Ecuador und in anderen Teilen der Welt inspiriert hat.

Das ist der Verdienst unserer harten Arbeit, von der ich glaube, dass sie noch lange nach unserem Tod Früchte tragen wird.

 


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